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Die Hamburger Bühnenmanuskripte von Schillers Drama «Die Jungfrau von Orleans»

von Christine Hellmich (Autor:in)
©2014 Monographie 573 Seiten

Zusammenfassung

Schiller hatte großes Interesse an der bühnenwirksamen Inszenierung seiner Dramen und vermarktete erfolgreich eigene Bühnenbearbeitungen seiner Stücke. 1801 erwarb die Theaterdirektion des Deutschen Theaters in Hamburg eine autorisierte Abschrift von Schillers Bühnenfassung der «Jungfrau von Orleans». Es ist das einzige Originalbühnenmanuskript des Dramas, das heute noch erhalten ist. Am Hamburger Theater wurde sein Text für die dortige Erstaufführung nochmals bearbeitet und eine Abschrift von dem definitiven Spieltext angefertigt. Beide Manuskripte weisen vielfältige Bearbeitungs- und Benutzungsspuren auf. Die vorliegende Studie beinhaltet die Erfassung und Analyse der verschiedenen Texteingriffe, stellt die wichtigsten inhärenten Textfassungen vor und erläutert deren rezeptionsgeschichtlichen Kontext. Behandelt werden Schillers Bühnenfassung, die Hamburger Bearbeitung für die Erstaufführung 1801 und die napoleonische Zensurfassung von 1812. Durch die Erschließung neuer Autorvarianten wird Schillers Arbeit am Bühnentext konkretisiert. Die Darstellung wird ergänzt durch die synoptische Edition von Schillers Druck und Bühnenfassung neben der Fassung der Hamburger Erstaufführung.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Einleitung
  • Teil I: Darstellung
  • 1. Beschreibung der Handschriften und wichtiger Überlieferungsträger
  • 1.1 h¹: Das erste Hamburger Bühnenmanuskript
  • 1.1.1 Titel, Aufbewahrungsort und Signatur
  • 1.1.2 Maße und Umfang
  • 1.1.3 Blatt-, Seiten- und Lagenzählung
  • 1.1.4 Papier
  • 1.1.5 Einband
  • 1.1.6 Hände
  • 1.1.7 Die Randbemerkungen und der Anhang in h¹
  • 1.1.8 Weitere Namensnennungen und Daten in h¹
  • 1.1.9 Die Erschließung von Lesarten für die heute in h¹ fehlenden Seiten
  • 1.2 Joachim Meyers Kollation des ersten Hamburger Bühnenmanuskripts h¹
  • 1.2.1 Titel, Aufbewahrungsort und Signatur
  • 1.2.2 Maße und Umfang
  • 1.2.3 Papier und Einband
  • 1.2.4 Charakteristika von Meyers Kollation
  • 1.2.5 Meyers Vorbemerkung zu seiner Kollation (Transkription)
  • 1.3 h²: Das zweite Hamburger Bühnenmanuskript
  • 1.3.1 Titel, Aufbewahrungsort und Signatur
  • 1.3.2 Maße und Umfang
  • 1.3.3 Seitenzählung
  • 1.3.4 Papier
  • 1.3.5 Einband
  • 1.3.6 Hände
  • 1.3.7 Die Randbemerkungen und der Anhang in h²
  • 1.3.8 Weitere Namensnennungen und Daten in h²
  • 1.4 dⁿ: Das zusammen mit h¹ aufbewahrte Druckexemplar der „Jungfrau von Orleans“ – ein Soufflierbuch
  • 1.4.1 Titel, Aufbewahrungsort und Signatur
  • 1.4.2 Maße und Umfang
  • 1.4.3 Papier
  • 1.4.4 Einband
  • 1.4.5 Hände und sonstige Merkmale
  • 1.5 E: Der Erstdruck der „Jungfrau von Orleans“ (1801)
  • 1.5.1 Titel und Aufbewahrungsort
  • 1.5.2 Maße und Umfang
  • 1.5.3 Allgemeine Merkmale
  • 2. Die Hamburger Bühnenmanuskripte und ihre Bearbeitungen bis 1812
  • 2.1 h¹: Schillers Bühnenmanuskript für das Deutsche Theater in Hamburg
  • 2.1.1 Schillers Verhandlungen mit dem Hamburger Theaterdirektor Jakob Herzfeld
  • 2.1.2 Entstehung und allgemeine Merkmale von Schillers Bühnenfassung der „Jungfrau von Orleans“
  • 2.1.3 h¹ª: Charakteristik der Grundschicht von h¹
  • 2.1.4 h¹ᵇ(S): Schillers eigenhändige Änderungen in h¹
  • 2.1.4.1 Bekannte eigenhändige Änderungen Schillers
  • 2.1.4.2 Neue für Schillers Hand erschlossene Lesarten
  • 2.1.4.2.1 Streichungen
  • 2.1.4.2.2 Änderung der Aufzugs- und Auftrittszählung
  • 2.2 h¹ᶜ: Die Bühnenfassung der Hamburger Erstinszenierung von 1801
  • 2.2.1 h¹ᶜ als die gespielte Fassung der Hamburger Erstaufführung
  • 2.2.2 h¹ᶜ: Charakteristik der Änderungen
  • 2.3 h²: Das Soufflierbuch zur Hamburger Bühnenfassung h¹ᶜ.
  • 2.3.1 h² als Soufflierbuch der Hamburger Erstinszenierung
  • 2.3.2 h²ª: Charakteristik der Grundschicht von h²
  • 2.4 Zensurbedingte Texteingriffe in h¹ und h² während der Franzosenzeit (1806–1814)
  • 2.4.1 Historischer Hintergrund
  • 2.4.2 Aufführungen der „Jungfrau von Orleans“ während der Franzosenzeit (1806–1814)
  • 2.4.3 Die zensurbedingten Änderungen in h¹ und h²
  • Teil II: Dokumentation
  • 1. Synoptische Edition der Texte von E, h¹ª und h²ª
  • 1.1 Textgrundlage und Textgestaltung
  • 1.1.1 Textgrundlage
  • 1.1.2 Formalia der Textgestaltung
  • 1.1.3 Textkritische Entscheidungen bei der Wiedergabe der Texte von E, h¹ª und h²ª
  • 1.2 Parallele Textwiedergabe von E, h¹ª und h²ª
  • 2. Lesarten
  • 2.1 Lesarten I: Abweichungen zwischen E, h¹ª, h¹ᵇ(S), h¹ᶜ und h²ª
  • 2.1.1 Erläuterungen zur Variantendarstellung
  • 2.1.2 Apparat
  • 2.2 Lesarten II: Änderungen der Zensurbearbeitung (1812) in h¹ und h²
  • 2.2.1 Erläuterungen zur Variantendarstellung
  • 2.2.2 Apparat
  • Anhang
  • 1. Schema der in h¹ª und h¹ᶜ gegenüber E fehlenden Verse
  • 2. Überlieferte Theaterzettel von Aufführungen der „Jungfrau von Orleans“ am Hamburger Stadttheater im Zeitraum von 1801–1860
  • 3. Siglen, diakritische Zeichen und Abkürzungen
  • 4. Archive, Bibliotheken und Museen
  • 5. Literaturverzeichnis
  • 6. Quellennachweis der Abbildungen
  • Arbeiten Zur Editionswissenschaft

Einleitung

In der SUB Hamburg wird unter der Signatur „Theater-Bibliothek 2023“ das einzige erhaltene Originalbühnenmanuskript von Schillers Drama „Die Jungfrau von Orleans“ aufbewahrt. h1, das erste Hamburger Bühnenmanuskript, ist eine autorisierte Abschrift von Schillers Bühnenfassung der „Jungfrau von Orleans“ und enthält einige nachträgliche Änderungen von Hand des Autors. Abgesehen von elf Blättern, die heute in der Handschrift fehlen, ist der Text der Bühnenfassung in h1 vollständig überliefert.

Zum ersten Mal hinlänglich kollationiert wurde h1 1861 von Joachim Meyer,1 wodurch nicht zuletzt für die heute fehlenden Seiten einige wichtige Varianten überliefert sind. Im 5. Band der 1867 in zwölf Bänden bei Cotta erschienenen Gesamtausgabe von Schillers Werken wurde h1 dann stillschweigend zum ersten Mal herangezogen, um zwei in den Druckfassungen unvollständige Verse (V. 2473 und V. 3051) zu ergänzen.2 1868 wurden „die Ergänzungen aus dem Hamburger Theatermanuscript“3 explizit in den edierten Text der Hempelschen Ausgabe übernommen. Spätere Editionen folgten diesem Beispiel.

1870 wurden die Varianten von h1 im 13. Teil von Goedekes historisch-kritischer Schiller-Ausgabe zum ersten Mal vollständig abge ← 13 | 14 → druckt.4 Grundlage für die Variantenverzeichnung war Meyers Kollation von 1861. Wilhelm Vollmer, der Bearbeiter und Herausgeber des Bandes, gab in seiner Einleitung zur „Jungfrau von Orleans“ außerdem erstmals eine relativ ausführliche Beschreibung der Handschrift, wobei er auf eine zusammenfassende Darstellung von Meyer zurückgriff.5 Auch würdigte Vollmer die durch Meyer bekannt gewordenen Varianten im Einzelnen einer kritischen Besprechung. Damit war in Bezug auf h1 ein Kenntnisstand erreicht, mit dem sich die Philologen jahrzehntelang zufrieden geben sollten.

Die von Vollmer nach Meyers Kollation mitgeteilten Lesarten wurden in Auswahl noch einmal im letzten Teil der 1910–1911 von Otto Güntter und Georg Witkowski herausgegebenen Gesamtausgabe von Schillers Werken dargeboten.6

Zu erwähnen ist außerdem noch die editorische Verwendung der Lesarten von h1 im 6. Band der 1904–1905 erschienenen Säkular Ausgabe, wo h1 als Emendationsgrundlage für die Auftrittseinteilung und die Personenangaben der Textgrundlage diente.7 ← 14 | 15 →

Neue Erkenntnisse zu h1 lieferte Johannes Hoffmann 1906 in seiner Dissertation über „Schillers ‚Maria Stuart‘ und Jungfrau von Orleans‘ auf der Hamburger Bühne in den Jahren 1801–1848“. Den Schwerpunkt seiner Untersuchung bildeten die verschiedenen, in Hamburg vorgenommenen Bearbeitungen des Dramentextes. Neben h1 berücksichtigte Hoffmann als erster zwei weitere Textexemplare der „Jungfrau von Orleans“ aus dem ehemaligen Besitz des Hamburger Stadttheaters: zum einen h2, das zweite Hamburger Bühnenmanuskript (SUB Hamburg, Signatur: „Cod. in scrin. 118b“), eine frühe Abschrift der ersten Hamburger Bearbeitung von h1; zum anderen ein später als Soufflierbuch verwendetes Exemplar eines Einzeldrucks (SUB Hamburg, Signatur: „Theater-Bibliothek 2023“). Hoffmann scheint die Grundschicht von h1 erneut kollationiert zu haben, denn er vermochte die bei Vollmer nach Meyers Kollation wiedergegebenen Varianten um einige neue Lesarten zu ergänzen.8

Zu dem Zeitpunkt, als Hoffmann die Handschriften einsah, fehlten in h1 bereits die eingangs erwähnten elf Blätter. Hoffmann war der erste, der deshalb auf den Text der Abschrift h2 zurückgegriffen hat, um Lesarten für die verloren gegangenen Seiten in h1 zu erschließen.9 Vermutlich zog Hoffmann h2 auch vergleichend heran, um in h1 die erste, in Hamburg erfolgte Bearbeitung des Dramentextes zu identifizieren. Bei der Darstellung einer später in h1 erfolgten Zensurbearbeitung hat er jedenfalls ausdrücklich auf ähnliche oder zusätzliche Änderungen in h2 verwiesen.10 Besondere Berücksichtigung fand h2 bei Hoffmann außerdem aufgrund einer späten, nur in h2 vorhandenen Bleistiftbearbeitung des Dramentextes.11

In Bezug auf h1 beschrieb Hoffmann im Wesentlichen drei Textschichten: zum einen die älteste Hamburger Bearbeitung von Schillers ← 15 | 16 → Bühnenfassung (von Hoffmann zutreffend vor 1812 angesetzt);12 zweitens die Zensurbearbeitung unter napoleonischer Herrschaft (von Hoffmann korrekt auf das Jahr 1812 datiert); drittens die Bleistiftbearbeitungen aus der Zeit nach 1812. Die verschiedenen Bearbeitungen sind bei Hoffmann sehr ausführlich dargestellt. Die jeweiligen Änderungen am Text sind komplett erfasst und im Einzelnen auf religiöse, moralische oder politische Tendenzen hin untersucht. Hoffmann unternahm auch den Versuch, die Urheber und jeweils den Zeitpunkt einzelner Bleistiftänderungen zu ermitteln. Unter Hinzuziehung einer Sammlung von überlieferten Theaterzetteln des Hamburger Stadttheaters gelang es ihm auch, einige Einträge von Schauspielernamen in h1, h2 und in dem Druckexemplar zu datieren.13

Gleichwohl wurden Hoffmanns Ergebnisse 1948 bei der Edition der „Jungfrau von Orleans“ im Rahmen der Schiller-Nationalausgabe (NA) nicht berücksichtigt.14 Die von Hoffmann geleistete Differenzierung und Datierung der in Hamburg erfolgten Texteingriffe fand keinen Eingang in die Beschreibungen der Handschriften h1 und h2. Die Handschriftenbeschreibung von h1 in NA 9 geht vielmehr nicht wesentlich über diejenige von Wilhelm Vollmer im 13. Teil der Goedeke-Ausgabe (1870) hinaus.15 Immerhin wurde h1 anhand einer Photographie neu kollationiert, wodurch die Lesarten von Schillers Bühnenfassung noch einmal vermehrt werden konnten. Sie sind vollständig im Apparat der Ausgabe verzeichnet. Bei der Handschriftenbeschreibung von h2 wurde in NA 9 indessen sehr oberflächlich verfahren. Die kurz gehaltene Charakteristik von h2 schließt mit den Worten: „Für unsere Ausgabe hat diese Hamburger Bühnenbearbei ← 16 | 17 → tung keine Bedeutung und wurde darum nicht in die Lesarten aufgenommen.“16

In anderen Werkausgaben des 20. Jahrhunderts wurde h2 entweder in ähnlicher Weise wie in NA 9 als „textkritisch ohne Bedeutung“17 abgetan oder erst gar nicht erwähnt.

h1 wurde zuletzt für die Neuedition im 9. Band der NA (erschienen 2012) vollständig kollationiert. In Auszügen wurde dabei auch h2 kollationiert, um im Abgleich mit Meyers Kollation Lesarten für die heute in h1 fehlenden Seiten zu erschließen.18 Ein interessantes Ergebnis dieser Hinzuziehung von h2 war die Infragestellung der von Schiller beabsichtigten Position seiner eigenhändigen Einfügung in V. 3051, die bis dato von zahlreichen Editoren kritiklos nach Joachim Meyers Kollation in die Textausgaben übernommen worden war.19

Die vorliegende Studie ging aus der Mitarbeit an der Neuedition der „Jungfrau von Orleans“ (NA 9 N II) hervor. Bei der textkritischen Sichtung der Hamburger Bühnenmanuskripte ergaben sich zahlreiche Fragen, deren Klärung im Rahmen der Neuausgabe nicht zu leisten war, zum Beispiel: Zu welchem Zeitpunkt wurde in h1 die Aufzugs- und Auftrittszählung geändert? Sind in h1 neben den bekannten Autorvarianten möglicherweise noch weitere Texteingriffe zu verzeichnen, die auf Schiller selbst zurückgehen? In welcher Fassung ist das Drama bei der Hamburger Erstaufführung am 15. Dezember 1801 gespielt worden? Wann und zu welchem Zweck ist das zweite Hamburger Bühnenmanuskript angefertigt worden? ← 17 | 18 →

Zur Beantwortung dieser Fragen bedurfte es einer vollständigen und gründlichen Kollation der Grundschichten von h1 und h2. Da die Abschrift h2 den Text von h1 in einer frühen Hamburger Bearbeitung wiedergibt, ermöglichte der Vergleich der beiden Grundschichten, die verschiedenen Texteingriffe in h1 zeitlich in Änderungen vor und in Änderungen nach Anfertigung der Abschrift h2 zu differenzieren und in h1 die in h2 abgeschriebene Fassung zu isolieren. Unter Hinzuziehung einer zeitgenössischen Kritik der Hamburger Erstaufführung ließ sich der Nachweis erbringen, dass die frühe, von unbekannter Hand stammende und in h2 abgeschriebene Hamburger Bearbeitung der „Jungfrau von Orleans“ die gespielte Fassung der Erstaufführung darstellt (s. Kap. I, 2.2.1). In der Folge konnte dann auch h2 zum ersten Mal schlüssig datiert und seine Funktion als Soufflierbuch bestimmt werden (s. Kap. I, 2.3.1).

Die festgestellten Änderungen in h1 aus der Zeit vor der Anfertigung von h2 wurden schließlich daraufhin untersucht, inwiefern sie sich zeitlich und nach Händen noch weiter unterscheiden ließen. Das besondere Interesse galt dabei einigen auffälligen Streichungen, die bereits 1906 von Hoffmann erwähnt worden sind:

Bemerkt muss jedoch noch werden, dass sich innerhalb der grossen Tintenstreichungen in der ‚Jungfrau von Orleans‘ einige kleinere finden, die jedesmal nur wenige Verse in Schlangenlinien streichen. ‹…› Sie verraten jedenfalls eine weit geschicktere Hand als die andern.20

Hoffmann nahm als Urheber dieser Texteingriffe einen der damaligen Hamburger Theaterdirektoren an, ohne sich jedoch auf eine bestimmte Person festzulegen.21 Schiller als Urheber erwog er nicht. Die beschriebene Streichungsart konnte jetzt für Schiller belegt werden (s. Kap. I, 2.1.4.2.1). Zu den neuen Lesarten, die für Schillers Hand erschlossen werden konnten, gehört auch die in h1 geänderte Aufzugs- und Auftrittszählung (s. Kap. I, 2.1.4.2.2). ← 18 | 19 →

Die Studie gliedert sich in einen diskursiven und einen dokumentarischen Teil.

Die Darstellung in „Teil I“ beginnt mit einer ausführlichen Beschreibung der beiden Hamburger Bühnenmanuskripte und anderer wichtiger Überlieferungsträger, darunter Meyers Kollation von h1 sowie das später am Hamburger Stadttheater als Soufflierbuch benutzte Druckexemplar. Anschließend werden in chronologischer Folge die wesentlichen Fassungen und Texteingriffe in h1 und h2 behandelt. Das sind im Einzelnen: die Grundschicht von h1, Schillers nachträgliche eigenhändige Änderungen in h1, die erste Hamburger Bearbeitung von h1 anlässlich der Erstaufführung, die Grundschicht von h2 und die 1812 durch die französische Zensur bedingten Texteingriffe in h1 und h2.

In „Teil II“ werden die Texte von h1 und h2 dokumentiert. Auf die synoptische Edition der Texte im Vergleich zum Erstdruck folgt die Darstellung der Lesarten, untergliedert in zwei Apparate: Der erste Apparat (Lesarten I) verzeichnet neben den Abweichungen zwischen E, h1 und h2 die eigenhändigen Änderungen Schillers sowie die Texteingriffe des ersten Hamburger Bearbeiters. Der zweite Apparat (Lesarten II) beinhaltet die zensurbedingten Änderungen in h1 und h2 während der napoleonischen Herrschaft in Hamburg. ← 19 | 20 → ← 20 | 21 →

1Vgl. Joachim Meyers Kollation des ersten Hamburger Bühnenmanuskripts h1, aufbewahrt im DLA/Cotta, Signatur: „Cotta Hss Slg“ mit dem Vermerk „m. hs. Druckf.-Eintr. u. krit. Vorbem. v. Joachim Meyer, 16.3.1861“, s. hierzu Kap. I, 1.2.

2Vgl. Schillers sämmtliche Werke in zwölf Bänden. Bd 5: ‹Maria Stuart. Die Jungfrau von Orleans. Die Braut von Messina oder die feindlichen Brüder.› Stuttgart 1867. S. 234 (V. 2473) und S. 259 (V. 3051).

3Schiller’s Werke. Nach den vorzüglichsten Quellen revidirte Ausgabe. ‹Hrsg. unter Mitarbeit von Wendelin von Maltzahn.› T. 5: Maria Stuart. – Die Jungfrau von Orleans. – Die Braut von Messina. Hrsg. von Wendelin von Maltzahn. Berlin ‹1869›. S. 135. Vgl. ebd. auch S. 211 (V. 2473 und Fn. 1) und S. 230 (V. 3051 und Fn. 1).

4Vgl. Schillers sämmtliche Schriften. Historisch-kritische Ausgabe. Im Verein mit A‹dolf› Ellissen, R‹einhold› Köhler, W‹ilhelm› Müldener, H‹ermann› Oesterley, H‹ermann› Sauppe und W‹ilhelm› Vollmer hrsg. von Karl Goedeke. T. 13: Macbeth. Die Jungfrau von Orleans. Turandot. Hrsg. von Wilhelm Vollmer. Stuttgart 1870. S. 167–336.

5Vgl. ebd., S. VIII–XX (Einleitung), insbesondere S. XII; zum Vergleich s. Kap. I, 1.2.5 (Transkription von Joachim Meyers Beschreibung der Handschrift).

6Vgl. Schillers Werke. Vollständige, historisch-kritische Ausgabe in zwanzig Teilen. Unter Mitwirkung von Karl Berger, Erich Brandenburg, Th. Engert, Conrad Höfer, Albert Köster, Albert Leitzmann, Franz Muncker hrsg. von Otto Güntter und Georg Witkowski. T. 20, Abt. 1: ‹Lesarten.› Leipzig ‹1911›. S. 246–250 (Lesarten zu „Die Jungfrau von Orleans“). – Ebd., S. 246, ist die Sigle „H“ kurz erläutert: Sie steht für das „Manuskript des Hamburger Stadttheaters. (Nach Goedeke Bd. XIII.) Die vielfachen Kürzungen in dieser Handschrift, die nur auf Theaterrücksichten beruhen, sind nicht bezeichnet.“ Folglich schweigt der Apparat der historisch-kritischen Ausgabe von 1911 an Stellen, wo Wilhelm Vollmer in der Goedeke-Ausgabe, T. 13 (1870) fehlende Verse gegenüber dem Erstdruck für die Grundschicht von h1 vermerkt hat.

7Vgl. Schillers Sämtliche Werke. Säkular-Ausgabe in 16 Bänden. In Verbindung mit Richard Fester, Gustav Kettner, Albert Köster, Jakob Minor, Julius Petersen, Erich Schmidt, Oskar Walzel, Richard Weißenfels hrsg. von Eduard von der Hellen. Bd 6: Maria Stuart. Die Jungfrau von Orleans. Mit Einleitung und Anmerkungen von Julius Petersen. Stuttgart, Berlin ‹1904›. S. 382.

8Vgl. Johannes Hoffmann: Schillers ‚Maria Stuart‘ und ‚Jungfrau von Orleans‘ auf der Hamburger Bühne in den Jahren 1801–1848. Greifswalder Diss. Greifswald 1906. S. 30–31(Fn. l).

9Vgl. ebd., S. 31 (Forts. Fn. 1).

10Vgl. ebd., S. 84 (Fn. 1), S. 86–87 und S. 90–92.

11Vgl. ebd., S. 94–95.

12Vgl. ebd., S. 50 (Hoffmann verwendet die Sigle m1 zur Bezeichnung der ersten Hamburger Bearbeitung von h1). Die erste Hamburger Bearbeitung von h1 datiert Hoffmann ebd. auf das Jahr 1803, worin er – wie sich zeigen lässt – vermutlich irrt, da für die Bearbeitung h1c vielmehr 1801 anzunehmen ist, s. Kap. I, 2.2.1.

13Vgl. ebd., S. 99 und S. 104–105.

14Vgl. Schillers Werke. Nationalausgabe. Im Auftrag des Goethe- und Schiller-Archivs und des Schiller-Nationalmuseums hrsg. von Julius Petersen † und Hermann Schneider. Bd 9: Maria Stuart. Die Jungfrau von Orleans. Hrsg. von Benno von Wiese und Lieselotte Blumenthal. Weimar 1948.

15Vgl. ebd., S. 411–413 (Handschriftenbeschreibung) und S. 414–421 (Lesarten).

16Ebd., S. 413.

17Schiller. Sämtliche Werke in zehn Bänden. Berliner Ausgabe. Hrsg. von Hans-Günther Thalheim mit Peter Fix, Jochen Golz, Waltraud Hagen, Matthias Oehme, Regine Otto, Barthold Pelzer. Bd 4: Wallenstein. Maria Stuart. Die Jungfrau von Orleans. ‹Bearbeitet von Jochen Golz.› Reprint der Erstveröffentlichung Berlin und Weimar 1984. Berlin 2005. S. 854.

Details

Seiten
573
Jahr
2014
ISBN (PDF)
9783035105025
ISBN (ePUB)
9783035199512
ISBN (MOBI)
9783035199505
ISBN (Hardcover)
9783034312103
DOI
10.3726/978-3-0351-0502-5
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2014 (August)
Schlagworte
Erstaufführung Bühnenfassung napoleonische Zensurfassung
Erschienen
Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Oxford, Wien, 2014. 574 S., zahlr. Abb.

Biographische Angaben

Christine Hellmich (Autor:in)

Christine Hellmich (*1973) studierte Germanistik und Neuere und Neueste Geschichte in Eichstätt und München, absolvierte anschließend den Aufbaustudiengang Editionswissenschaft in Osnabrück und promovierte dort 2012 im Fach Literaturwissenschaft. Sie arbeitete an Band 9 (Neue Ausgabe) der Schiller-Nationalausgabe und am Projekt einer historisch-kritischen Lessing-Briefausgabe mit.

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Titel: Die Hamburger Bühnenmanuskripte von Schillers Drama «Die Jungfrau von Orleans»