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Der Islamische Staat – Zwischen Terrorismus, Guerilla und Staatlichkeit

Eine systematisch-kritische Studie zum Forschungsstand

von Kevin Horbach (Autor:in)
Dissertation 136 Seiten

Zusammenfassung

Ist der Islamische Staat (IS) ein Terrornetzwerk, eine Guerillaorganisation oder doch ein Staat? Dieses Buch beantwortet die Frage, indem es hinter die Fassade des Kalifats blickt: Es zeigt auf, wer die Entscheidungsträger des IS sind und nach welcher Ideologie und Strategie sie denken und handeln. Zudem betrachtet es den Aufbau der Organisationsstruktur und der transnationalen Vernetzung. Auf Grundlage der Ergebnisse diskutiert diese Studie am Ende ebenfalls potentielle Gegenmaßnahmen.
Durch eine systematisch-kritische Analyse und Auswertung der wichtigsten Fachliteratur zum IS filtert dieses Werk die zuverlässigen Informationen über den Akteur heraus, sodass am Ende ein umfangreiches Gesamtbild präsentiert wird. Vor dem Hintergrund der Terrorismusforschung verortet die Studie den IS als einen Hybrid aus Terror-und Guerillaorganisation.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • 1. Einleitung
  • 1.1 Konzeptioneller Rahmen
  • 2. Der Islamische Staat im Irak und in Syrien
  • 2.1 Operationalisierung der Studie
  • 2.2 Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Islamischen Staates – Ein chronologischer Überblick
  • 2.3 Die Novität des Islamischen Staates
  • 3. Ideologie – zwischen Religiösem Extremismus und Politischem Opportunismus
  • 3.1 Religiöser Extremismus
  • 3.1.1 Das Schisma zwischen Sunniten und Schiiten
  • 3.1.2 Die takfir-Praxis
  • Exkurs: Die Rolle Saudi-Arabiens
  • 3.1.3 Die Narrative der Apokalypse
  • 3.1.4 Das Kalifat als Bestandteil der Ideologie
  • Exkurs: Ideologischer Konflikt mit al-Qaida
  • 3.2 Politischer Opportunismus
  • 3.3 Erstes Zwischenergebnis
  • 4. Organisationsstruktur – zwischen totalitärer Theokratie und Geheimdienstorganisation
  • 4.1 Die institutionalisierte und zentralisierte Hierarchie des IS
  • 4.2 Der IS als totalitäre Theokratie
  • 4.3 Der IS als Geheimdienstorganisation
  • 4.4 Zweites Zwischenergebnis
  • 5. Handlungsform – von militärischer Strategie und ziviler Ordnung, Finanzen und Allianzen
  • 5.1 Militärische Strategie
  • 5.2 Zivile Ordnung und Administration
  • 5.3 Finanzen und Ökonomie
  • 5.4 Allianzen und Bündnispolitik
  • 5.5 Drittes Zwischenergebnis
  • 6. Transnationale Vernetzung – von lokaler und globaler Propaganda, Rekrutierung und Exklaven-Politik
  • 6.1 Qualität, Technisierung, Produktion und Distribution der Propaganda
  • 6.2 Lokale Propaganda
  • 6.3 Globale Propaganda
  • 6.4 Rekrutierung
  • 6.5 Exklaven-Politik und die Terrorgefahr im Westen
  • 6.6 Viertes Zwischenergebnis
  • 7. Fazit – Zusammenfassung, Auswertung und Schlussfolgerungen
  • 7.1 Zusammenfassung und Gesamtbild
  • 7.1.1 Stärken und Defizite in der Fachliteratur
  • 7.2 Auswertung der empirischen Ergebnisse
  • 7.3 Schlussfolgerungen und Hypothesen
  • 7.4 Schlussbemerkung
  • Literaturverzeichnis
  • Anhang

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1.  Einleitung

Diese Arbeit untersucht systematisch-kritisch die Fachliteratur zum Thema Islamischer Staat (im Irak und in Syrien). Ziel dieser inhaltlichen Analyse des Forschungsstandes ist es, ein besseres Verständnis über die Eigenschaften dieses neuen Akteurs zu erlangen und ein klares, verständliches und vor allem verlässliches Gesamtbild des Islamischen Staates nachzuzeichnen.1 Die Vollendung eines geordneten Gesamtbildes des Akteurs, welches diesen greifbarer macht, könnte dann als verlässlicher Bezugspunkt für weitere Studien und Analysen dienen.

Die spezifische Forschungsfrage, die dieser Studie zugrunde liegt, lautet, wie der Akteur Islamischer Staat in dem trialen Spannungsfeld zwischen Terrorismus, Guerilla und Staat(-lichkeit)2 zu verorten ist. Darauf aufbauend folgt auf der praktischen Ebene konsequenterweise die Frage nach der genauen Beschaffenheit dieses Akteurs, das heißt, es wird untersucht, ob es sich um einen neuartigen hybriden Akteur handelt und wenn ja, welche Charakteristika ihm zuzuschreiben sind. Auf der theoretischen Ebene schließt sich dagegen direkt die Frage an, ob und wenn ja, in welcher Form es zu einer Weiterentwicklung des Terrorismus gekommen ist, das heißt, welche Konzepte und Annahmen bisheriger Forschung zeigen sich als bestätigt, welche sich als widerlegt?

Die systematisch-kritische Studie des Forschungsstandes Islamischer Staat hat vor dem Hintergrund des größeren Forschungsrahmens der Terrorismusforschung also ebenso ein weiteres Ziel: Die Analyse der aktuellen Entwicklungen rund um die Thematik Islamischer Staat soll neue Erkenntnisse für die Terrorismusforschung liefern, um eben jene Forschung weiter voranzutreiben. Hierzu wird gleich zu Beginn ein theoretischer, konzeptioneller Rahmen festgelegt sowie eine Definition von Terrorismus gegeben. ← 11 | 12 →

Die systematische und kritische Inhaltsanalyse des Forschungsstandes, angelehnt an die Methodik einer Literaturstudie, wird als am besten geeignetes Mittel zur Beantwortung der Forschungsfrage ausgewählt.3 Durch diese Methode wird gewährleistet, dass die Thematik möglichst breit erfasst wird und dabei verlässliche Informationen über den Islamischen Staat herausgefiltert werden können. Auf Basis der gesicherten Informationen kann im Anschluss die Verortung des Akteurs im benannten Spannungsfeld erfolgen und die Forschungsfrage beantwortet werden. Als Ergebnis wird zusätzlich zu den inhaltlichen Erkenntnissen über den Akteur und den theoretischen Erkenntnissen für die Terrorismusforschung erarbeitet, welche Literatur sich verlässlich für die weitere Forschung zu dieser Thematik eignet.

Dass ein großes, allgemeines Interesse an weiterer Forschung und an weiteren Erkenntnissen zu dieser Thematik besteht, wird bereits bei einem täglichen Blick in die weltweite Berichterstattung deutlich. Die kaum zu vergleichende Brutalität, mit der der Islamische Staat vorgeht, verbreitet über den Nahen und Mittleren Osten hinaus Angst vor diesem neuen Akteur. Seine zusätzlich rasante territoriale Expansion in den letzten Jahren und Monaten befördert zudem die Befürchtung von Politikern und Wissenschaftlern,4 dass die ohnehin schon fragilen Staaten in dieser Region (Irak und insbesondere das durch den Bürgerkrieg gezeichnete Syrien) noch weiter destabilisiert und die Bevölkerungen dieser Staaten noch weiterem Leid ausgesetzt werden. Die, durch die Sozialen Medien und das Internet im Allgemeinen ermöglichte, globale Reichweite und Präsenz dieses Akteurs hat zur Folge, dass die Frage nach dem Umgang und nach den notwendigen Reaktionen auf den Islamischen Staat in unzähligen Staaten weltweit seinen Weg auf die politischen Tagesordnungen gefunden hat.

Um einen Einstieg in diese aktuelle Thematik zu ermöglichen, soll in dieser Arbeit, nach der Erstellung des konzeptionellen, theoretischen Rahmens und der Operationalisierung der Studie, zunächst die Entwicklung ← 12 | 13 → des Islamischen Staates kurz chronologisch dargestellt werden – von den Anfängen 1999 bis zur vorerst letzten Entwicklungsstufe, der Ausrufung des Kalifats, am 29. Juni 2014. Erst in einem zweiten, tiefergehenden Schritt folgt dann die systematisch-kritische Inhaltsanalyse des Forschungsstandes, in der der Islamische Staat dann anhand von vier substanziellen Kategorien untersucht wird: Seine Ideologie, Organisationsstruktur, Handlungsform und transnationalen Vernetzung. Diese vier Kategorien wurden vor dem Hintergrund des benannten Zieles, ein verständliches und verlässliches Gesamtbild nachzuzeichnen und den Akteur im Spannungsfeld zwischen Terrorismus, Guerilla und Staat zu verorten, ausgewählt. Um die derzeitige Flut an Informationen zu dieser Thematik für den Leser in einen geordneten Fluss zu bringen, werden in jeder dieser Kategorien zunächst grundlegende Informationen über den Akteur Islamischer Staat thematisch getrennt, aggregiert und ausgewertet. Da es aber das formulierte Ziel dieser Studie ist, ein geordnetes, abschließendes Gesamtbild und nicht vier separate Teilstücke zu präsentieren, ergeben sich an einigen Stellen selbstverständlich auch thematische Verknüpfungen zu den jeweils anderen Kategorien. Grundsätzlich wurden diese Kategorien einer Untersuchung, der in der Fachliteratur bereits vorhandenen Empfehlungen möglicher Gegenmaßnahmen, vorgezogen, da in dieser Studie zunächst Wissen über den Akteur gesichert sowie der Akteur selbst in das oben benannte Spannungsfeld eingeordnet werden soll. So wird vermieden, voreilig Schlüsse über die ‚richtigen‘ Reaktionen auf den Akteur und sein Handeln zu ziehen, ohne den Akteur selbst richtig erfasst zu haben. Aufgrund der Brisanz der Thematik wird diese Arbeit aber, nach der Auswertung der empirischen Ergebnisse der systematisch-kritischen Studie, in den Schlussfolgerungen, auf Grundlage des dann erarbeiteten Gesamtbildes, Hypothesen zu einigen notwendigen oder möglichen Gegenmaßnahmen generieren.

Ein weiteres Ziel dieser Studie ist es, wie oben angesprochen, in den vier Kategorien Übereinstimmungen und Kontroversen innerhalb der Fachliteratur aufzudecken. Durch diese kritische Annäherung an den Forschungsstand soll erkannt und geprüft werden, welche Theorien, Fakten und Schlussfolgerungen in den jeweiligen Kategorien nachhaltig und verlässlich und daher für die Einordnung des Akteurs sowie für den größeren Forschungsrahmen von Bedeutung sind. Gleichsam lässt sich erst dadurch, neben einer allgemeinen Bewertung von Stärken und Defiziten der vorliegenden wissenschaftlichen ← 13 | 14 → Literatur zum Islamischen Staat, sortieren, welche thematische Fachliteratur sich für spezifisches Erkenntnisinteresse in den jeweiligen Kategorien eignet; weshalb auch eine kurze Einordnung sowie Einzelbewertung der untersuchten Literatur nach Qualität, Mehrwert und Verwendungszweck im Anhang an diese Studie stehen werden.

Biographische Angaben

Kevin Horbach (Autor:in)

Kevin Horbach absolvierte den Studiengang Internationale Studien/Friedens- und Konfliktforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Technischen Universität Darmstadt. Er studierte außerdem Politikwissenschaften an der Philipps-Universität Marburg. Nach einem längeren Aufenthalt an der American University of Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten arbeitete er zudem bei der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung. Seine Forschungsinteressen und Schwerpunkte fokussieren sich auf Terrorismus, den Nahen und Mittleren Osten sowie auf Strategiefragen und Sicherheitspolitik.

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Titel: Der Islamische Staat – Zwischen Terrorismus, Guerilla und Staatlichkeit