Lade Inhalt...

Antike Mythologie in der Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart

Unsterbliche Götter- und Heldengeschichten?

von Michael Stierstorfer (Autor:in)
©2017 Dissertation 495 Seiten

Zusammenfassung

Die interdisziplinär ausgerichtete Studie stützt sich auf die Untersuchung eines umfangreichen Korpus phantastischer Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart. Ausgewählt wurden hierbei Romane und Filme, die Strukturelemente und Motive aus der antiken Mythologie aufgreifen und zu bestimmenden Elementen machen. Seit dem Erscheinen von Rick Riordans Percy-Jackson-Reihe im Jahre 2005 haben mythopoetische Texte dieser Art auf dem internationalen Buchmarkt Konjunktur. Die Untersuchung geht der Frage nach, welche mythologischen Strukturen und Motive prägend für das Textkorpus sind und wie diese zur Propagierung bestimmter Normen und Werte gebraucht bzw. missbraucht werden. Interessante Befunde ergeben sich etwa bezüglich der vorgeführten Rollenmodelle wie hinsichtlich der Sexualitätsvorstellungen.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • I Siglenverzeichnis
  • I.I Romane
  • I.II Filme
  • 1 Einleitung
  • 1.1 Begründung der Themenwahl, Zielsetzung und Methodik
  • 1.2 Postmoderne Mythenadaptionen als Untersuchungsgegenstand
  • 1.3 Diachroner Überblick über die deutsche Rezeptionsgeschichte der antiken Mythologie in der KJL (18.–21. Jahrhundert)
  • 2 Mythenadaptionen aus dem Bereich der Fantasy und Phantastik als dominante Erscheinung der postmodernen Populärkultur
  • 2.1 Einschlägige Beispiele aus der Literatur (KJL, Belletristik)
  • 2.2 Einschlägige Beispiele aus dem Film
  • 2.3 Zur Popularität von Mythenadaptionen
  • 2.3.1 Bestsellerplatzierungen, Buchkritiken und Auszeichnungen
  • 2.3.2 Kino-Besucherzahlen, Filmkritiken, Auszeichnungen und DVD-Verkaufscharts
  • 3 Terminologie
  • 3.1 Standardversionen von Mythen als Vorlagen für mythoshaltige Werke
  • 3.2 Mythologie, Mythos und Mythem als unterschiedliche mythologische Größen
  • 3.3 Fantasy, Phantastik und Mythopoesie
  • 3.4 Prototypen zum Erstellen eines Merkmalbündels als Vergleichsfolie
  • 3.5 Bricolage als Adaptionsweise von Mythopoesie
  • 3.6 Der Adoleszenzroman als vorherrschendes Textmuster
  • 3.7 Mythopoesie als Werke der Postmoderne
  • 3.8 Mythopoesie und Hybridität
  • 3.9 Mythopoesie als Adaption
  • 3.10 Motive der Mythopoesie
  • 4 Forschungspositionen zur Funktionalisierung der antiken Mythologie in der postmodernen Populärkultur im wissenschaftlichen Diskurs
  • 4.1 Diskurse der KJL-Forschung
  • 4.2 Diskurse zur Allgemeinliteratur
  • 4.3 Diskurse zum Film
  • 5 Klassifizierung der Mythenadaptionen
  • 5.1 Schema zur Systematisierung von Mythenadaptionen von Tepe
  • 5.2 Konstituierung eines neuen Schemas zur Systematisierung der postmodernen Mythenadaptionen der KJL, Belletristik und des Films
  • 6 Erklärungshypothesen für die Häufigkeit der antiken Mythologie in postmodernen Werken der Fantasy und Phantastik: Die antike Mythologie als Fundus an prototypischen Motiven und Einzelelementen für die Fantasy und Phantastik
  • 6.1 Die antike Mythologie als Fundus von prototypischen Motiven für die postmoderne Fantasy und Phantastik
  • 6.1.1 Der Sirenen-Mythos als Motiv
  • 6.1.2 Der Titanen-Mythos als Motiv
  • 6.1.3 Der Hades-Persephone-Mythos als Motiv
  • 6.1.4 Der Minotaurus-Mythos als Motiv
  • 6.1.5 Der Medusa-Mythos als Motiv
  • 6.1.6 Der Harpyien-Mythos als Motiv
  • 6.1.7 Der Orpheus-Eurydike-Mythos als Motiv
  • 6.1.8 Der Furien-Mythos als Motiv
  • 6.1.9 Der Mythos um das Trojanische Pferd als Motiv
  • 6.1.10 Der Polyphem-Mythos als Motiv
  • 6.1.11 Der Hydra-Mythos als Motiv
  • 6.1.12 Der Circe-Mythos als Motiv
  • 6.1.13 Der Helena-Paris-Mythos als Motiv
  • 6.1.14 Der Giganten-Mythos als Motiv
  • 6.1.15 Der Amazonen-Mythos als Motiv
  • 6.2 Die antike Mythologie als Fundus an prototypischen Einzelelementen für die Fantasy und Phantastik
  • 6.2.1 Identifikationsangebote mit einem mythologisch motivierten (Halb-)Gott durch das Nachvollziehen einer Wandlung vom Freak zum Heros
  • 6.2.2 Machtphantasien zur Inszenierung von mythologisch motivierten Fähigkeiten der Protagonisten: Kontrolle über das Element Wasser
  • 6.2.3 Funktionalisierung von mythologisch motivierten Figuren, Requisiten und Settings zur Inszenierung einer Heldenreise
  • 6.2.3.1 Mythologisch motivierte Figuren als Muster
  • 6.2.3.1.1 Mythologisch motivierte Kontrahenten
  • A) Diener des Bösen: Chimäre
  • B) Drahtzieher des Bösen: Hades
  • C) Wächter des Bösen: Zerberus
  • D) Verräter: Hermes und Hera
  • 6.2.3.1.2 Mythologisch motivierte Helferfiguren
  • A) Mitstreiter des Guten: Athene
  • B) Vehikel des Guten: Pegasus und Charon
  • C) Schenker des Guten: Zeus
  • D) Mentoren des Guten: Chiron und Silenus
  • 6.2.3.1.3 Mythologisch motivierte Orakelfiguren
  • A) Seherinnen: Pythia
  • B) Trägerinnen des Schicksals: die Moiren
  • C) Wegweiser: die Graien
  • 6.2.3.2 Funktionalisierung mythologisch motivierter Requisiten als Hilfsmittel für den Heros: der Spiegelschild des Perseus
  • 6.2.3.3 Funktionalisierung mythologisch motivierter ambivalenter Settings
  • 6.2.3.3.1 Jenseitige Orte: der Hades
  • 6.2.3.3.2 Schreckliche Orte: das Labyrinth des Minotaurus
  • 6.2.3.3.3 Bukolische Idylle: der Locus amoenus
  • 6.2.3.3.4 Wohnstätte der Götter: der Olymp
  • 6.2.3.3.5 Sagenumwobene Inseln: Atlantis
  • 6.2.3.3.6 Mantische Orte: Delphi
  • 6.2.4 Funktionalisierung von mythologisch motivierten Familienkonstellationen: Die fragmentierte Familie als Initiator des Übernatürlichen und als Katalysator für Anderswelterfahrungen
  • 6.2.4.1 Absenz der Eltern als genealogische Verankerung des Helden im Übernatürlichen am Beispiel von Herkules
  • 6.2.4.2 Absenz der Eltern als Motivator zum Betreten der Anderswelt am Beispiel von Perseus
  • 6.3 Exkurs: Didaktisierungsstrategien in der Mythopoesie
  • 7 Fazit und Ausblick auf Trends in Bezug auf Mythenadaptionen
  • 8 Literaturverzeichnis
  • 8.1 Primärliteratur
  • 8.1.1 Kinder- und Jugendliteratur
  • 8.1.2 Antike und mittelalterliche Literatur
  • 8.1.3 Audiovisuelle Medien
  • 8.2 Sekundärliteratur
  • 8.3 Internetquellen
  • 8.4 Zeitschriften
  • 8.5 Lexika und Handbücher
  • 9 Zusammenfassungen der mythopoetischen Werke aus dem Textkorpus
  • 9.1 Romane
  • 9.2 Filme

← 14 | 15 →

I   Siglenverzeichnis

I.I   Romane

Academy: Estep, Jennifer: Frostkuss. Mythos Academy I. Aus dem Amerikanischen von Vanessa Lamatsch, München: Piper 2012.

Arkadien 1: Meyer, Kai: Arkadien erwacht (= Band 1), Hamburg: Carlsen 2009.

Arkadien 2: Meyer, Kai: Arkadien brennt (= Band 2), Hamburg: Carlsen 2010/2013.

Arkadien 3: Meyer, Kai: Arkadien fällt (= Band 3), Hamburg: Carlsen 2011/2013.

Atlantia: Condie, Ally: Atlantia. Aus dem Amerikanischen von Stefanie Schäfer, Frankfurt a. M.: Fischer FJB 2014.

Blue 1: Banks, Anna: Blue Secrets. Der Kuss der Meere. Aus dem Englischen von Michaela Link, München: cbt 2013.

Blue 2: Banks, Anna: Blue Secrets. Das Flüstern der Wellen. Aus dem Englischen von Michaela Link, München: cbt 2014.

Blue 3: Banks, Anna: Blue Secrets. Der Ruf des Ozeans. Aus dem Englischen von Michaela Link, München: cbt 2015.

Braut: Carter, Aimée: Die unsterbliche Braut. Aus dem Amerikanischen von Freya Gehrke (= Band 3), Hamburg: Mira 2014.

Bund 1: Golding, Julia: Der Bund der Vier. Das Geheimnis der Sirenen. Aus dem Englischen von Mareike Weber. Mit Illustrationen von David Wyatt (= Band 1), München: Omnibus 2007.

Bund 2: Golding, Julia: Der Bund der Vier. Der Blick der Gorgone. Aus dem Englischen von Catrin Frischer. Mit Illustrationen von David Wyatt (= Band 2), München: Omnibus 2008.

Bund 3: Golding, Julia: Der Bund der Vier. Das Labyrinth des Minotaurus. Aus dem Englischen von Catrin Frischer. Mit Illustrationen von David Wyatt (= Band 3), München: Omnibus 2008.

Bund 4: Golding, Julia: Der Bund der Vier. Der Fluch der Chimäre. Aus dem Englischen von Catrin Frischer. Mit Illustrationen von David Wyatt (= Band 4), München: Omnibus 2008.

Ewigkeit: Carter, Aimée: Der Preis der Ewigkeit. Aus dem Amerikanischen von Freya Gehrke (= Band 2), Hamburg: Mira 2012.

Ewiglich 1: Ashton, Brodi: Ewiglich. Die Sehnsucht. Deutsch von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann (= Band 1), Hamburg: Oetinger 2012. ← 15 | 16 →

Ewiglich 2: Ashton, Brodi: Ewiglich. Die Hoffnung. Deutsch von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann (= Band 2), Hamburg: Oetinger 2012.

Ewiglich 3: Ashton, Brodi: Ewiglich. Die Liebe. Deutsch von Rasha Khayat und Sebastian Blum (= Band 3), Hamburg: Oetinger 2014.

Frühling: Cast, P. C.: Mythica. Göttin des Frühlings. Aus dem Amerikanischen von Andrea Fischer (= Band 4), Frankfurt am Main: Fischer 2013.

Furienlied: Papademetriou, Lisa: Furienlied. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Ulrike Köbele (= Band 2), Bindlach: Loewe 2013.

Gebieter: Kenyon, Sherrilyn: Gebieter der Träume. Deutsch von Larissa Rabe (Band 11), München: Blanvalet 2013.

Göttergirls 1: Williams, Suzanne und Joan Holub: Die sagenhaften Göttergirls. Die Neue am Olymp. Aus dem Englischen von Verena Kilchling (= Band 1), Köln: Schneiderbuch 2012.

Göttergirls 2: Williams, Suzanne und Joan Holub: Die sagenhaften Göttergirls. Ausflug in die Unterwelt. Aus dem Englischen von Verena Kilchling (= Band 2), Köln: Schneiderbuch 2012.

Göttergirls 3: Williams, Suzanne und Joan Holub: Die sagenhaften Göttergirls. Ein Herz für Aphrodite. Aus dem Englischen Verena Kilchling (= Band 3), Köln: Schneiderbuch 2012.

Göttergirls 4: Williams, Suzanne und Joan Holub: Die sagenhaften Göttergirls. Vorhang auf für Orion. Aus dem Englischen Verena Kilchling (= Band 4), Köln: Schneiderbuch 2012.

Göttergirls 5: Williams, Suzanne und Joan Holub: Die sagenhaften Göttergirls. Hausaufgaben für einen Helden. Aus dem Englischen von Verena Kilchling (= Band 5), Köln: Schneiderbuch 2013.

Göttergirls 6: Williams, Suzanne und Joan Holub: Die sagenhaften Göttergirls. Klassenfahrt mit Mumie. Aus dem Englischen von Verena Kilchling (= Band 6), Köln: Schneiderbuch 2013.

Göttergirls 7: Williams, Suzanne und Joan Holub: Die sagenhaften Göttergirls. Sieg für Artemis & Medusas Traum. Aus dem Englischen von Verena Kilchling (= Band 7), Köln: Schneiderbuch 2013.

Götternacht: Bernstein, Anna: Götternacht, Köln: Bastei Lübbe 2014.

Göttlich 1: Angelini, Josephine: Göttlich verdammt. Aus dem Amerikanischen von Simone Wiemken (= Band 1), Hamburg: Cecilie Dressler 2011.

Göttlich 2: Angelini, Josephine: Göttlich verloren. Aus dem Amerikanischen von Simone Wiemken (= Band 2), Hamburg: Cecilie Dressler 2012.

Göttlich 3: Angelini, Josephine: Göttlich verliebt. Aus dem Amerikanischen von Simone Wiemken (= Band 3), Hamburg: Cecilie Dressler 2013. ← 16 | 17 →

Göttliches Herz 1: Keaton, Kelly: Dein göttliches Herz entflammt. Aus dem Amerikanischen von Bea Reiter, Würzburg: Arena 2013.

Göttliches Herz 2: Keaton, Kelly: Dein göttliches Herz versteinert. Aus dem Amerikanischen von Bea Reiter, Würzburg: Arena 2013.

Gruselgrotte: Ogilvy, Ian: Miesel und die Gruselgrotte. Aus dem Englischen von Michaela Kolodziejcok. Mit Illustrationen von Chris Mould (= Band 5), Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2008.

Harpyienblut: Ohms, Daniela: Harpyienblut, Berlin: Scharzkopf & Schwarzkopf 2011.

Helden 1: Riordan, Rick: Helden des Olymp. Der verschwundene Halbgott. Aus dem Englischen von Gabriele Haefs (= Band 1), Hamburg: Carlsen 2012.

Helden 2: Riordan, Rick: Helden des Olymp. Der Sohn des Neptun. Aus dem Englischen von Gabriele Haefs (= Band 2), Hamburg: Carlsen 2013.

Helden 3: Riordan, Rick: Helden des Olymp. Das Zeichen der Athene. Aus dem Englischen von Gabriele Haefs (= Band 3), Hamburg: Carlsen 2013.

Helden 4: Riordan, Rick: Helden des Olymp. Das Haus des Hades. Aus dem Englischen von Gabriele Haefs (= Band 4), Hamburg: Carlsen 2014.

Helden 5: Riordan, Rick: Helden des Olymp. Das Blut des Olymp. Aus dem Englischen von Gabriele Haefs (= Band 5), Hamburg: Carlsen 2015.

Herz: Pax, Rebekka: Das Herz der Harpyie, Hamburg: Carlsen 2015.

Irrfahrer: Scherm, Gerd: Die Irrfahrer (= Band 2), München: Heyne 2007.

Jack 1: Marsh, Katherine: Jack Perdu und das Reich der Schatten. Aus dem Amerikanischen von Gerald Jung (= Band 1), Frankfurt am Main: Fischer 2008.

Jack 2: Marsh, Katherine: Jack Perdu und die Wächter der Unterwelt. Aus dem Amerikanischen von Gerald Jung (= Band 2), Köln: Boje 2009.

Jenseits: Cabot, Meg: Jenseits. Aus dem Amerikanischen von Michael Pfingstl (= Band 1), München: Blanvalet 2013.

Kuss: Hubbard, Mandy: Der Kuss der Sirene. Aus dem amerikanischen Englisch von Franziska Jaekel, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2013.

Liebe: Cast, P. C.: Mythica. Göttin der Liebe. Aus dem Amerikanischen von Anna Julia Strüh und Christine Strüh (= Band 1), Frankfurt am Main: Fischer 2012.

Licht: Cast, P. C.: Göttin des Lichts. Aus dem Amerikanischen von Anna Julia Strüh und Christine Strüh (= Band 3), Frankfurt am Main: Fischer 2013.

Mädchen: Carter, Aimée: Das göttliche Mädchen. Aus dem Amerikanischen von Freya Gehrke (= Band 1), Hamburg: Mira 2012.

Manieren: Phillips, Marie: Götter ohne Manieren. Aus dem Englischen von Sabine Herting, München: Bertelsmann 2008. ← 17 | 18 →

Nacht: Kenyon, Sherrilyn: Göttin der Nacht. Deutsch von Larissa Rabe (Band 13), München: Blanvalet 2014.

Nyx 1: Ohms, Daniela: Insel der Nyx. Die Prophezeiung der Götter (= Band 1), Stuttgart/Wien: Planet Girl/Thienemann 2013.

Nyx 2: Ohms, Daniela: Insel der Nyx. Die Kinder der Schatten (= Band 2), Stuttgart/Wien: Planet Girl/Thienemann 2014.

Ocean 1: Rayburn, Tricia: Ocean Rose. Erwartung. Aus dem Amerikanischen von Ulrike Nolte (= Band 1), Berlin: Ullstein 2010.

Ocean 2: Rayburn, Tricia: Ocean Rose. Verwandlung. Aus dem Amerikanischen von Ulrike Nolte (= Band 2), Berlin: Ullstein 2013.

Ocean 3: Rayburn, Tricia: Ocean Rose. Die Erfüllung. Aus dem Amerikanischen von Ulrike Nolte (= Band 3), Berlin: Ullstein 2013.

Palast: Thiemeyer, Thomas: Chroniken der Weltensucher. Der Palast des Poseidon (= Band 2), Bindlach: Loewe 2010.

Percy 1: Riordan, Rick: Percy Jackson. Diebe im Olymp. Aus dem Englischen von Gabriele Haefs (= Band 1), Hamburg: Carlsen 2006.

Percy 2: Riordan, Rick: Percy Jackson. Im Bann des Zyklopen. Aus dem Englischen Gabriele Haefs (= Band 2), Hamburg: Carlsen 2006.

Percy 3: Riordan, Rick: Percy Jackson. Der Fluch des Titanen. Aus dem Englischen von Gabriele Haefs (= Band 3), Hamburg: Carlsen 2010.

Percy 4: Riordan, Rick: Percy Jackson. Die Schlacht um das Labyrinth. Aus dem Englischen von Gabriele Haefs (= Band 4), Hamburg: Carlsen 2011.

Percy 5: Riordan, Rick: Percy Jackson. Die letzte Göttin. Aus dem Englischen Gabriele Haefs (= Band 5), Hamburg: Carlsen 2011.

Pina: Lins e Silva, Flávia: Pina reist nach Griechenland. Mit farbigen Bildern von Joana Penna. Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Claudia Stein, Frankfurt a. M.: S. Fischer 2013.

Pompeii: Krausser, Helmut: Die wilden Hunde von Pompeii. Eine Geschichte, Reinbek: Rowohlt 2004.

Schattenliebe: Cabot, Meg: Schattenliebe (= Band 3). Aus dem Amerikanischen von Maike Claußnitzer, München: Blanvalet 2014.

Schwein 1: Shipton, Paul: Schwein gehabt, Zeus! Aus dem Englischen von Stephanie Menge (= Band 1), Frankfurt am Main: Fischer 2006.

Schwein 2: Shipton, Paul: Ein Schwein rettet die Welt. Aus dem Englischen von Stephanie Menge (= Band 2), Frankfurt am Main: Fischer 2008.

Sieg: Cast, P. C.: Mythica. Göttin des Sieges. Aus dem Amerikanischen von Anna Julia Strüh und Christine Strüh (= Band 6), Frankfurt am Main: Fischer 2013. ← 18 | 19 →

Sirenenfluch: Papademetriou, Lisa: Sirenenfluch. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Hanna Ermakov (= Band 1), Bindlach: Loewe 2011.

Teardrop: Kate, Lauren: Teardrop. Aus dem Englischen von Michaela Link, München: cbt 2014.

Timi: Hartmann, Lukas: Timi Donner im Reich der Kentauren, Zürich: Nagel & Kimche 2000.

Tribute 1: Collins, Suzanne: Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele. Aus dem Englischen von Sylke Hachmeister und Peter Klöss (= Band 1), Hamburg: Oetinger 2009.

Tribute 2: Collins, Suzanne: Die Tribute von Panem. Gefährliche Liebe. Aus dem Englischen von Sylke Hachmeister und Peter Klöss (= Band 2), Hamburg: Oetinger 2010.

Tribute 3: Collins, Suzanne: Die Tribute von Panem. Flammender Zorn. Aus dem Englischen von Sylke Hachmeister und Peter Klöss (= Band 3), Hamburg: Oetinger 2011.

Underworld: Cabot, Meg: Underworld. Aus dem Amerikanischen von Michael Pfingstl (= Band 2), München: Blanvalet 2014.

Waterfall: Kate, Lauren: Waterfall. Aus dem Englischen von Michaela Link, München: cbt 2015.

Watersong 1: Hocking, Amanda: Watersong. Sternenlied. Aus dem Amerikanischen von Violeta Topalova und Anja Hansen-Schmidt (= Band 1), München: cbt 2013.

Watersong 2: Hocking, Amanda: Watersong. Wiegenlied. Aus dem Amerikanischen von Violeta Topalova und Anja Hansen-Schmidt (= Band 3), München: cbt 2013.

Watersong 3: Hocking, Amanda: Watersong. Todeslied. Aus dem Amerikanischen von Violeta Topalova und Anja Hansen-Schmidt (= Band 3), München: cbt 2014.

Watersong 4: Hocking, Amanda: Watersong. Elegy, New York: St. Martin’s Griffin books 2013.

I.II   Filme

Atlantis 2: Stones, Tad, Victor Cook und Toby Shelton: Atlantis. Die Rückkehr (= Teil 2), München: Walt Disney 2003.

Atlantis 1: Trousdale, Gary und Kirk Wise: Atlantis. Das Geheimnis der verlorenen Stadt (= Teil 1), München: Walt Disney 2002. ← 19 | 20 →

Dante: Cook, Victor A., Sean Meredith, Mike Disa, Kim Sang-jin und Shuko Murase: Dante’s Inferno. Ein animiertes Epos, München: Sony Pictures 2010.

Helena: Harrison, John: Helena von Troja, Hamburg: Universal Pictures 2004.

Hercules: Clements, Ron und John Musker: Hercules, München: Walt Disney 1997/2013.

Herkules: Young, Roger: Herkules, Schwarzenbek: Carol Media 2005/2008.

Ice: Martino, Steve und Michael Thurmeier: Ice Age 4. Voll verschoben (= Teil 4), Frankfurt am Main: Twentieth Century Fox 2012.

Kampf: Leterrier, Louis: Kampf der Titanen (= Teil 1), Hamburg: Warner 2010.

Krieg: Singh, Tarsem: Krieg der Götter, München: Constantin 2011.

Legend: Harlin, Renny: The Legend of Hercules, Köln: Splendid 2014.

Mia: Schnell, Florian: Mia und der Minotaurus, Berlin: Matthias-Film 2012.

Minotaurus: English, Jonathan: Minotaurus, München: Sunfilm 2006.

Peabody: Minkoff, Rob: Mr. Peabody & Sherman, München: Twentieth Century Fox 2014.

Percy Film 1: Columbus, Chris: Percy Jackson. Diebe im Olymp (= Teil 1), Frankfurt am Main: Twentieth Century Fox 2010.

Percy Film 2: Freudenthal, Thor: Percy Jackson. Im Bann des Zyklopen (= Teil 2), Frankfurt am Main, Twentieth Century Fox 2013.

Sinbad: Johnson, Tim und Patrick Gilmore: Sinbad. Der Herr der sieben Meere, Hamburg: Dreamworks 2003.

Thracian: Ratner, Brett: Hercules. The Thracian Wars1, Unterföhring: Paramount Pictures 2014.

Troja: Petersen, Wolfgang: Troja, Hamburg: Warner 2004.

Wonder: Montgomery, Lauren: Wonder Woman, Hamburg: Warner 2009.

Zorn: Liebesman, Jonathan: Zorn der Titanen (= Teil 2), Hamburg: Warner 2012.


1 Diese Verfilmung des Herkules-Mythos basiert auf der gleichnamigen, actionlastigen Graphic-Novel-Reihe von Steve Moore und Admira Wijaya (seit 2008), in der Herkules mit einem Trupp an Söldnern unzählige Kämpfe gegen despotische Tyrannen und deren Armeen austrägt.

← 20 | 21 →

1   Einleitung

In this chapter the object of investigation is described: 100 (post-)modern books and films belonging to the genre of fantasy will be examined. All of the works are based on Greco-Roman mythology and part of all-age literature. The corpus consists of fantasy novels and films which were published between 1997 and 2015 and which extend Greco-Roman mythology to a supernatural context within which a hero sets out on a journey.

The classics are re-presented in mass culture. That re-presentation itself is then chewed over by the mass media: in 2006, the BBC/HBO series Rome generated close on 35,000 column inches, by anyone’s standards an impressive measure of media coverage. The web community devotes chatrooms, Facebook groups and new web pages to arcane, Classics-related broadcasting and gaming projects. The mechanics of putting antiquity on screen have become a charismatic object for the academic gaze.2

Themen und Motive aus der griechisch-römischen Antike werden immer wieder von der Massenkultur bzw. den Massenmedien aufgegriffen. Laut Hughes löste vor allem das Erscheinen der Serie Rome (verschiedene Regisseure, 2005–2007) einen wahren Antikenhype aus, der von vielen anderen Medien begleitet und anhand von Fanforen zusätzlich verstärkt wurde. Seit dem Erscheinen dieser Serie sei das Thema Antike in populären Medien zudem wieder en vogue und verleihe den massenkulturellen Produkten eine intellektuelle Aura. Ähnlich wie sich diese Reetablierung des antiken Sujets im Jahre 2006 auf die Rezeption von antiker Historie in der Populärkultur positiv auswirkte, so löste das Jahr 2005 mit dem Beginn der weltweit erfolgreichen und millionenfach verkauften Percy-Jackson-Serie3 einen weiteren, von den USA ausgehenden Boom aus, der eng mit der Antike verbunden ist. So erscheinen seit diesem Zeitpunkt unzählige freie Adaptionen griechisch-römischer Mythen, die häufig in einen Medienverbund münden. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass sich Adaptionen antiker Mythen sehr häufig im Rahmen von phantastisch geprägten Medien finden, die an Kinder und Jugendliche adressiert sind. Dies konstatiert Murnaghan, die derartige Lektüren als Höhepunkte kindlicher Lesesozialisation bezeichnet, an die sich Erwachsene gerne erinnern, wenn sie an ihre eigene Kindheit zurückdenken: ← 21 | 22 →

One area in which the classical tradition is currently most alive and popular is in works of children’s literature inspired by mythology. Such works are widely consumed by people who may not encounter the ancient world in their formal education and are often remembered afterwards as high points of childhood reading.4

Von dieser Vielzahl an mythopoetischen Werken lösten die Percy-Jackson-Serie und die Helden-des-Olymp-Serie das größte Medienecho aus. So urteilt der FAZ-Journalist Spreckelsen folgendermaßen über die aktuelle Hochphase der Mythenadaptionen und die Epigonen der Percy-Jackson-Serie:

Wie üblich im Jugendbuchmarkt schossen allerdings in den vergangenen Jahren die Nachahmerserien aus dem Boden und setzten im allgemein der Magie gegenüber recht aufgeschlossenen Fantasybereich einen Schwerpunkt: Statt mit Vampiren oder Elfen bekommen es die Helden dieser Serien mit tradierten Göttergestalten zu tun. […] All dies ist mal mehr, mal weniger gelungen, an die erzählerische Kraft von Riordans Romane reicht allerdings keines dieser Bücher heran.5

Klingstein äußert in ihrer Auseinandersetzung mit dem Mythenboom in der KJL6 nicht nur Anerkennung für die in ihren Augen innovative Umgangsweise mit antiken Mythen, sondern ernennt Percy Jackson auch zum würdigen Nachfolger von Harry Potter. Sie legt nämlich evidente Parallelen zwischen den Werken offen, die darin gipfeln, dass Percy wie Harry von einer schlauen Mitschülerin und einem tollpatschigen Freund auf seiner Heldenreise unterstützt wird und dass sich Chris Columbus, Regisseur der ersten beiden Verfilmungen von Harry Potter, der filmischen Umsetzung des ersten Bandes Percy Jackson. Diebe im Olymp angenommen hat:

Überhaupt hat die Percy-Jackson-Serie, insbesondere der erste Band „Diebe im Olymp“, dessen Verfilmung derzeit in den deutschen Kinos läuft, viel mit der Harry-Potter-Serie gemein: Mit zwölf Jahren erfährt Percy, dass er der sterblichen Muggle-Welt nur halb angehört und dass mythisch-magische Kräfte darauf aus sind, ihn zu töten, um die Erfüllung einer Prophezeiung zu verhindern. Percy verbringt darum die Sommermonate in einer Schule für Halbgötter, wo er unter der Anleitung des weisen Chiron in sein neues Sein initiiert wird. Percys Freunde, ein kluges Mädchen (Tochter Athenes) und ein netter, scheinbar unbedarfter Junge (in „Wirklichkeit“ ein gewiefter Satyr), begleiten ihn durch dick und dünn. So ist es wohl auch kein Zufall, dass Chris Columbus, der in den ← 22 | 23 → ersten beiden Harry-Potter-Filmen Regie führte, auch im ersten Percy-Jackson-Film das Action-Heft in der Hand hat.7

Diesem Phänomen der Mythenadaption in der KJL, das zwar an sich keine Neuheit ist, sich jedoch seit der Percy-Jackson-Serie wieder in einer sehr großen Vielfalt auf dem Buchmarkt und in der gesamten Medienwelt etabliert, widmet sich diese Arbeit. Deren Hauptziel liegt darin, eine möglichst valide Erklärung für den Befund zu liefern, dass die antike Mythologie sich in der Postmoderne8 so eng an die Genres der Fantasy und Phantastik koppelt. Da Fantasy und Phantastik, welche als All-Age-Phänomene9 sowohl von Erwachsenen als auch von Jugendlichen und Kindern rezipiert werden, ein wesentlicher Bestandteil der Kinder- und Jugendliteraturforschung sind, ist diese Arbeit in diesem Bereich angesiedelt. Zudem stellt die populärkulturelle Rezeption von antiken Mythen ein Forschungsgebiet dar, das trotz der vielfältigen und beharrlichen Präsenz in der Populärkultur noch nicht ausreichend untersucht wurde. Dieses Desiderat konstatiert etwa Ax, der sich in seinem Beitrag mit populären Antikencomics beschäftigt:

Die genannten Beispiele [= illustrierte Ausgaben der Aeneis, der Ilias und Odyssee; Anm. M.S.] zeigen jedenfalls einen wichtigen Trend in der derzeit bereitwilligen öffentlichen, eher außeruniversitären Rezeption insbesondere der römischen Antike, von dem die wissenschaftliche Latinistik und Alte Geschichte bisher m.M.n. viel zu wenig Notiz genommen hat. Hier kündigt sich allerdings in jüngster Zeit eine deutliche Kehrtwende an.10

Unter Fokussierung der von Ax monierten Forschungslücke setzt sich diese Studie mit einschlägigen Titeln der populären Antikenrezeption im Bereich der griechisch-römischen Mythologie auseinander. Als zentrales Moment gilt es zu untersuchen, warum die Fantasy und Phantastik so häufig strukturelle Einzelelemente wie z. B. (Identifikations-)Figuren, Orte, Gegenstände und Familienkonstellationen oder auch ganze Motivkomplexe aus der griechisch-römischen Mythologie entlehnt. Einen engen Zusammenhang von antiken Mythen und Fantasy bzw. Phantastik stellt bereits Renger fest, derzufolge die Phantastik der ← 23 | 24 → Gegenwart von inhaltlichen und strukturellen Elementen aus dem antiken Kulturgut geprägt ist:

Die phantastische Literatur der Moderne und Gegenwart ist inhaltlich und strukturell reich an Bestandteilen, die in antike Kulturen vom Nahen Osten der Bronzezeit über das archaische Griechenland und die frühe Kaiserzeit bis hin zum Ägypten der Spätantike zurückweisen.11

In diesem Zusammenhang warnt Renger jedoch mit Blick auf divergierende Realitätsansprüche davor, antiken Mythos und (post-)moderne Phantastik schlicht gleichzusetzen:

Eine prinzipiell denkbare Bestimmung der Bibel oder der homerischen Epik als phantastische Literatur lässt indes die Verschiedenheit und Veränderung von Wissenskulturen und Realitätskonzeptionen unberücksichtigt.12

Dennoch betont Janka, dass man vor allem mit Blick auf die wirkungsmächtige Odyssee von Homer von der griechischen Mythologie als ‚Architext der phantastischen Literatur‘ sprechen kann, weil vor allem die listenreiche und magische Schwellen überschreitende Figur des Odysseus den Prototyp eines abenteueraffinen Helden abbildet, der in der Regel im Mittelpunkt von phantastischen Erzählungen steht:

Versuchen wir ein knappes Resümee: Warum wird ausgerechnet Odysseus in seiner homerischen (also: heroisierten) und ovidischen (also: erotisierten) Spielart immer wieder in der phantastischen Literatur der Gegenwart zum Prototyp des (post)modernen Menschen und des phantastischen Helden auserkoren? Die polytrop komplexe Figur lässt zunächst die Fülle, Reinheit und Klarheit des archaischen Lebens in eigentümlicher Zuspitzung, ja Überzeichnung zutage treten und scheint sich gerade deswegen als entfamiliarisierende Folie oder antikes Substrat zum heutigen Menschen- oder näherhin: Männerbild anzubieten: […] Gleichzeitig haftet schon dem homerischen Odysseus eine ironisch-parodistische Gebrochenheit an, die ihn zum Verwandten und Vorfahren des modernen und postmodernen Menschen geraten lässt.13

Zur konkreten Erläuterung der Arbeitsschritte und der Methodik sowie des dieser Studie zugrunde gelegten Textkorpus seien zunächst Begründung der Themenwahl, Zielsetzung, Procedere und Untersuchungsgegenstand genauer ausgeführt. Die in großer Bandbreite vorliegenden mythoshaltigen Werke für Kinder und Jugendliche divergieren qualitativ stark und sind daher in der Wissenschaft in Bezug auf das ihnen inhärente didaktische Potenzial (vgl. dazu ← 24 | 25 → Punkt 6.3) umstritten. Unabhängig davon, ob diese Werke mythologisches Weltwissen transportieren oder nicht, verweist Kipf auf deren Funktion als Einstiegslektüre für Heranwachsende zur Beschäftigung mit weltliterarischen Stoffen:

Auch wenn die Qualität der literarischen Umsetzung des antiken Stoffes [= Homers Odyssee; Anm. M.S.] eine große Schwankungsbreite aufweist, handelt es sich ganz offensichtlich um eine wichtige Form der Antikerezeption. Im Gegensatz zu manch anspruchsvoller Publikation aus Wissenschaft oder Literatur haben diese für Kinder und Jugendliche bestimmten Bücher eine nicht unerhebliche Breiten- und Langzeitwirkung und erfüllen gerade auch außerhalb der schulischen Bildungsinstitutionen eine nicht zu unterschätzende Aufgabe: So schafft eine jugendgemäße Aufbereitung der Odyssee nicht nur einen ersten und möglicherweise prägenden Zugang zu einem zentralen Stück der Weltliteratur.14

Eine ähnliche Meinung vertritt Goltz, der in seinem Beitrag anders als Kipf nicht schriftliche Rezeptionsdokumente zur Odyssee, sondern audiovisuelle betrachtet und auswertet. Dabei kommt er zu folgendem Schluss: Trotz teils gravierender Eingriffe in das Narrativ der Odyssee, die aus fachwissenschaftlicher Sicht unmotiviert seien, plädiert Goltz in Anbetracht von deren Breitenwirkung und eingedenk des Erstkontakts mit antiken Stoffen, der häufig von solchen Rezeptionsdokumenten ausgeht, für eine Einbeziehung dieser populären Filme in den fachwissenschaftlichen Diskurs:

Zum einen tragen sie [= populäre Mythenadaptionen; Anm. M.S.] zur Breitenwirkung antiker Stoffe bei. Insbesondere durch Verfilmungen auf Blockbuster-Niveau kommen auch Personen und Gruppen mit Themen antiker Literatur und Geschichte in Berührung, die man ansonsten schwer erreichen würde und die sich, angeregt durch die Filme, eventuell sogar intensiver mit der Thematik auseinandersetzen oder doch zumindest offener für eine Beschäftigung mit dem Gesehenen und seinen Hintergründen sind.15

Als weiteren Grund führt Goltz an, dass populäre Antikenadaptionen zumeist basales Wissen über die Hauptpersonen und die Struktur des Epos vermitteln. Zudem ergebe sich auch ein Vorteil für die Altertumswissenschaft: Diese könnte sich zu bekannten, antikenhaltigen Filmen kritisch äußern und dabei auf eine breite und interessierte Öffentlichkeit stoßen.16 Dass populäre Untersuchungsgegenstände aus dem Bereich der KJL, welche antike Sujets thematisieren, in Zukunft noch weiter in den Fokus der Didaktik, insbesondere der Lateindidaktik, gerückt werden sollten, betonte Fritsch bereits im Jahr 1974. In diesem ← 25 | 26 → Zusammenhang fordert er die Fachdidaktiken zur interdisziplinären Zusammenarbeit auf:

Die Freizeitlektüre von Schülern ist schon lange Gegenstand zahlreicher Untersuchungen und Veröffentlichungen. Auch die Didaktik des Lateinunterrichts wird sich mit diesem Bereich gründlicher befassen müssen, und es wird eine ihrer Aufgaben sein, in Zusammenarbeit mit Erziehungswissenschaft, Motivationspsychologie, Allgemeiner- und Medien-Didaktik und anderen Disziplinen den Stellenwert der Freizeitlektüre für Motivation und Vorinformation der Schüler, aber auch die Möglichkeiten der Einbeziehung dieser Lektüre in den Fachunterricht zu ermitteln.17

Dieser Forderung von Fritsch entsprechend soll diese Untersuchung die Zusammenarbeit zwischen der Deutsch- und Lateindidaktik stärken. So werden im Folgenden nicht nur die den mythopoetischen Werken inhärenten Mytheme18 untersucht, sondern diese werden auch auf die transportierten Werte und Normen hin genauer beleuchtet. Während Ersteres ein Schwerpunkt der Lateindidaktik ist, ist Letzteres ein wichtiges Ziel der Deutschdidaktik.

1.1   Begründung der Themenwahl, Zielsetzung und Methodik

Diese Untersuchung analysiert mit literaturwissenschaftlichem und bildungs-wissenschaftlichem Instrumentarium einschlägige mythoshaltige Werke19 der Fantasy und Phantastik, die um das Millennium, also zwischen 1997 (Disney’s Hercules) und 2015 (Helden des Olymp. Das Blut des Olymp), entstanden sind. Am Anfang steht Disney’s Hercules, weil diese Produktion eines der ersten weltweit erfolgreichen Werke für Kinder und Jugendliche der postmodernen Mythenadaptionswelle ist. Als jüngstes Werk rundet der Roman Helden des Olymp. Das Blut des Olymp das Korpus ab, da dieser Roman nach einer jahrelangen Hochphase der Mythenadaptionen in der KJL die zweite Serie nach Percy Jackson von Rick Riordan beschließt, in der ein frei eklektisches Spiel mit mythopoetischen Versatzstücken im Vordergrund steht. Sicherlich wird es derartige Werke immer wieder geben und es können künftig wieder Hochphasen zu dieser Art von Literatur entstehen. Das Augenmerk dieser Arbeit liegt jedoch auf der gerade erwähnten Welle an mythoshaltigen Romanen und Filmen. Im Fokus ← 26 | 27 → steht die Fragestellung, warum die griechisch-römische Mythologie in der KJL, der Belletristik und im Film der Populärkultur sowohl im englischsprachigen als auch im deutschsprachigen Raum eine derart tragende Rolle errungen hat. Im Zuge dieser Reetablierung von archaischen Denksystemen gewinnt auch die Frage an Relevanz, ob dieses antike Werte- und Normensystem genutzt wird, um konservative Modelle zu stärken und zu legitimieren oder ob diese beiden eigentlich unvereinbaren Systeme koexistieren können.

1.2   Postmoderne Mythenadaptionen als Untersuchungsgegenstand

Das Phänomen der Adaptionsvielfalt antiker Mythologie in der KJL seit dem Millennium konstatieren als eine der ersten Bonacker und Briese. Bonacker weist in diesem Zusammenhang auf die beträchtliche Bandbreite an mythopoetischen Adaptionen hin, die dem altsprachlichen Unterricht seit der Jahrtausendwende einen Auftrieb verliehen hätten:

Anregungen, sich mit der griechischen Mythologie zu beschäftigen, bieten (neben engagierten Lehrern) derzeit erfreulich viele Jugendbuchverlage ‒ ob das nun neue Bearbeitungen der Sagen sind (Ravensburger), informative Sachbilderbücher (Hanser) oder fantastische Abenteuer, wie die Percy-Jackson-Reihe bei Carlsen. Sie tragen dazu bei, dass das Orchideenfach Griechisch wieder wahrgenommen wird und Jugendliche Lust auf mehr Wissen bekommen.20

In einem weiteren Beitrag zu diesem Thema betont Bonacker, dass jugendgemäße Antikenadaptionen für ein heranwachsendes Publikum einen Motivationsschub zur Folge haben. Dabei stellt sie eine Verbindung zwischen der seit dem Jahr 2000 angestiegenen Beliebtheit des altsprachlichen Unterrichts und populären Antikenadaptionen her:

Details

Seiten
495
Jahr
2017
ISBN (PDF)
9783631714676
ISBN (ePUB)
9783631714683
ISBN (MOBI)
9783631714690
ISBN (Hardcover)
9783631714577
DOI
10.3726/b10634
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2016 (Dezember)
Schlagworte
Mythenpoesie Prototypen Adaption Percy Jackson Mythologische Motive
Erschienen
Frankfurt am Main, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2017. 495 S., 1 farb. Abb.

Biographische Angaben

Michael Stierstorfer (Autor:in)

Michael Stierstorfer absolvierte ein Lehramtsstudium für die Fächer Deutsch und Latein. Er war Stipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur der Universität Regensburg, wo er auch promoviert wurde.

Zurück

Titel: Antike Mythologie in der Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart