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Wissenstransfer und Popularisierung

Ausgewählte Beiträge der Tagung «Germanistische Forschungen zum Text» (GeFoText) in Vaasa

von Mariann Skog-Södersved (Band-Herausgeber:in) Margit Breckle (Band-Herausgeber:in) Mona Enell-Nilsson (Band-Herausgeber:in)
Konferenzband 184 Seiten

Zusammenfassung

Gelungener Wissenstransfer und gelungene Popularisierung setzen eine zielgruppenorientierte Aufbereitung von Informationen voraus. Die Beiträge erörtern die Problematik einer verständlichen Informationsübermittlung aus verschiedenen Perspektiven. Im Mittelpunkt stehen einerseits unterschiedliche Wissensdomänen wie Linguistik, Naturwissenschaften, Medizin und Sport. Andererseits beschäftigen sich die Autorinnen und Autoren mit verschiedenen linguistischen Beschreibungsebenen wie der lexikalischen und der textuellen Ebene. Hierbei stellen sie unterschiedliche Medien in den Fokus der Betrachtung.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • Zur Popularisierung von Fachwissen in Nachhaltigkeitsberichten – dargestellt am Beispiel der Fachwortaufschlüsselung (Margit Breckle / Mona Enell-Nilsson)
  • Zur Popularisierung der deutschsprachigen sprachwissenschaftlichen Literatur in Lettland (1918–1940) (Agnese Dubova)
  • Patientenaufklärungsbögen in der medizinischen Experten-Laien-Kommunikation auf Deutsch (Klaus Geyer)
  • Offline-Vermittlungstechniken des fachexternen Wissenstransfers im Computerfachbereich (Attila Mészáros)
  • Funktionen von „Fachtermini“ in verschiedenen Textsorten (Henrik Nikula)
  • Ellenbogen in die Matte drücken – Kopf aus dem Hals ziehen. Zur Vermittlung von Bewegungswissen mit Text und Bild (Heike Ortner)
  • Die wissensvermittelnde Textsorte Einführung – eine Rekonstruktion des Textmusterwissens der Textproduzenten (Mikaela Petkova-Kessanlis)
  • Wissen für Frauen: Zur populären Vermittlung von wissenschaftlichen Inhalten in der Rigaschen Hausfrauen-Zeitung (1884–1906) (Egita Proveja)
  • Zur Funktion des Moderators in wissensvermittelnden Magazinsendungen für Kinder (Maike Sänger)
  • Transkulturelle Wissensveränderung in wissenschaftlichen Texten – die Subtextart Einleitung als Beispiel (Basem Schoaib)
  • Erläuterung von Begriffen in Lectiones praecursoriae (Mariann Skog-Södersved)
  • Autorenverzeichnis
  • Reihenübersicht

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Vorwort

Das Institut für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Vaasa, Finnland, veranstaltete 19.–20.5.2016 die 3. internationale Tagung Germanistische Forschungen zum Text. Der Einladung nach Vaasa folgten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Ägypten, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Indonesien, Lettland, Österreich, Schweden, der Slowakei und Finnland.

Die Tagung umfasste eine linguistische und eine literaturwissenschaftliche Sektion mit den Schwerpunkten Wissenstransfer und Popularisierung bzw. Lyrik und essayistische Prosa zwischen den Sprachen. Die Plenarvorträge wurden von Assoz. Prof. Dr. Klaus Geyer vom Institut für Sprache und Kommunikation der Süddänischen Universität in Odense und von Prof. Dr. Christine Ivanovic vom Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Wien gehalten. Die Beiträge der Tagung werden in zwei Bänden veröffentlicht. Die ausgewählten Artikel des vorliegenden Bandes, die ein doppelblindes Peer Review-Verfahren durchlaufen haben, basieren auf den Vorträgen der linguistischen Sektion.

Damit Wissenstransfer gelingt, müssen die Informationen so aufbereitet werden, dass sie von den intendierten Zielgruppen verstanden werden. Diesem Problemkomplex nähern sich die Beiträge des vorliegenden Bandes anhand unterschiedlicher Textsorten, in denen vor allem Phänomene der Lexik, aber auch Textmusterwissen und Fachzeitschriften aus der Perspektive des Wissenstransfers und der Popularisierung betrachtet werden.

Mit der Wissenschaftssprache beschäftigen sich Basem Schoaib und Mikaela Petkova-Kessanlis. Schoaib konzentriert sich in seinem Beitrag auf die Einleitung von Magister- und Doktorarbeiten, die von jungen ägyptischen Forschenden auf Deutsch geschrieben wurden. Dabei wird die zentrale Rolle der unterschiedlichen Wissenschaftskulturen sowohl für die mentale Wissensbearbeitung der Autorinnen und Autoren als auch für die sprachliche Realisierung der Einleitung nachgewiesen. Petkova-Kessanlis widmet sich dem vagen Textmuster Einführung in eine (Teil-)Disziplin bzw. ein Fachgebiet und versucht, das Wissen der Kommunikationsbeteiligten über das Muster exemplarisch zu rekonstruieren.

Die Experten-Laien-Kommunikation ist das Thema des Beitrags von Klaus Geyer. Exemplarisch wird der deutsche Aufklärungsbogen angeführt, der beim ärztlichen Aufklärungsgespräch zur Verwendung kommt. Die Perspektive ist die der Patientinnen und Patienten, und der Beitrag fokussiert die Versprachlichung der Agentivität. Wie komplexe und abstrakte Inhalte in Computerfachzeitschriften ← 7 | 8 → von Experten für (informierte) Laien aufbereitet und optimiert werden, damit der Wissenstransfer gelingt, untersucht Attila Mészáros. Im Rahmen dieses fachexternen Transfers werden der Umgang mit Fachwörtern, Metaphern und Anspielungen sowie die kognitive Gliederung berücksichtigt.

In zwei Artikeln bilden etwas ältere Texte den Untersuchungsgegenstand. Die Verbreitung deutscher wissenschaftlicher Texte sowie ihre Popularisierung auf Lettisch und der Einfluss des Deutschen auf die sich entwickelnde lettische Wissenschaftssprache in der ersten Unabhängigkeitszeit Lettlands werden von Agnese Dubova gezeigt. Egita Proveja ihrerseits untersucht exemplarisch die populäre Wissensvermittlung an Frauen im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert anhand der Rigaschen Hausfrauen-Zeitung. Themen aus den sogenannten weichen und harten Wissenschaften sind in unterschiedlichen Textsorten Gegenstand des Wissenstransfers. Die Rolle der Autorinnen und Autoren der jeweiligen Artikel ist dabei für den Grad der Popularisierung von besonderem Interesse.

Auch im Beitrag von Maike Sänger ist die Zielgruppe des Wissenstransfers abgegrenzt. Sie betrachtet die Funktion der erläuternden Moderatorinnen und Moderatoren sowie den Einsatz von Beispielen in wissensvermittelnden Magazinsendungen für Kinder. Es handelt sich dabei um ein komplexes Vorgehen, bei dem auch parasoziale und strukturierende Aspekte wesentlich sind. Die Vermittlung von Bewegungswissen in Fitness-Ratgebern in Buchform wird von Heike Ortner fokussiert. Sie geht der Frage nach, wie Bewegungsinstruktionen sprachlich und bildlich kodiert werden und wie Bewegungswissen auf diese Weise vermittelt wird. Dabei zeigt sie, dass der Text für die Darstellung der Dynamik der Bewegungen trotz Abbildungen eine Schlüsselrolle hat.

Die Wortebene wird in drei Texten näher fokussiert. Margit Breckle und Mona Enell-Nilsson untersuchen anhand der kurzen und langen Version desselben Nachhaltigkeitsberichts, wie Fachwörter aufgeschlüsselt werden, wobei der Kurzbericht als die popularisierte Version gilt. Die Fachwörter im Kurzbericht können sowohl explizit als auch implizit aufgeschlüsselt werden, aber auch nicht-aufgeschlüsselt bleiben. Im Beitrag von Henrik Nikula stehen Termini im Zentrum der Diskussion. Dabei geht es um verschiedenste Typen von Texten und um die Fragen, welche Funktion den Fachtermini in den Texten zukommt und welche Bedeutung der Fachlichkeitsgrad hat. Betrachtet werden auch Pseudotermini verschiedener Art. Termini in der schriftlichen Version des einleitenden Vortrags bei Disputationen in Finnland im Fach Germanistik werden von Mariann Skog-Södersved auf ihre Erläuterung hin untersucht. Die Analyse zeigt, dass sich die Respondentinnen und Respondenten mehrerer ← 8 | 9 → unterschiedlicher Definitionsarten bedienen, um ihrem heterogenen Publikum den Vortrag verständlich zu machen.

Sowohl bei den Beitragenden als auch bei den Gutachterinnen und Gutachtern möchten wir uns für die gute und konstruktive Zusammenarbeit herzlich bedanken. Der Emil Öhmann-Stiftung, der Österreichischen Botschaft Helsinki, der Stadt Vaasa und der Philosophischen Fakultät der Universität Vaasa gilt unser Dank für die großzügige finanzielle Unterstützung der Tagung. Irma Hyvärinen und Jarmo Korhonen danken wir für die Aufnahme dieses Bandes in die Reihe Finnische Beiträge zur Germanistik.

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Margit Breckle und Mona Enell-Nilsson

Zur Popularisierung von Fachwissen in Nachhaltigkeitsberichten – dargestellt am Beispiel der Fachwortaufschlüsselung

Abstract: The paper deals with forms of popularization on the lexical level used in the condensed version of E.ON’s sustainability report for the financial year 2014, including a comparison of the forms used in the condensed version and in the full sustainability report. The analysis shows that in the condensed version terms are usually explicitly or implicitly explained, with only a few terms left completely unexplained. The comparison shows that the forms of popularization in the two versions differ to some extent.

1.  Einleitung

Im vorliegenden Beitrag geht es um die Popularisierung von Fachwissen in Nachhaltigkeitsberichten, wobei die Aufschlüsselung von Fachwörtern in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt wird. Bei dem Untersuchungsmaterial geht es um die Nachhaltigkeitsberichterstattung des Energieunternehmens E.ON, genauer gesagt um den 17 Seiten umfassenden, separaten Kurzbericht 2014 (E.ON 2015a), den E.ON als „Auszug aus unserem Nachhaltigkeitsbericht“ (E.ON 2015a: Titelblatt) bezeichnet. Es gibt folglich auch einen Langbericht (E.ON 2015b), der seinerseits 216 Seiten umfasst und als eigenständige Publikation, d. h. separat von E.ONs Geschäftsbericht, veröffentlicht wurde. Die Entscheidung, die Popularisierung von Fachwissen mittels Fachwortaufschlüsselung vor allem im Kurzbericht genauer zu analysieren, ist der Tatsache geschuldet, dass im Langbericht Folgendes zu lesen ist:

In enger Verknüpfung mit unserer operativen Tätigkeit und ohne Anspruch auf Vollständigkeit gehen wir hier [im Kurzbericht; M. B. und M. E.-N.] in Form von Fragen und Antworten auf einige aktuelle Herausforderungen ein. Dabei achten wir besonders auf Leserfreundlichkeit [Hervorhebung durch M. B. und M. E.-N.]. (E.ON 2015b: 203)

Wir gehen von der Annahme aus, dass es sich beim Kurzbericht um eine popularisierte Version des umfangreicheren Nachhaltigkeitsberichts handelt, was u. a. am Einsatz von Fotos und direkten Zitaten im Kurzbericht im Vergleich zum Langbericht zu erkennen ist. Die angestrebte Leserfreundlichkeit lässt sich als Aspekt der Textverständlichkeit interpretieren, da Fachliches adressatengerecht ← 11 | 12 → vermittelt werden muss (zur Textverständlichkeitsforschung, vgl. z. B. Göpferich 1998). Im Folgenden steht die Aufschlüsselung von Fachwörtern im Mittelpunkt der Betrachtung, die u. E. die angestrebte Leserfreundlichkeit in besonderem Maße widerspiegelt.

Biographische Angaben

Mariann Skog-Södersved (Band-Herausgeber:in) Margit Breckle (Band-Herausgeber:in) Mona Enell-Nilsson (Band-Herausgeber:in)

Mariann Skog-Södersved ist Professorin für Deutsche Sprache an der Universität Jyväskylä (Finnland). Ihre wichtigsten Forschungsschwerpunkte sind (kontrastive) Medienlinguistik, Lexikologie und Übersetzungswissenschaft. Margit Breckle ist Universitätslektorin für Deutsche Sprache an der Universität Jyväskylä (Finnland). Ihre wichtigsten Forschungsschwerpunkte sind Medienlinguistik, interkulturelle Wirtschaftskommunikation, Lernersprache und Lernerkorpora sowie Unterrichtsforschung Deutsch als Fremdsprache. Mona Enell-Nilsson ist Postdoc-Forscherin im Fach Kommunikationswissenschaft an der Universität Vaasa (Finnland). Ihre zentralen Forschungsschwerpunkte sind Organisationskommunikation, (kontrastive) Lexikologie, Semantik und Übersetzen.

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Titel: Wissenstransfer und Popularisierung