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Mündliches und schriftliches Handeln im Deutschunterricht

Wie Themen entfaltet werden

von Ulrike Behrens (Band-Herausgeber:in) Olaf Gätje (Band-Herausgeber:in)
Konferenzband 240 Seiten
Open Access

Zusammenfassung

Der Band thematisiert die Ausbildung mündlicher und schriftlicher Themenentfaltungsmuster von Schülern im Deutschunterricht. Erzählungen, Beschreibungen, Instruktionen, Argumentationen und Berichte sind im kommunikativen Alltag einer Gesellschaft die Grundformen der thematischen Entfaltung komplexer sprachlicher Äußerungen. Sie werden sowohl schriftlich als auch mündlich realisiert. Im schulischen Deutschunterricht sind solche Themenentfaltungsmuster tradierte didaktische Gattungen des Aufsatzunterrichts und auch im Kompetenzbereich „Sprechen und Zuhören" soll die mündliche Realisierung dieser Muster vermittelt werden. Aber gelten für mündliches Berichten, Argumentieren, Instruieren usw. dieselben Anforderungen wie beim Schreiben? Oder muss man abhängig von der sprachmedialen Realisierung von verschiedenen Mustern mit gleichen Labels ausgehen? Die Beiträge dieses Bandes erkunden das Feld aus textlinguistischer und sprachdidaktischer Sicht neu.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Herausgeberangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Zur Einführung in diesen Band (Ulrike Behrens / Olaf Gätje)
  • Zur Konzeptualisierung von Kommunikationsereignissen (Steffen Pappert)
  • Narrative Verfahren und mediale Bedingungen. Überlegungen zur Analyse mündlicher und schriftlicher Erzählungen (Sören Ohlhus)
  • Kinder erklären Zaubertricks – mündliche und schriftliche Entfaltungsmuster (Anja Binanzer)
  • Formen mündlicher Darstellung in situ: Zur Komplexität von Diskursanforderungen in Unterrichtsgesprächen (Miriam Morek)
  • Sprechen über zu schreibende Texte: Was handeln Schülerinnen und Schüler mündlich aus? (Astrid Neumann / Solvig Rossack)
  • Argumentative Themenentfaltung in Schülergesprächen und Schülertexten (Elke Grundler / Sara Rezat)
  • Themenentfaltungsmuster und spezifische Ausdrucksformen – Junktionsausdrucksprofile von Erzählung und Argumentation im Vergleich (Miriam Langlotz)
  • Themenentfaltung beim textbezogenen Schreiben – zu einer Verbindung von Textrezeption und -produktion (Franziska Steinäcker)
  • Sprachliche Diversität und Themenentfaltungsmuster in Schülertexten am Beispiel von Beschreibe-Aufgaben im Fachunterricht (Sven Oleschko / Anke Schmitz)

Ulrike Behrens / Olaf Gätje (Hrsg.)

Mündliches und
schriftliches Handeln
im Deutschunterricht

Wie Themen entfaltet werden

Herausgeberangaben

Ulrike Behrens ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Germanistik – Sprachdidaktik der Universität Duisburg-Essen.

Olaf Gätje ist Professor für Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik am Institut für Germanistik der Universität Kassel.

Über das Buch

Der Band thematisiert die Ausbildung mündlicher und schriftlicher Themenentfaltungsmuster von Schülern im Deutschunterricht. Erzählungen, Beschreibungen, Instruktionen, Argumentationen und Berichte sind im kommunikativen Alltag einer Gesellschaft die Grundformen der thematischen Entfaltung komplexer sprachlicher Äußerungen. Sie werden sowohl schriftlich als auch mündlich realisiert. Im schulischen Deutschunterricht sind solche Themenentfaltungsmuster tradierte didaktische Gattungen des Aufsatzunterrichts und auch im Kompetenzbereich „Sprechen und Zuhören“ soll die mündliche Realisierung dieser Muster vermittelt werden. Aber gelten für mündliches Berichten, Argumentieren, Instruieren usw. dieselben Anforderungen wie beim Schreiben? Oder muss man abhängig von der sprachmedialen Realisierung von verschiedenen Mustern mit gleichen Labels ausgehen? Die Beiträge dieses Bandes erkunden das Feld aus textlinguistischer und sprachdidaktischer Sicht neu.

Zitierfähigkeit des eBooks

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Ulrike Behrens und Olaf Gätje

Zur Einführung in diesen Band

Wenn es um den Umgang mit und das Verfassen von Texten geht, dann sind aktuell drei eng miteinander zusammenhängende globale Erkenntnisinteressen in der deutschdidaktischen Theoriebildung und Forschung prägend: erstens ein linguistisches Interesse an der Beschreibung spezifischer Merkmale von Gruppen mündlicher und schriftlicher Texte, zweitens die Frage nach dem Einfluss der Medialität auf Ausprägungen dieser Merkmale, drittens schließlich die Frage nach den spezifischen Formen, in denen insbesondere im Bereich mündlicher Kommunikation Bedeutung kodiert wird. Die Beiträge dieses Bandes adressieren unterschiedliche Überschneidungspunkte dieser drei Perspektiven, die im Folgenden knapp erläutert und auf bestehende wissenschaftliche Diskurse bezogen werden sollen.

Zunächst ist die linguistische Beschreibung von Schrifttexten bzw. von rekurrenten textuellen Mustern und Merkmalen zu nennen, denn für das Lehren und Lernen des rezeptiven und produktiven Umgangs mit Texten, für das Diagnostizieren und Fördern von Textkompetenzen bei Schülerinnen und Schülern sind theoretisch fundierte Kenntnisse der Phänomenstrukturen von Texten notwendig. Die in dem vorliegenden Band vorgenommene Fokussierung auf die sprachwissenschaftliche bzw. textlinguistische Beschreibungskategorie Themenentfaltungsmuster ist aus sprachdidaktischer Sicht sinnfällig, spiegeln sich in den sog. „Grundformen thematischer Entfaltung“ (Brinker 2010, S. 56–77) doch im Wesentlichen die auch im schulischen Schreibunterricht tradierten Aufsatzformen wider.

Die textstrukturelle Beschreibungskategorie der Themenentfaltungsmuster wurde in den vergangenen ca. 40 Jahren im Kontext unterschiedlicher sprachtheoretischer Ansätze und daraus resultierender Annahmen über Merkmale und theoretische Begründungbarkeit dieser Muster entwickelt. So sind die von Brinker (2010) unterschiedenen Grundformen thematischer Entfaltung eng mit dem Konzept der Superstrukturen van Dijks (1980; vgl. Brinker 2010, S. 51–52) und dem Konzept der Texttypen von Werlich (1975)1 verwandt. Beide Konzepte stehen im←7 | 8→ Übrigen im Kontext einer ihren Erkenntnisfokus und ihr explanatives Potential auf den Gegenstand Text ausweitenden Generativen Transformationsgrammatik. Dieser Ansatz konzeptualisiert – ganz im Geiste der für die Transformationsgrammatik konstitutiven Kompetenz/Performanz-Unterscheidung – die verschiedenen Superstrukturen bzw. Texttypen als textuelle Manifestationen kognitiv verfügbarer Produktionsschemata bzw. Interpretationsschemata (vgl. van Dijk 1980, S. 129; Werlich 1975, S. 44). Folgt man Werlichs Ausführungen zu den Texttypen, dann basieren diese Schemata wiederum auf „angeborenen Kategorisierungsprozessen der menschlichen Erkenntnis bzw. des menschlichen Denkens“ (Werlich 1975, S. 40; s. a. Eroms 2008, S. 80). Demgegenüber wird das im Kontext einer sprechhandlungstheoretisch fundierten Textlinguistik entwickelte Konzept der Themenentfaltungsmuster zunächst als Analysekategorie aufgefasst, mit dem die wichtigsten Grundformen thematischer Entfaltung erfassbar werden, die sich in einer Sprachgemeinschaft herausgebildet haben (vgl. Brinker 2010, S. 60). Und die „wichtigsten“ dieser Grundformen sind eben nach Brinker „die deskriptive (beschreibende) die narrative (erzählende)2, die explikative (erklärende) und die argumentative (begründende) Entfaltung eines Themas zum Textinhalt“ (ebd.). Der Verweis darauf, dass diese Aufzählung lediglich die wichtigsten Grundformen enthält, macht im Übrigen deutlich, dass es durchaus weitere Themenentfaltungsmuster geben kann. Wie dem auch sei: In der Konzeptualisierung der Themenentfaltungsmuster als kulturellem Sediment einer Sprach- und Kommunikationsgemeinschaft kann u. E. ein zentraler Grund dafür gesehen werden, dass diese Grundformen textbasierter Verständigung als didaktische Gattungen bis heute zum Kernbestand des Schreib- und Aufsatzunterrichts gehören (s. zuletzt Feilke/Pohl 2014, Abschn. CII).←8 | 9→

Ungeachtet der Unterschiede zwischen den Konzepten der Superstruktur, der Texttypen oder Themenentfaltungsmuster, die zur Beschreibung musterhaft organisierter Themenstrukturen in Texten vorgeschlagen werden, wird theorieübergreifend angenommen, dass die logisch-semantische Verknüpfung von Teilthemen in einem Text nicht notwendig nur einem der erwähnten Muster folgen muss. Vielmehr sind die Textsorten des kommunikativen Alltags in der Regel durch eine Kombination dieser Muster geprägt. Als didaktische Gattungen des muttersprachlichen Unterrichts werden Erzählungen, Beschreibungen oder etwa Argumentationen dagegen traditionell als idealtypische Normen unterrichtet.

Details

Seiten
240
ISBN (ePUB)
9783631692813
ISBN (PDF)
9783653057317
ISBN (MOBI)
9783631692820
ISBN (Hardcover)
9783631661574
Open Access
CC-BY-NC-ND
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2016 (August)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2016. 240 S., 20 s/w Abb., 12 s/w Tab.

Biographische Angaben

Ulrike Behrens (Band-Herausgeber:in) Olaf Gätje (Band-Herausgeber:in)

Ulrike Behrens ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Germanistik – Sprachdidaktik der Universität Duisburg-Essen. Olaf Gätje ist Professor für Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik am Institut für Germanistik der Universität Kassel.

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Titel: Mündliches und schriftliches Handeln im Deutschunterricht