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Lehnprägungen im Tschechischen und Sorbischen

Eine diachrone, korpusbasierte Analyse ausgewählter Lexeme und Präfixe

von Katja Brankačkec (Autor:in) Frantisek Martínek (Autor:in) Anna Paap (Autor:in)
Monographie 314 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Danksagung
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abkürzungen
  • Einleitung
  • 1. Bisheriger Forschungsstand
  • 1.1 Sprachkontakt, Sprachbund und Sprachwandel
  • 1.2 Theoretische Annahmen und bisherige Forschung zu Wortbildung und Lehnprägung
  • 1.2.1 Terminologisches
  • 1.2.2 Wortbildungstheorie in den untersuchten Sprachen41
  • 1.2.2.1 Zur Wortbildung im Sorbischen
  • 1.2.2.2 Wortbildungstheorien in der Bohemistik und Slawistik
  • 1.2.2.3 Wortbildungstheorien in der Germanistik
  • 1.2.2.4 Prozesse der Abstrahierung und Modellprägung in der Wortbildung
  • 1.2.2.5 Probleme der historischen Wortbildungsforschung
  • 1.3 Entstehung von Schriftsprache und Sprachkontakt
  • 1.3.1 Der Einfluss des Romanischen und puristische Bestrebungen im Deutschen
  • 1.3.2 Purismus im Tschechischen und Sorbischen96
  • 1.3.2.1 Das Tschechische
  • 1.3.2.2 Das Sorbische
  • 1.3.2.3 Die soziolinguistischen Situationen und der Purismus in der Lausitz und in Böhmen im Vergleich
  • 1.4 Valenz aus diachronischer Sicht
  • 2. Das Material und dessen Bearbeitung
  • 2.1 Charakterisierung der Korpora
  • 2.2 Wörterbücher
  • 2.3 Umgang mit dem Material
  • 2.3.1 Vergleichbarkeit der Korpora
  • 2.3.2 Bearbeitung und Darstellung der Daten
  • 3. Untersuchungen zur Entwicklung verbaler Valenz im Tschechischen und Sorbischen
  • 3.1 ‚Lehren‘ und ‚gewöhnen‘ und deren Entsprechungen
  • 3.1.1 Die Entsprechungen im Tschechischen
  • 3.1.2 Die Entsprechungen im Obersorbischen
  • 3.1.3 Die Entsprechungen im Niedersorbischen
  • 3.2 ‚Ausgleichen‘ und ‚vergleichen‘ und deren Entsprechungen
  • 3.2.1 Tschechisch přirovnat und srovnat
  • 3.2.2 Obersorbisch přirunać und zrunać
  • 3.2.3 Niedersorbisch pśirownaś und zrownaś
  • 3.3 Schlussfolgerungen zur Entwicklung der Valenz aus diachronischer Sicht
  • 4. Zur semantischen und funktionalen Entwicklung einzelner verbaler Präfixe im Tschechischen und Sorbischen
  • 4.1 Die Entwicklung der verbalen Präfixe im Slawischen – bisheriger Stand der Forschung
  • 4.2 Das Präfix před-
  • 4.2.1 Das Präfix před- im Tschechischen
  • 4.2.2 Obersorbisch prědk/prjódk, prjedy und před-
  • 4.2.3 Niedersorbisch prědk/prjódk und pśed-
  • 4.2.4 Zusammenfassung zu před-/pśed-
  • 4.3 Das Präfix nad-
  • 4.3.1 Konkurrenz zu pře-
  • 4.3.2 Das Präfix nad- im Tschechischen
  • 4.3.2.1 Belege mit nad- im Alttschechischen
  • 4.3.2.2 Belege im Mittel- und frühen Neutschechischen
  • 4.3.2.3 Belege mit nad- im 19. Jahrhundert
  • 4.3.2.4 Zusammenfassung zu nad- im Tschechischen
  • 4.3.3 Das Präfix nad- im Obersorbischen
  • 4.3.3.1 Korpusbelege aus der Zeit bis 1945
  • 4.3.3.2 Korpusbelege mit nad- ab 1945
  • 4.3.4 Das Präfix nad- im Niedersorbischen
  • 4.3.4.1 Niedersorbisches nad- in der Zeit bis 1945
  • 4.3.4.2 Niedersorbisches nad- in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg
  • 4.3.5 Zusammenfassung zu nad-
  • 5. Zusammenfassung und Ausblick
  • Abbildungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis
  • Literatur- und Quellenverzeichnis
  • Register

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Einleitung

Calques oder Lehnprägungen1 gehören einerseits zu den häufig erwähnten, andererseits aber auch zu den vernachlässigten Phänomenen in den westslawischen Sprachen. Häufig erwähnt werden sie, wenn es um die Wortschatzerweiterung – nicht nur während der Zeit der nationalen Wiedergeburt – geht, um Sprachkontakt, um Purismus und um (vermeintliche) Randgebiete vor allem in der Wortbildung und Syntax. Trotzdem wurden sie in der slawischen Linguistik bisher vernachlässigt, weil eine gründliche Beschreibung des Phänomens der Lehnprägung gerade in Wortbildung und Syntax bisher kaum versucht wurde. Sobald es um die Beschreibung von Wortbildung oder Syntax in den westslawischen Sprachen geht, werden sie nur am Rande erwähnt. Calques dienen zuweilen als „Restgruppe“ für alle Wortbildungsprodukte oder syntaktischen Erscheinungen, die nicht genau ins ansonsten dargestellte Bild passen, dabei aber häufig verwendet werden.2 Sind Sprachkontakt oder Purismus in der Sprachentwicklung der Schwerpunkt einer linguistischen Untersuchung, bleibt es oft bei der bloßen Aufzählung der besagten Phänomene, ohne ihre Struktur oder Entstehung bzw. erstmaliges Auftreten näher zu ergründen.3 Das trifft auch auf das Ober- und Niedersorbische zu, obwohl sie in sehr langem und intensivem Kontakt zum Deutschen standen und stehen:

„Dabei kommt dem Einfluß des Deutschen auf das Sorbische eine zentrale Rolle zu. Das betrifft ganz besonders auch den Wortschatz, dessen Aufbau und innere Struktur weitgehend durch das Deutsche beeinflußt worden sind.“ (Schuster-Šewc 1993, 145).

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Das Obersorbische bildet inzwischen seine neuen Wörter überwiegend in Reaktion auf konkrete deutsche Lexeme (Pohončowa 2017, 72). Umso größer müsste das Interesse daran sein, wie sich dies auf die Wortbildungsmechanismen auswirkt. Jüngere Arbeiten zur Wortbildung im Sorbischen erwähnen zwar die wachsende Zahl an Komposita (ebd.) und nennen typische Wortbildungsmuster (u. a. Jenč 1999 sowie Scholze 2008, 303 ff.), eine genauere Untersuchung von Lehnprägungen im Sorbischen4 fehlt jedoch bisher. Auch für das Tschechische wurden Lehnprägungen bisher eher vernachlässigt, obwohl ihre Rolle in der tschechischen Wortbildung nicht unwesentlich ist: „Slovní zásoba spisovné češtiny – o tom nelze pochybovat – je plná kalků z němčiny.“ (Trost 1969, 252 = 1995, 166). Mit Půda (2010) hat zumindest ein Teil der Lehnprägungen im Tschechischen endlich eine umfangreiche Beschreibung erfahren, es fehlt aber immer noch eine Analyse für Lehnprägungen im Bereich der Verben und vor allem eine komplexe Beschreibung der Lehnprägungen im Sorbischen.5

Die vorliegende Publikation zielt auf dieses Desideratum. Sie versucht eine systematische, strukturelle und sprachhistorische Beschreibung einiger ausgewählter Wortbildungsmittel im Hinblick auf die Bildung von Calques im schriftsprachlichen Tschechischen und Sorbischen vor dem Hintergrund der soziolinguistischen Situation wie auch der innersprachlichen Grammatik dieser westslawischen Sprachen. Dabei geht es uns nicht darum, eine möglichst vollständige Liste eindeutiger Calques in den drei Sprachen zu erstellen. Unser Anliegen ist es, die Entstehung und die linguistische Funktionalität von Calques zu ergründen: Wie wird der Wortschatz insgesamt verwendet und welche Neuerungen treten auf? Welche Faktoren bedingen die Bildung und Etablierung von diesen Neuerungen? Wie lassen sich Lehnprägungen in eine komplexe Beschreibung des Wortbildungssystems einbinden? Handelt es sich um einzelne, isolierte Lexeme oder um den Beginn einer strukturellen Entlehnung? Gehören Calques zum kontaktinduzierten Sprachwandel?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, erörtern wir zunächst den bisherigen Forschungsstand zu Kontaktlinguistik und Sprachwandel allgemein (1.1), zu Lehnprägung im Rahmen der Wortbildung (1.2), zu Purismus und ←14 | 15→Entwicklung der Schriftsprache (1.3) sowie verbaler Syntax aus diachronischer Sicht (1.4). Nach einer Charakterisierung unseres Materials (2) versuchen wir anhand einer Korpusanalyse des Tschechischen (Diakorp, Diakon, Syn 2015, Syn v 6 und 7), Ober- (Hotko) und Niedersorbischen (Dotko) die Entwicklung der Valenz einiger Verben genauer zu verfolgen und miteinander zu vergleichen (Kapitel 3). Zum anderen versuchen wir genauer zu beleuchten, wie sich Semantik und wortbildende Produktivität zweier verbaler Präfixe in den untersuchten Sprachen im Laufe der Entwicklung verändert haben und welchen Anteil Calques an diesen Veränderungen haben (Kapitel 4).

Angesichts der Fülle von offenen Fragen zu wortbildenden und syntaktischen Calques im Westslawischen sind diese Analysen nicht mehr als ein Anfang in der Beschreibung der Lehnprägung im Bereich der Verben. Wir möchten zeigen, welche Erkenntnisse ihre Betrachtung aus dem strukturellen Blickwinkel für die Grammatikschreibung des Tschechischen und Sorbischen bringen können. Wir möchten mit dieser Publikation außerdem Forschungsmethoden vorschlagen, die für die Betrachtung von Sprachkontakt, Sprachwandel im Westslawischen wie auch der Sprachtypologie in Zentraleuropa und im Slawischen allgemein nützlich sein können. Im abschließenden Kapitel (5) fassen wir unsere Erkenntnisse zusammen und formulieren bleibende und neue Fragen für die künftige Forschung.

Die vorliegende Publikation ist in gemeinsamer Arbeit am Projekt zu Lehnprägungen im Tschechischen und Sorbischen „Analýza kalků v češtině a lužické srbštině“ (An analysis of calques in Czech and Sorbian, GA ČR P406/16/10866S) während der Jahre 2016 bis 2018 unter der Leitung von Katja Brankačkec entstanden. Den größten Teil des Textes hat die Projektleiterin zu verantworten. František Martínek hat eine Vielzahl an Hinweisen, Kommentaren und Korrekturen besonders zum Tschechischen beigetragen und an der Interpretation und Einordnung des tschechischen Materials mitgearbeitet. Der gemeinsame Beitrag zu den tschechischen Lehnprägungen für lateinische Präfixbildungen mit super- (Brankačkec – Martínek 2017), auf den wir uns hier u. a. stützen, stammt überwiegend aus seiner Feder. Anna Paap trug eigene Texte/Ausschnitte zu den Kapiteln zum Forschungsstand im Bereich der Lehnprägung, des Sprachkontakts, zum Sprachbund und zum deutschen und tschechischen Purismus (1.3) bei. Einige dieser Beiträge stammen aus ihrer bisher unveröffentlichten Magisterarbeit (Koubová 2017), die methodisch sehr ähnlich angelegt ist. Außerdem stützen wir uns in Kapitel 4.3 auf ihre Ergebnisse zum Präfix pře- im Tschechischen, die sie für dieses Buch zusammengefasst hat.

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1 Beide Begriffe werden im Folgenden synonym als Überbegriff für die verschiedenen Arten von Lehnprägungen nach Betz (1949) verwendet. Ausführlicher zur Terminologie in Abschnitt 1.2.1.

2 Ein besonders deutliches Beispiel hierfür ist Werner (2003, 108) für den „calque“ ein semantisches Merkmal sein kann, das sich ansonsten kaum von lexikalisierten komplexen Verben („fix“) unterscheidet: „Dieses Merkmal [calque] findet sich bei Lehnprägungen. Voraussetzungen für Lehnprägungen sind die enge Assoziierung des Ausgangsverbs mit einem präfigierbaren Verb der entsprechenden Gebersprache, also ein hoher Lexikalisierungsgrad des Ausgangsverbs in der Nehmersprache. […] Im Unterschied zu fix nimmt calque nicht die Werte + und – an, sondern erhält als Wert das Lehnpräfix.“

3 Vgl. etwa das Zitat Trosts über die große Zahl an Calques im Tschechischen in (Půda 2010, 1) oder die Beispiele in Schuster-Šewc (1993, 152 ff.).

4 Das Tschechische wurde bereits zum Teil bearbeitet, vgl. Půda (2010) zu den tschechischen Lehnprägungen im Bereich der Substantive und Adjektive sowie Koubová (2017) zu verbalen Calques mit dem Präfix pře-, aus denen wir hier deshalb auch umfangreich zitieren. Scholze (2008, 303–313) gibt einen groben Überblick zu Entlehnungen und Lehnübersetzungen sowie Hybridprägungen im umgangssprachlichen (Ober-)Sorbischen der jüngsten Generation.

5 Genaueres zum Stand der Forschung in Kapitel 1.

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1. Bisheriger Forschungsstand

1.1 Sprachkontakt, Sprachbund und Sprachwandel

Es besteht kein Zweifel darüber, dass die europäischen Sprachen miteinander in Verbindung stehen – sie haben in ihrer Grammatik und Lexik untereinander mehr Ähnlichkeiten als zu außereuropäischen Sprachen. Im vorliegenden Band beschäftigen wir uns mit den Ähnlichkeiten im Bereich der Lexik und Wortbildung:

„Diese indogermanische Begriffsgemeinschaft ist doppelten Ursprungs: einmal ist sie gemeinsames Erbe der europäischen Völker, ihrer Weltanschauung, die in ihrer Sprache sich ausprägt, und zum andern ging ständig ein Strom des Hinüber und Herüber zwischen den einzelnen Völkern, der dem Nachbarvolk brachte, was das eigene Volk Neues gefunden, und der übernahm, was der andere Neues geprägt.“ (Betz 1949, 9)

Die indoeuropäische Sprachfamilie, ihr „gemeinsames Erbe“ und dessen Weiterentwicklung bis zu den gegenwärtigen Sprachen wurde bereits sehr umfassend erforscht – man denke nur an die historisch-vergleichenden Arbeiten der Junggrammatiker im 19. Jh.6 Unter anderem gibt es dank dieser Forschungsrichtung heute etymologische Wörterbücher, die die Herkunft des Wortschatzes vieler europäischer Sprachen aufgrund von historischen Kenntnissen und Lautentwicklungen seit dem Indoeuropäischen herleiten. Der zweite Aspekt – die Entlehnung und Lehnprägung – ist Gegenstand dieser Publikation.

Lehnübersetzungen und Entlehnungen sind ein allgegenwärtiges Phänomen – nicht nur im europäischen Sprachraum. Entsprechend oft wurden sie in der Literatur auch schon erwähnt. Ein Denkanstoß für viele Linguisten war Unbegauns Aufsatz über Entlehnungen und Calques in der Slavia (1932): seine „Typologisierung“ der slawischen Sprachen in eher entlehnende oder eher kalkierende inspiriert auch heute noch.7 Die besondere Verbindung der europäischen Sprachen untereinander wurde u. a. im Band von Panzer (1993) thematisiert.

Neben diesem „Transfer“ von Sprachgemeinschaft zu Sprachgemeinschaft beschreibt bereits Weinreich (1968, 7 f.) das Phänomen der „interlingualen Identifikation“ beim mehrsprachigen Sprecher. Diese kann sich in allen Bereichen ←17 | 18→der Sprache äußern – von der Phonetik und allen Ebenen der Grammatik bis zur Inhaltseite der lexikalischen Einheiten: „Finally, interlingual identifications of units occur on the plane of content. In English, a certain area of meaning is included in, and divided by, the semantemes ‚foot‘ and ‚leg‘. Russian has no identical opposition […].“ (ebd., 7 f.)

Beide Aspekte von Sprachkontakt – der durch kulturellen Austausch bedingte Transfer von lexikalischem Material und die durch „interlinguale Identifikation“ bedingten Veränderungen auf der Ausdrucksseite von Lexemen – spielen bei der Untersuchung von Calques eine Rolle. Für die Entwicklung des Sorbischen ist außerdem zu beachten, dass ab dem 20. Jh. zumindest bei den Erwachsenen alle Sprecher zweisprachig sind.8 Für die Sprecher des Tschechischen verschwand, im Gegenteil, die Kontaktsituation und die durch sie bedingte gute Kenntnis des Deutschen weitgehend.9 Deutsch wird zwar immer noch häufig als Fremdsprache gelernt, Kenntnisse dieser Sprache sind aber besonders bei jüngeren Menschen längst nicht so selbstverständlich wie Englischkenntnisse.

Der Anteil von Sprachkontakt am Sprachwandel rückt wieder zunehmend in den Fokus der linguistischen Forschung. In den letzten drei Jahrzehnten ist eine Fülle von Einzelstudien zu Sprachkontakt und Sprachwandel erschienen, vgl. etwa Boretzky et al. (1996), Gilbers et al. (2000), Berger (2008), Chamoreau – Léglise (2012), Kątny (2012), Besters-Dilger et al. (2014). Einen Überblick über die Erforschung von Prozessen der Grammatikalisierung im Lichte ←18 | 19→des Sprachkontakts mit Fokus auf slawische Sprachen sowie einige Fallbeispiele bietet der Band von Wiemer et al. (2012). Einen kurzen Überblick über die Forschungsgeschichte speziell des tschechisch-deutschen Kontakts bietet Berger (2008a).

Sprachkontakt wird zunehmend als „normaler“ und häufig vorkommender Bestandteil von Sprachentwicklung betrachtet (Mihm 2007, 26). So argumentiert u. a. Lindstedt (2000) in seiner Betrachtung des Balkansprachbundes, dass

„origins of most grammatical Balkanisms are not to be sought in the internal development of any one of these languages, but rather in the multi-lingual contact situation itself, to the extent that the traditional notions of ‚source language‘ and ‚target language‘ may not always be applicable.“ (ebd. 231)

Zusammenfassung

Die Autoren erproben in diesem Buch eine neue Herangehensweise an das Phänomen der Lehnprägung im Tschechischen und Sorbischen. Basierend auf diachronen Korpora und Wörterbüchern wird in vier exemplarischen Studien gezeigt, wie Sprachkontakt und «eigene Entwicklung» miteinander verwoben sind. Zwei Untersuchungen verfolgen die Entwicklung der Valenz ausgewählter Verben. In zwei weiteren werden die Präfixe před-/pśed- und nad- aus Sicht der Wortbildung charakterisiert. In allen drei Sprachen wird eine unterschiedlich weit fortgeschrittene semantische Strukturanpassung beobachtet. Daher plädieren die Autoren für eine Integrierung der Lehnprägung in die Darstellung der Wortbildung statt einer Dichotomie zwischen «fremd» und «eigen».

Details

Seiten
314
ISBN (PDF)
9783631794005
ISBN (ePUB)
9783631794012
ISBN (MOBI)
9783631794029
ISBN (Hardcover)
9783631779286
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (September)
Schlagworte
Sprachkontakt Wortbildung westslawisch Verbpräfixe Verbpartikeln Valenz Purismus
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2019., 314 S., 29 farb. Abb., 33 Tab.

Biographische Angaben

Katja Brankačkec (Autor:in) Frantisek Martínek (Autor:in) Anna Paap (Autor:in)

Katja Brankačkec ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Slawischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag. František Martínek ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Tschechische Sprache und Kommunikationstheorie an der Karlsuniversität Prag. Anna Paap (geb. Koubová) studierte Bohemistik, Übersetzen/Dolmetschen Deutsch-Tschechisch und Sprachwissenschaft. Derzeit arbeitet sie als freie Übersetzerin und Sprachlehrerin.

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