Zusammenfassung
Leseprobe
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titel
- Copyright
- Zitierfähigkeit des eBooks
- Inhalt
- Editorial
- Beiträge der Tagung „Geld. Interdiskursive Ökonomien bei Grimmelshausen“
- Dieter Breuer: Kapitaltransfer bei Grimmelshausen
- Stephan Kraft: Magie oder Teufelslist? Die inversen Geschäfte mit dem Spiritus familiaris im Trutz Simplex
- Joana van de Löcht: Geld aus „unsichtbarer Hand“. Bereicherung durch Geister und Schatzfunde in den simplicianischen Texten
- Simon Zeisberg: Wissen, was das Geld gilt. Zum diskursiven Transfer von Geld-Wissen im Satyrischen Pilgram und Simplicissimus Teutsch (III, 13)
- Eric Achermann: Barockökonomie. Zur Therapie des politischen Körpers
- Peter Heßelmann: Fiskalpolitik in Claus von und zu Schauenburgs Teutschem Friedens-Raht. Mit einem Blick auf Grimmelshausen
- Peter Klingel: Kalkül, Ökonomie und Reue in Grimmelshausens Vogel-Nest-Romanen
- Matthew Feminella: „[W]ann ich nur reich werden möchte“. Trutz Simplex und die Vielfalt ökonomischen Wohlstands
- Isabelle Stauffer: Verkehrte Zirkulationen. Geld und Geschlecht in Grimmelshausens Simplicissimus und Schuppius’ Corinna
- Roman Widder: Kipper, Wipper, Pikaro.: Akkumulation vs. Arbeit in Grimmelshausens Verkehrter Welt
- Maximilian Bergengruen: „Gebt/ So wird euch gegeben“. Zu den Paradoxien gottgefälliger Geldvermehrung in Grimmelshausens Rathstübel Plutonis
- Yashar Mohagheghi: Der Teufelskreis der Avaritia. Geld und Mobilität in Grimmelshausens Springinsfeld
- Robert Schütze: Der Schreiber und das Geld. Ökonomien der Einbildungskraft
- Klaus Haberkamm: Stern-Taler (I): Geld in Dürers und Grimmelshausens Darstellungen des „kosmischen Konflikts zwischen Saturn und Jupiter“
- Hans-Joachim Jakob: „Avaritia radix omnium malorum“. Die Todsünde Geiz/Habgier in Georg Philipp Harsdörffers Erzählsammlung Heracljtus und Democritus (1652–1653)
- Weitere Beiträge
- Klaus Haberkamm: Stern-Taler (II): Der ‚Kapitalist‘ und Okkultist Simplicissimus. Schatzfund (ST III, 12) und Edelstein-Katalog (ST III, 13)
- Friedrich Gaede †: Mehr zum „Meer“ und zum Namen Simplicius
- Peter Heßelmann: Ein Monstrum am Straßburger Münster. Inspiration für Grimmelshausens Titelbild zum Simplicissimus Teutsch?
- Levy da Costa Bastos: „Das Fremde in der Muttersprache widerspiegeln“. Übersetzungsmöglichkeiten für Grimmelshausens Courasche ins Portugiesische
- Klaus Matthäus: Der Kurtzweilige Geschichten Calender des Jungen Simplicissimus. Beobachtungen zu einer Kalender-Redaktion
- Hans-Joachim Jakob: Grimmelshausen-Partikel im bürgerlichen Realismus‘. Kriegsbilder und Schelmenstücke in Wilhelm Raabes Erzählungen Lorenz Scheibenhart (1858) und Michel Haas (1860)
- Christian Loos: Die Lieder Grimmelshausens und ihre (volks-)musikalische Rezeption
- Simpliciana Minora
- Helmut Aßmann: Die biblische Josephslegende im metaliterarischen Diskurs zwischen Grimmelshausen und Philipp Zesen im Wunderbarlichen Vogel-Nest I
- Klaus Haberkamm: Zum Gedenken des „Prager Fenstersturzes“ vor 400 Jahren: Grimmelshausen in der ZEIT
- Peter Heßelmann: 2018: 400. Jahrestag des Ausbruchs des Dreißigjährigen Krieges / 350. Jahrestag der Erstveröffentlichung von Grimmelshausens Simplicissimus Teutsch
- Dieter Martin: Grimmelshausens Kriegserzählungen in der SWR-Tele-Akademie
- Regionales
- Miriam Seidler: Grimmelshausen-Gesprächsrunde in Oberkirch-Gaisbach
- Martin Ruch: Neuigkeiten aus Oberkirch
- Martin Ruch: Veranstaltungen in Renchen 2018
- Martin Ruch: Moscherosch-Dauerausstellung im Rathaus Willstätt
- Rezensionen und Hinweise auf Bücher
- Hans Jacob Christoph von Grimmelshausen:: Der abentheurliche Simplicissimus Teutsch und Continuatio. Hrsg. von Dirk Niefanger. (Dieter Breuer)
- Hans Jacob Christoph von Grimmelshausen: „Simplicius Simplicissimus “ auf Griechisch. Übers. von Jiannis Koilis. (Alexandra Rassidakis)
- Alberto Martino: Besitzer und Leser simplicianischer Schriften. Vom unvergleichlichen Wert einer GrimmelshausenBibliographie. (Peter Heßelmann)
- Alberto Martino: Die Verwandlungen des Picaro.: Die Rezeption der novela picaresca im deutschen Sprachraum (1555/1562–1753). (Peter Heßelmann)
- Volker Meid: Der Dreißigjährige Krieg in der deutschen Barockliteratur. (Jost Eickmeyer)
- Peter H. Wilson: Der Dreißigjährige Krieg. (Torsten Menkhaus)
- Matthias Slunitschek: Hermann Kurz und die ,Poesie der Wirklichkeit‘. (Peter Heßelmann)
- Eva Knapp, Gabor Tüskes: Litterae Hungariae. Transformationsprozesse im europäischen Kontext (16.-18. Jahrhundert). (Wilhelm Kühlmann)
- Mitteilungen
- Dieter Breuer: In memoriam Professor Dr. phil. Friedrich Gaede
- Peter Heßelmann: Bericht über die Tagung „Geld. Interdiskursive Ökonomien bei Grimmelshausen“, 07.-09. Juni 2018 in Bochum
- Peter Heßelmann: Einladung zur Tagung „Politik im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit“, 27.-29. Juni 2019 in Oberkirch und Renchen
- Dirk Werle: Einladung zur Tagung „Johann Michael Moscheroschs Textwelten. Interdisziplinäre und internationale Konferenz anlässlich seines 350. Todestages“, 03.-05. April 2019 in Willstätt
- Eric Achermann, Dirk Werle: Ankündigung der Tagung „Dispositionsformen und Ordnungsvorstellungen bei Grimmelshausen und in der Literatur der Frühen Neuzeit“, 25.-27. Juni 2020 in Münster
- Anhang
- Beiträger Simpliciana XL (2018)
- Simpliciana und Beihefte zu Simpliciana.: Richtlinien für die Druckeinrichtung der Beiträge
- Bezug alter Jahrgänge der Simpliciana
- Grimmelshausen-Gesellschaft e. V
- Beitrittserklärung
- Beihefte zu Simpliciana
Der XL. Jahrgang der Simpliciana enthält die Vorträge, die während der Tagung der Grimmelshausen-Gesellschaft zum Thema „Geld. Interdiskursive Ökonomien bei Grimmelshausen“ im Juni 2018 in Bochum gehalten wurden. Hinzu kommen weitere Beiträge, die sich mit dem Œuvre des simplicianischen Autors auseinandersetzen.
Unsere nächste Tagung widmet sich der „Politik im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit“. Sie wird vom 27. bis zum 29. Juni 2019 in Oberkirch und Renchen stattfinden. Die satzungsgemäße Mitgliederversammlung und Vorstandswahlen stehen am 29. Juni 2019 auf dem Programm. Die Einladung und das Tagungsprogramm sind in diesem Jahrbuch in der Rubrik „Mitteilungen“ abgedruckt. Wie immer hoffe ich auf eine rege Teilnahme an der öffentlichen Tagung.
Anlässlich des 350. Todestages von Johann Michael Moscherosch wird vom 03. bis zum 05. April 2019 in Willstätt eine Tagung unter dem Titel „Johann Michael Moscheroschs Textwelten“ durchgeführt. Veranstalter sind Sylvia Brockstieger und Dirk Werle in Verbindung mit der Gemeinde Willstätt, der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg am Deutschen Literaturarchiv Marbach und der Grimmelshausen-Gesellschaft. In der Rubrik „Mitteilungen“ der Simpliciana sind die Einladung und das Veranstaltungsprogramm zu finden.
Vom 25. bis zum 27. Juni 2020 wird die Grimmelshausen-Gesellschaft in Münster eine Tagung veranstalten, in der „Dispositionsformen und Ordnungsvorstellungen bei Grimmelshausen und in der Literatur der Frühen Neuzeit“ beleuchtet werden sollen. Vortragsangebote nehmen Eric Achermann, Dirk Werle und ich gern entgegen.
Zwei Mitglieder des Vorstands der Grimmelshausen-Gesellschaft haben im Jahr 2018 ihren 80. Geburtstag begehen können. Klaus Haberkamm und Jean-Marie Valentin ist – verbunden mit einem nachträglichen herzlichen Glückwunsch – für die langjährige Tätigkeit im Vorstand zu danken.
Tief erschüttert habe ich mitzuteilen, dass Friedrich Gaede am 02.12.2018 verstorben ist. Er war Gründungs- und Vorstandsmitglied der Grimmelshausen-Gesellschaft. Ihm gebührt Dank für sein über vier Jahrzehnte andauerndes Engagement in unserem Kreis. Anfang Juni 2018 hat er mir, bereits von seiner Erkrankung wissend, einen Aufsatz mit dem Titel „Mehr zum ,Meer‘ und zum Namen Simplicius“ zukommen lassen. Dieser Beitrag wird Friedrich Gaedes letzte Veröffentlichung in den Simpliciana sein. Ein Nachruf auf Friedrich Gaede befindet sich ebenfalls in unserem Jahrbuch.
| Münster, im Dezember 2018 | Peter Heßelmann |
BEITRÄGE DER TAGUNG „GELD. INTERDISKURSIVE ÖKONOMIEN BEI GRIMMELSHAUSEN“
Kapitaltransfer bei Grimmelshausen
Das Thema Geld zieht sich wie ein roter Faden durch alle Schriften Grimmelshausens und gibt den Akteuren in Romanen wie Traktaten Anlass zu mancherlei Reflexionen. Aber wer bei ihm bereits eine theologiefreie Geldtheorie sucht, wird, wie Martin Stern (1976)1 und Christoph Deupmann (2006)2 gezeigt haben, nicht fündig werden. Letztlich sei es immer noch der Teufel, der im Geldgeschäft zum Seelenschaden der Betroffenen die Fäden zieht. Dem Erzähler und Traktatschreiber Grimmelshausen geht es denn auch mehr um die moralischen und psychologischen, ja magischen Wirkungen des Geldes, die er zum Gegenstand satirischer Kritik macht.3 Andererseits gibt ihm die biblische Geschichte vom ägyptischen Joseph Anlass zu weitblickenden nationalökonomischen Erörterungen über staatliche Schatzbildung und Kreislauf des Geldes.4 Aber insgesamt sucht er die Nähe zur Lebenswelt seiner Leser, indem er die alltägliche Praxis von Geldgeschäften und deren Risiken darstellt.
Um Letzteres, um die Versuche der Protagonisten seiner Romane, das wie auch immer erworbene Geldvermögen zu sichern und vor fremden Zugriff zu bewahren, geht es mir im Folgenden. Der Autor spielt vor allem drei Möglichkeiten des Transfers von Geldvermögen durch:
-Persönliches Mitführen von gemünztem Geld und Wertsachen im Vertrauen auf äußeren Schutz oder auf Verstecke;
-Geldtransfer durch kaufmännische Wechselbriefe;
-Kapitalflucht in sichere Länder angesichts von Kriegsgefahr oder innerstaatlichen Konflikten.
I
Als die junge, in Geldanlagen noch unerfahrene Courasche mit ihrem in Wien erwirtschafteten Geld im Vertrauen auf ihren kaiserlichen Pass in eigener prächtiger Kutsche in ihre böhmische Heimatstadt Bragoditz reist, wird sie von marodierenden Soldaten überfallen. Sie kann ihre ansehnliche Barschaft nur dadurch retten, wenigstens teilweise, dass sie den Anführer, einen Hauptmann, heiratet.5 Simplicius verhält sich in ähnlicher Situation geschickter. Er verbringt seinen bis dahin geheimgehaltenen Schatzfund, bestehend aus alten Goldsorten, Juwelen und Gold- und Silbergeschirr, zusammen mit geraubtem Geld von Soest aus in die sichere Reichsstadt Köln, indem er sich einem Kaufmannskonvoi unter militärischer Bedeckung von hundert Dragonern anschließt. Er übergibt dort den Schatz „einem von den vornehmsten Kauffleuten daselbst“ zur Aufbewahrung, „gegen Außhändigung einer spezificierten Handschrifft“ (ST 298). Zugleich sichert er sich durch Auszahlung eines Darlehens von hundert Talern auf Zinsen, rückzahlbar bei Aushändigung des Schatzes, wobei dieser als Pfand dient (ST 299). Grimmelshausen lässt jedoch in diesem Fall seinen Helden die Erfahrung machen, dass auch der sorgsam bedachte Plan immer noch keine Garantie für die Sicherheit des Schatzes ist. Simplicius und sein ,Schatzbrief‘ fallen bei der Rückreise in die Hände des Feindes. Das Dokument landet beim schwedischen Kommandanten von Lippstadt (ST 334). Der Schatz kann erst viel später, da der Kölner Kaufherr inzwischen „Bancquerot gespielt“ und der Schatz „Obrigkeitlich petschirt“ (ST 336) worden ist, durch den Lippstädter Kommandanten „vermitteltst der Militiae“ (ST 355) freigepresst6 und sichergestellt werden; immerhin geht es um einen Wert von 3000 Gulden, der für den ehelichen Sohn und Erben des verschollen geglaubten Simplicius angelegt wird (ST 465–466).
Der Sicherheit beim Geldtransport dient auch das Einnähen von Goldmünzen in Bekleidungsstücke, in Sättel und Satteltaschen – Methoden, auf die sich Courasche und Simplicius gleichermaßen verstehen. Courasche vernäht „ein zimliche Quantität Goldstücker“ in ihrem Oberkleid (C 84). Oder sie verbirgt als Marquetenderin ihr Geld, um dieses vor der Begehrlichkeit Springinsfelds zu schützen, hinter ihrer alten Pflegemutter, die es „so Tags so Nachts wohl eingenähet/ auf ihrem blosen Leib tragen muste.“ (C 120) Simplicius als Jäger von Soest hat den Sattel seines Pferdes mit 30 Dukaten „gespickt“ (ST 301, 309). Bei seinem späteren Aufenthalt bei Olivier vernäht er die Goldsorten, die der Straßenräuber sich als schmerzende Wülste um den Leib gebunden hat, in zwei Gold-Skapulieren, die sie nun bequem als Schulterkleider unter dem Hemd tragen können (ST 433–434). Bei seinem erzwungenen Aufenthalt in Moskau trennt Simplicius zum Lebensunterhalt nach und nach die Dukaten aus seiner Kleidung, die er zuvor „zum Vorrath so weislich“ vernäht und so für die weite Reise gesichert hatte (ST 533). Springinsfeld kennt ebenfalls diese Methode, hat aber damit kein Glück: Als er bewusstlos auf dem Schlachtfeld liegt, raubt man ihm die Kleider mitsamt den eingesteppten Dukaten (Spr 269, vgl. Spr 277). Der Kaufmann im Vogelnest-Roman vertraut auf seine Satteltasche: „Jch hatte eine Sattel- Tasch/ worinn ich nach Gelegenheit der Zeit pflegte Gelt über Land zu führen/ wann ich irgends hin meiner Handelschafft nachräisete […].“ (VN II 522) Er kann diese sogar mit Hilfe des zauberischen Vogelnests unsichtbar machen und so die Sicherheit erhöhen. Größere Sicherheit verspricht freilich eine Methode des bargeldlosen Kapitaltransfers, die unter Fernkaufleuten für den Messebesuch entwickelt worden ist und auch von anderen Ständen genutzt wird: der Wechselbrief.
II
Neben Giro-Überweisungen von Konto zu Konto bei den Großbanken in Venedig, Amsterdam, Nürnberg und Hamburg gehört im 17. Jahrhundert der Wechselbrief zur üblichen Praxis des Geldtransfers zwischen den Handelsstädten Europas. Ausgeführt werden diese Geschäfte von obrigkeitlich überwachten Wechselbanken oder von vertrauenswürdigen Fernkaufleuten, die sich auf ein Netz von Korrespondenten an den Handelsplätzen im Deutschen Reich und im westlichen Europa stützen können.
Nach Johann Caspar Herbach (Einleitung zum gründlichen Verständnis der Wechsel-Handlung. Nürnberg 1716) gehört das Wechselgeschäft seit den mittelalterlichen Anfängen zur Kaufmannschaft. Durch diese „Invention“ sei es möglich geworden, dass man „an fremde und abgelegene Orte gar bequemlich Gelder übermachen/ auch solche von anderwärts her/ hinwiederum an sich bringen kan […].“7 Herbach zählt eine lange Reihe von Nutzanwendungen dieser Methode auf:
Dann durch selbe werden nicht nur allein grosse Armeen in fremden Ländern/ Bassagiers, Studierende/ etc. mit ihrer Notdurfft versehen/ sondern auch vermitteltst derselben Renten/ Zinnse/ Heyrath-Gut/ Erbschafften/ etc. über- macht/ nicht weniger die von frembden Orten empfangenen Waaren gar füglich all dorten in ihrer eigenen Müntze bezahlt/ und hierdurch die Gefahr/ welche man mit der Barsendung/ sonderlich bey Kriegs-Zeiten auszustehen hat/ evitirt [vermieden; D. B.]; zu geschweigen die Ungleichheit derer Müntz-Sorten/ dann in diesem Orte wird dieß oder jenes Geld angenommen/ in jenem ist es ungültig/ wie wir das Exempel an Engelland und Franckreich/ etc. haben/ allwo alles in ihrer eigenen Müntze bezahlt werden muss.8
Zudem bleibe das Geld mittels der Wechselgeschäfte im Land, wodurch man das staatliche Ausfuhrverbot von Bargeld umgehen könne.9 Und durch die obrigkeitlichen Wechsel-Ordnungen sei das Verfahren auch gegen Missbrauch geschützt.10
Erforderlich für das Wechselbriefverfahren sind jeweils zwei Personen an zwei Orten: am ersten Ort der „Remittent“ als Einzahler des Geldes und der „Trassent“, der das Geld annimmt und den Wechselbrief ausstellt, am zweiten Ort der „Akzeptant“ bzw. „Correspondent“ oder „Bancquirer“, der vom „Präsentanten“, d. h. dem Inhaber des Wechselbriefs, den Wechselbrief entgegennimmt und ihm den vermerkten Betrag auszahlt.11 Wechselbriefe sind nach Herbach also „kleine, den Kaufmännischen Credit beweisende/ Briefe“, auch Zettel genannt. Sie müssen folgende Angaben enthalten: Ausstellungsort und -datum, die auszuzahlende Summe in Ziffern und in Worten, die Qualität des Geldes (Münzsorte), die Sicht bzw. die Zahlungsfrist (uso), den Auszahlungsmodus (bar oder Kontoverrechnung), Name und Ort des Akzeptanten, Unterschrift des Trassenten.12
Was den Nutzerkreis betrifft, so ist nach Zedlers ausführlichem Artikel „Wechsel“ (827 Spalten) auch „allen und jeden Militärpersonen gleich andern, wohl erlaubet, sich ihrer Bequemlichkeit halber oder aus andern Ursachen der Wechsel anzumassen, und z. E. Wechsel-Briefe an sich selbst auszustellen“.13 Die Wechselverordnungen der Landesregierungen unterscheiden darüber hinaus nach „wechselfähigen Personen“ und solchen, die nicht fähig sind, „eigene Wechselbriefe auszugeben“; zu letzteren gehören „Weibspersonen, Geistliche, Bauern (ausgenommen Pächter), Kinder, Studenten (bis 25 Jahre)“.14
Grimmelshausen geht in seinen Romantexten bei der Darstellung von Wechsel-Geschäften auf Einzelheiten nicht ein. Er setzt die Kenntnis des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, sei es mit Hilfe vertrauenswürdiger Kaufleute oder über Banken15, bei seinen Lesern einfach voraus. Der Autor macht seinen Helden Simplicius erstmals in Köln mit dem Wechselbriefverfahren bekannt: Simplicius schließt sich zwei jungen Adligen an, die nach Erhalt eines von ihrem Kölner Gastgeber auf sie ausgestellten Wechselbriefs nach Paris reisen und sich den Wechselbrief nach ihrer Ankunft beim Pariser Korrespondenten ihres Kölner Gastgebers auszahlen lassen (ST 350–351). Grimmelshausen verwendet dieses Motiv noch einmal in der Continuatio in der Episode von Julus und Avarus (Co 600–601).
Im weiteren Verlauf des Romans kommt Simplicius selbst in den Genuss eines auf ihn ausgestellten Wechselbriefs. Durch Intervention des Lippstädter Kommandanten wird er nicht nur aus dem Weimarischen Heer vor Breisach entlassen, sondern empfängt auch einen Wechselbrief seines Schwiegervaters über 20 Taler, Geld für die Heimreise, auszahlbar bei der Weihnachtsmesse in Straßburg, wohin sich Simplicius begibt (ST 401). Oliviers Goldmünzen hat er, wie berichtet, in zwei Schulterkleidern versteppt (ST 454). Als Erbe Oliviers trennt er sie später wieder heraus und nimmt das Geld auf die Reise nach Wien mit. Von dort lässt er die Summe vor der Rückreise per Wechselbrief nach Basel transferieren (ST 461). Von Griesbach aus gibt er der Basler Wechselbank Order zum Transfer des Geldes nach Straßburg, wo er sich einen Teil der Summe gegen Vorlage des Wechselbriefs auszahlen lässt (ST 461–462). Das übrige Geld aus seiner Kriegsbeute verwendet er später zum Erwerb einer Immobilie, sein Bauerngut nahe Griesbach und Peterstal, das er saniert und ausbaut und samt seinem übrigen Geldvermögen an seine wiedergefundenen Pflegeeltern zur Bewirtschaftung übergibt (ST 483). Geldgeschäfte größeren Umfangs macht der Junker Simplicius hinfort nicht mehr.
Anders Courasche. In Wien hatte sie als Edelhure über 1000 Dukaten verdient (C 40). Nach der erzwungenen Heirat mit dem Hauptmann vergrößert sie als Soldatin an der Seite ihres Mannes ihr Geldvermögen durch Beutemachen so sehr, „dass wir einen guten Particul darvon in eine vornehme Stadt zu verwahren geben musten“ (C 45) Dies wiederholt sich nach neuerlichem Beutemachen in der Schlacht bei Höchst: Sie gibt ihr Bargeld „abermahl in einer namhaften Stadt“ in Verwahr, d. h. sie legt es auf Zinsen an. Als sie nach dem Tod ihres dritten Ehemanns die Armee verlässt und sich für ein Jahr untätig „gegen ein geringes Schirm-Gelt“ in der nächstgelegenen Reichsstadt (vermutlich Worms) aufhält, lässt sie klug ihr Geld für sich arbeiten:
[…] ich brauchte mein Gelt/ so ich hie und dort in den grossen Städten hatte/ den Kauff- und Wechselherren zuzeiten beyzuschiessen/ darauß ich so ein ehrlich Gewinngen erhielte/ daß ich ziemliche gute Tag davon haben konte/ und nichts von der Haubtsumma verzehren dorffte […]. (C 58)
Da sie in der Stadt niemand findet, der sie als Hauptmannswitwe zur Ehe nimmt, überweist sie schließlich ihr Geld, „bey 3000. Reichsthaler“ (C 60), „per Wexel“ nach Prag (C 58–59) und reist im Schutze „etliche[r] Kauffherren“ (C 59) dorthin. Dass sie einen Wechselbrief ausgestellt erhält, ist eigentlich gegen die Ordnung, da sie als Witwe zu den nichtwechselfähigen Personen gehört und keinen Vormund hat, der das Geldgeschäft für sie tätigen könnte. Grimmelshausen setzt in diesem Fall wohl voraus, dass die Kauf- und Wechselherren der Reichsstadt ihr vorzügliches und gesiegeltes Entlassungszeugnis ihres Obristen bei der kaiserlichen Armee als Legitimierung anerkennen (C 56–57). Das nächste Wechselgeschäft ist ganz korrekt: Courasche ist wieder verheiratet, hat also einen Vormund, erbeutet zusammen mit ihrem Hauptmann in der Schlacht bei Lutter am Barenberge Werte von 1000 Gulden. Diese schaffen sie beide „ohnverweilt per Wechsel nacher Prag“, zu den „alldortigen 2000. Reichsthalern“ (C 65). Bei welchen Wechselherrn sie ihren Wechsel erhalten, verschweigt der Autor, lässt aber Courasche von einer gemeinsamen Transaktion sprechen („wir“ [C 65]). Durch ihren Geheimvertrag mit dem Musketier, den sie später Springinsfeld nennt, erwirbt sie bei der Armee zugleich das Recht, eine Marquetenderei zu betreiben, indem sie ihn „pro forma“ als „Haubt“ des Geschäfts deklariert, sich selbst aber das „Ober-Commando/ sonderlich über das Gelt“ vorbehält (C 88 und 116). Als Geschäftsfrau ist sie wiederum eine wechselfähige Person und auf dem Italienfeldzug in der Lage, ihren stetig wachsenden „Gelthauffen“ (C 105), Erträge aus Marquetenderei und Prostitution, von Mantua und Casale aus „etlichmal [per] Wexel nach Prag und anderswohin in die Teutsche Reichs-Städte“ zu transferieren (C 115), um das Geld zu sichern.
Nach der Trennung von Springinsfeld im Feldlager vor Regensburg gibt Courasche ihr Geschäft auf, reist über Passau nach Prag und heiratet erneut einen kaiserlichen Hauptmann, der aber kurz darauf in der Schlacht bei Nördlingen tot bleibt. Den Heereszug ins Württembergische nutzt sie, um in der schwäbischen Reichsstadt, der Heimat ihres ersten Prager Hauptmanns, ihr Witwenerbe einzufordern und sich dort endgültig nieder zu lassen. Zu diesem Zweck lässt sie „alles mein Gelt/ das ich zu Prag und sonst in grossen Städten liegen hatte/ herzu kommen“ (C 129). Sie löst also ihre Wechselbriefe ein und investiert das Geld in Immobilien: ein Stadthaus und ein Landgut vor der Stadt. Die Ehebruchsaffäre führt dann allerdings zur ihrer Ausweisung aus der Stadt und zur Konfiskation ihrer Immobilien und des Barvermögens. Ihr bleibt nur, als Ehefrau eines Musketiers, dessen weimarischer Heereseinheit zu folgen. Jener überlebt die Schlacht von Herbsthausen nicht überlebt. Courasche, die auf ihrem Esel der Plünderung nach der Schlacht entkommt, schließt sich einem Zigeunerclan an, dessen Anführer sie heiratet. Wechselgeschäfte haben sich nun erübrigt.
Von Wechselgeschäften kann der Musketier Springinsfeld in seiner Lebenserzählung nicht berichten. Er führt seine wenigen Barmittel stets mit sich. Seine brutal erlangte Beute auf dem Nördlinger Schlachtfeld investiert er in ein Wirtshaus, doch geht dieses wegen Weinbetrugs schnell verloren. Nur ein einziges Mal hat er es mit einem „Wexelbrieff […] der nach Vlm lautet“ (Spr 250), zu tun, als dieser Brief von seinen Kameraden im Keller eines demolierten Hauses neben fünf angefressenen Leichen, zwei Pässen und einem Gürtel mit eingenähten Dukaten gefunden wird: die Beute eines Wolfsrudels, das sich in diesem Keller einquartiert und den armen Springinsfeld eine lange kalte Winternacht geängstigt hatte (Spr 249–250).
Dass der Münchener Kaufmann im Vogelnest-Roman sich mit Wechselbriefen auskennt, verwundert nicht, wohl aber, dass er bei der Leipziger Messe und seinen Geschäften in Amsterdam keinen Gebrauch davon macht – bis auf ein notgedrungenes Wechselgeschäft im französisch besetzten Utrecht während des französisch-niederländischen Krieges. Der Kaufmann war als „Freywilliger“ (VN II 619) auf niederländischer Seite in den Krieg gezogen, war verwundet und hilflos auf dem Utrechter Schlachtfeld von einem französischen Feldgeistlichen aufgefunden und gegen Versprechen großer Summen für dessen Orden und für die eigene medizinische Versorgung in Sicherheit nach Utrecht gebracht worden. Vom niederländischen Hauswirt des Geistlichen erfährt er vom Wunsch des Niederländers, sein Barvermögen aus Utrecht vor den französischen Besatzungstruppen in Sicherheit zu bringen. Der Kaufmann, der sein Geld bei seinen Geschäftspartnern in Amsterdam liegen hat und dieses seinerseits in Utrecht zur Einlösung seiner Versprechungen benötigt, stellt seinem Hauswirt einen Wechselbrief aus:
[Er] war […] froh/ einen Wexsel mit mir zu treffen/ und bote mir 10. pro Cento zu geben/ worauff ich ihm Brieff an meine dortige Freund gab/ die das Meinig in Verwahrung hielten/ mit Befelch/ solches alles/ ohne die Klenodien/ und was ungemüntzt war/ meines Hauß-Wirths Gevollmächtigtem darzuzehlen/ und sich über die Ausgab bescheinen zu lassen/ und also brachte ich mein Gelt von Amsterdam zu mir nach Utrecht/ welches sich sampt dem Lagio [Agio, Aufgeld], so mir mein Haußwirth gab/ bey 3000. Reichsthalern belieffe. (VN II 629)
Der Utrechter Hauswirt gibt mithin dem Kaufmann als dem Trassenten sein Geld plus üblichem Aufgeld, hier sogar 10 Prozent. Dieser stellt ihm einen Wechselbrief aus, gerichtet an seine Geschäftspartner in Amsterdam, die dem Remittenten, hier dem Bevollmächtigten des Hauswirts, gegen Vorlage des Wechselbriefs die genannte Summe in bar gegen Quittung auszuzahlen haben. Voraussetzung des Wechselgeschäfts ist die Vertrauenswürdigkeit des Trassenten, hier des Kaufmanns in den Augen des Hauswirts; von dessen „sonderbare[r] Vertraulichkeit“ zum Kaufmann ist denn auch ausdrücklich die Rede (VN II 629). Grimmelshausen hat hier sachkundig ein Exempel für ein Wechselgeschäft in Kriegszeiten dargestellt. Bleibt nur das Risiko für den Hauswirt, den Wechselbrief nach Amsterdam zu expedieren. Zugleich ist dieser Vorgang ein Beispiel für Kapitalflucht aus Kriegsgebieten.
III
In Grimmelshausens Romanen kann der Geldtransfer zu den Vorboten eines Krieges gehören, neben Zeitungsspekulationen, Propagandaschriften und Bänkelliedern zur Einstimmung der Öffentlichkeit, wie angesichts des drohenden französisch-niederländischen Krieges, der im zweiten Teil des Vogelnest-Romans den politischen Hintergrund des Aufenthalts des Münchner Kaufmanns in Amsterdam bildet. Der Kaufmann, der in seiner Geldgier inzwischen zum skrupellosen Verbrecher herabgesunken ist und die riesigen Geldvorräte in den Gewölbekellern des reichen Juden Eliezer geplündert hat (VN II 584–585), findet bei einem zweiten Beutezug im Schatzgewölbe nichts mehr vor:
[…] aber die gute Kautzen waren außgeflogen/ weil damals jederman das seinig/ was ihm lieb war/ hinweg flehete/ so/ daß es schiene/ ob wolten die Einwohner ihre sonst überauß reiche Statt selbst arm machen/ damit die Frantzosen desto weniger umb ihre unnöthige Mühe kriegen solten […]. (VN II 604–605)
Der zum Christentum konvertierte Jude Erasmus, der mehr noch als die Franzosen und die Macht Eliezers die Hinterhältigkeit seines Patrons, des Kaufmanns, fürchtet, ergreift ebenfalls die nächste Gelegenheit, mit seiner jungen Familie und seinem Vermögen zu Schiff Amsterdam zu verlassen, zusammen „mit einigen Leuten/ die groß Gut nach Hamburg flöhnten“ (VN II 603). Erasmus sei von Hamburg „nach Dantzig/ und von dort auff Lübeck kommen“, heißt es weiter (VN II 603), also in Städte, die vom Krieg nicht betroffen waren.
Auch in seinem historischen Roman Proximus und Lympida macht Grimmelshausen den kriegsbedingten Vermögens-Transfer zum Thema, hier allerdings von Mitgliedern einer an der Herrschaft beteiligten Familie im oströmischen Reich in der Zeit von 580 bis 650. Der Vater des Modestus, Angehöriger des Hochadels in der syrischen Stadt Antiochia, gibt seinem Sohn den Rat, seine Heimatstadt zu verlassen, als sich abzeichnet, „daß Antiochia in kurtzem durch allerhand Unglück/ sich hingegen zu seinem gäntzlichen ruin neigen/ und umb alle seine hiebevorige Herrlichkeit kommen solte.“ (PL 538) Modestus folgt zunächst seinem Freund Mauritius nach Constantinopel. Dieser steigt dort nach Heirat mit der Kaisertochter selbst zum Kaiser auf und erhebt Modestus zu seinem Berater. Modestus seinerseits macht sein gesamtes väterliches Erbe in Antiochia zu Geld und legt dieses in Constantinopel neu an, u. a. in Immobilien (PL 541). Ähnlich wie sein Vater verhält sich Modestus gegenüber seinem Sohn Proximus. Er rät diesem, Constantinopel wegen der unter Kaiser Heraclius unsicher gewordenen politischen und religiösen Verhältnisse zu verlassen und Schutz in der neuen, erstarkenden Stadtrepublik Venedig zu suchen. Proximus, der sein reiches Erbe, dem letzten Willen seines Vaters gemäß, ganz für die Armenfürsorge in Con- stantinopel gestiftet hat, aber überraschend als Erbfürst von Larissa wieder zu Reichtum und Ehren gelangt, entzieht sich dem wachsenden Misstrauen des Kaisers, seines Oberherrn: Er macht das Erbe seiner reichen Gemahlin Lympida in Constantinopel zu Geld und tritt sein Fürstentum Larissa an den Sohn und Thronfolger des Kaisers „gegen Darlegung eines grossen Stück baren Geltes“ (PL 674) ab. Mit diesem Geldschatz segelt er mit seiner Familie nach Venedig. Dort kauft er sich in die Signoria ein und legt das Fundament zu Venedigs Staatsschatz „mit Dargebung viles Goldts unnd rahrer Edelgesteine“ (PL 675). Er stiftet Kirchen, sorgt für „des gemeinen Wessens Erhaltung“ und erweist sich als der „allergetrewste Patriot“ (PL 675) dieser Republik. Hier können Proximus und Lympida
[…] geruewiglich beydes Gott vnd den Menschen: den Armen privat Persohnen vnd dem gemeinen Wessen dienen […]/ wo sie weder mit Regierung über andere sich bemühen dörffen noch mit vnderthänigen Diensten einen tyranischen Gewalt zugehorsammen gezwungen waren […]. (PL 676)
Indem Grimmelshausen abschließend auf das Venedig-Kapitel in Georg Horns Orbis politicus (1669) verweist, ist er in seiner desolaten Gegenwart angekommen. Er stellt dieser das Muster einer „vollkommenen Republique“ gegenüber, die auf Grund „heilsamer Gesetze und guten Ordnungen“ ihren Bürgern ein Leben in „stiller Ruh und stoltzer Sicherheit“ möglich macht.16
Die zahlreichen Geldtransfers in Grimmelshausens Simpliciani- schen Schriften mit dem Ziel, Kriegsbeute und Prostitutionsgewinne sicher zu stellen, führen nur im Falle des Simplicius zu dauerhaftem Immobilienbesitz, dies jedoch mit zunehmend schlechtem Gewissen des Besitzers, der am Ende ganz auf Geld verzichtet und als Pilger von Almosen lebt. Der alte Simplicissimus kommt im Rathstübel Plutonis zu der selbstkritischen Einsicht:
Wer sich ernstlich und einmahl vor allemahl resolvirt hat/ reich zu werden/ und in solchem Vorsatz beständig verharren will/ der muß das Gewissen nicht genaw beobachten. (RP 662)
Verzicht auf Reichtum und Geldgeschäfte sind, wie angedeutet, auch Thema in den beiden historischen Romanen. Dietwalt und Amelinde verzichten auf Herrschaftsrechte und Wohlleben, wenn auch nur für begrenzte Zeit, zur Selbstprüfung und im Vertrauen auf die göttliche Vorsehung, der sie den Zeitpunkt der Wiedereinsetzung in ihre Herrschaft Savoyen überlassen. Ebenso verfährt Proximus, wenn er das väterliche Erbe wegschenkt. Auch seine freiwillige Armut wird am Ende belohnt. Aber sein erneutes Geldvermögen stellt er dann verantwortungsvoll in den Dienst des Armenwesens und der Sicherung der übrigen öffentlichen Aufgaben des Staates, dessen Bürger er geworden ist: Das ist seine moralische Alternative zur eigennützigen Geldvermehrung wie zum Wegschenken des Geldes.
1 Martin Stern: Geld und Geist bei Grimmelshausen. In: Daphnis 5 (1976), S. 415–464.
2 Christoph Deupmann: Ökonomie und Geld in Grimmelshausens Roman „Das wunderbarliche Vogelnest“. In: Simpliciana 28 (2006), S. 169–183.
Details
- Seiten
- 480
- ISBN (PDF)
- 9783034338127
- ISBN (ePUB)
- 9783034338134
- ISBN (MOBI)
- 9783034338141
- ISBN (Paperback)
- 9783034338004
- DOI
- 10.3726/b15417
- Open Access
- CC-BY
- Sprache
- Deutsch
- Erscheinungsdatum
- 2019 (März)
- Schlagworte
- simpliciana
- Erschienen
- Bern, Berlin, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, YEAR. PAGES.
- Produktsicherheit
- Peter Lang Group AG