Lade Inhalt...

MIMOS 2019

Cie Yan Duyvendak

von Paola Gilardi (Band-Herausgeber:in) Delphine Abrecht (Band-Herausgeber:in) Anne Fournier (Band-Herausgeber:in) Andreas Klaeui (Band-Herausgeber:in)
Dissertation 272 Seiten
Open Access

Zusammenfassung

Yan Duyvendak ist ein Grenzgänger: zwischen den Sparten und zwischen den Genres. Zwischen bildender Kunst, Performance, Theater und sozialer Interaktion. Ein «Spieler des Realen», den der vorliegende Band mit kritischen Analysen und Berichten von Weggefährten würdigt.
Yan Duyvendak est passeur de frontières entre les disciplines et les genres. Entre art visuel, performance, théâtre et interactions sociales. Un «joueur du réel» auquel cet ouvrage rend hommage grâce à des analyses critiques et à des récits de complices de route.
Yan Duyvendak è un attraversatore di confini: fra le discipline e fra i generi. Fra le arti visive, la performance, il teatro e l’interazione sociale. Un artista che «gioca con il reale», a cui questo volume rende omaggio tramite saggi critici e i resoconti di compagni di viaggio.
Yan Duyvendak crosses borders: of artistic discipline and genre. Of visual art, performance, theatre and social interaction. In tribute to an artist who «deals with the real», this volume contains critical analyses and reports by those who have joined him along his journey.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titelseite
  • Impressum
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Claudia Rosiny
  • Nomade zwischen den Kunstsprachen
  • Nomade entre les langages de l’art
  • Un nomade fra i linguaggi artistici
  • A Nomad Between Artistic Languages
  • Danielle Chaperon
  • Laudatio du jury
  • Laudatio der Jury
  • Laudatio della giuria
  • The Jury’s Statement
  • Herausgeberteam
  • Eine Kunst der Verantwortung
  • Einleitung
  • Un art de la responsabilité
  • Introduction
  • Un’arte della responsabilità
  • Introduzione
  • The Art of Responsibility
  • Introduction
  • Une vie à deux
  • Eric Demey, Yan Duyvendak
  • Ein Leben im Zwiegespräch
  • Una vita in dialogo
  • Our Story of Me
  • Carena Schlewitt
  • Résumé / Riassunto / Abstract
  • Kippfiguren im Dialog mit dem Publikum
  • Claire Bishop, Yan Duyvendak
  • “Everything is Fucked Up”
  • « C’est mal barré »
  • «Alles ist beschissen»
  • «È tutto un gran casino»
  • David Zerbib
  • De la traversée de la représentation à la scène de la décision
  • Von der Erkundung der Repräsentation zur Bühne der Entscheidung
  • Dalla traversata della rappresentazione alla scena della decisione
  • Exploring Representation to Reach the Decision-Making Stage
  • Danielle Chaperon
  • Zusammenfassung / Riassunto / Abstract
  • Touchdown Confirmed (We’re Safe on Stage)
  • Aline Gohard-Radenkovic
  • Zusammenfassung / Riassunto / Abstract
  • Still in Paradise :
  • Andreas Klaeui
  • Résumé / Riassunto / Abstract
  • «Das Schauspiel sei die Schlinge»
  • Ein forensischer Theater-Streifzug, inspiriert von Please, Continue (Hamlet)
  • Paola Gilardi
  • Résumé / Zusammenfassung / Abstract
  • Dispositivi scenici al servizio della società
  • Intervista a Valentina Picariello, codirettrice di ZONA K, Milano
  • Christophe Kihm
  • Zusammenfassung / Riassunto / Abstract
  • Exercer la responsabilité
  • Delphine Abrecht
  • Zusammenfassung / Riassunto / Abstract
  • invisible : Jeux furtifs avec Yan Duyvendak
  • Annexes
  • Anhang
  • Appendice
  • Appendix

←9 | 10→

You Invited Me, Don’t You Remember?, 2002 Stadtkino, Kunsthalle Basel (CH), 2002

←10 |
 11→

Nomade zwischen den Kunstsprachen

Claudia Rosiny Verantwortliche Tanz und Theater, Bundesamt für Kultur

Yan Duyvendak wurde 2019 mit dem Schweizer Grand Prix Theater / Hans-Reinhart-Ring ausgezeichnet. Mit diesem wichtigsten Theaterpreis der Schweiz würdigt die Eidgenossenschaft Theaterschaffen von hoher Qualität und Relevanz.

Geboren in den Niederlanden, kam Yan Duyvendak als 15-Jähriger in die Schweiz und lebt seit über 20 Jahren in Genf. Er selbst versteht sich nicht unbedingt als Theaterkünstler. Nicht, weil er ein Studium der bildenden Kunst und keine Theaterausbildung absolvierte, sondern weil es ihm in seinem künstlerischen Schaffen stets darum geht, für ein Anliegen und eine Idee die jeweils passende Form zu finden. Damit ist er in der aktuellen Szene der darstellenden Künste ein Protagonist, der überzeugend mit verschiedenen Kunstsprachen spielt. So wurde er bereits 2010 im Bereich der bildenden Kunst mit dem ebenfalls vom Bundesamt für Kultur vergebenen Prix Meret Oppenheim ausgezeichnet.

Sein Interesse für die Bühne entwickelte Yan Duyvendak parallel zum Kunststudium im Wallis, als er Tanzkurse besuchte und bei der Revue de Sion mitwirkte. Stilmittel des Musicals wählte er 2015 für Sound of Music: Broadway-erfahrene Tänzer*innen wurden eigens rekrutiert und jungen lokalen Talenten an die Seite gestellt. Nicht, um in einer perfekten Show zu unterhalten, sondern um so leicht wie möglich auf ein ernstes Thema zu verweisen: Katastrophen und Klimawandel.

Generell nutzt Yan Duyvendak gerne Konzepte der bildenden Kunst, um mit einer Partitur, mit einem Dispositiv ←11 | 12→ein Thema zu erforschen. Und ganz anders als im traditionellen Sprechtheater gelten die Spielregeln oftmals nicht nur für die Akteur*innen auf der Bühne, sondern auch für die Zuschauenden, die aktiv eingebunden werden: In Still in Paradise 1 etwa, das sich mit der Angst vor dem Islam befasst und seit 2008 weltweit tourt, stimmt das mit auf der Bühnenfläche sitzende und sich bewegende Publikum darüber ab, welche «Fragmente» der Performance Yan Duyvendak und sein ägyptischer Künstlerkollege Omar Ghayatt präsentieren sollen. Auch bei Please, Continue (Hamlet) – 2011 zusammen mit Roger Bernat kreiert – verläuft jede Aufführung anders. Hamlet (von einem Schauspieler verkörpert) ist des Mordes an Polonius angeklagt und wird vor ein echtes Gericht gestellt. Professionelle lokale Richter*innen und Anwält*innen sowie eine Volksjury aus dem Publikum müssen ein Urteil fällen und ergründen dabei die Frage «Wie be- oder verurteile ich jemanden?» Man könnte diese Inszenierung als «Dokumentartheater» bezeichnen, doch Yan Duyvendaks Interesse gilt nicht einem bestimmten Genre. Er setzt unterschiedliche Kunstsprachen und Codes ein, um seine Themen ganzheitlich und in Kohärenz von Form und Inhalt anzusprechen.

Das Œuvre von Yan Duyvendak passt nicht in Schubladen. Er überschreitet immer wieder spielend Sprach- und Spartengrenzen. Er wirkt oft selbst mit auf der Bühne, wenn er rund um den Globus reist, und beherrscht ein gutes halbes Dutzend Sprachen. Mit dieser internationalen Ausstrahlung und Transdisziplinarität seiner Arbeit fügt er sich bestens in die lange Tradition des Hans-Reinhart-Rings, der seit 1957 von der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur und seit 2014 im Zuge der Einführung der Schweizer Theaterpreise zusammen mit dem Bundesamt für Kultur vergeben wird. Der Hans-Reinhart-Ring wurde regelmässig auch an Künstler*innen verliehen, die sich wie Christoph Marthaler (2011), Daniele Finzi Pasca (2012) oder Rimini Protokoll (2015) schwer einer bestimmten Sparte zuordnen lassen.

Yan Duyvendak hat in seiner Dankesrede an der Preisverleihung Ende Mai 2019 im Théâtre du Crochetan in Monthey den französischen Fluxus-Künstler Robert ←12 | 13→Filliou zitiert, um sein Selbstverständnis als Künstler zu veranschaulichen: «Kunst ist, was das Leben interessanter macht als Kunst.» Er betrachtet seine Rolle als Künstler in der Gesellschaft als die eines einfachen Bürgers, eines Citoyens, der trotz wiederkehrenden Zweifeln mit seinem künstlerischen Schaffen versucht, einen Beitrag zur Veränderung der Welt zu leisten. In dieser Konsequenz widmet er sich in letzter Zeit vermehrt Themen von hoher politischer und gesellschaftlicher Brisanz: ACTIONS, 2016 mit Nicolas Cilins und Nataly Sugnaux Hernandez entwickelt, befasst sich beispielsweise mit der Flüchtlingskrise.

Mit intelligenter Kunst bereichert Yan Duyvendak so das gesellschaftliche Zusammenleben.


1 Dieses Projekt wurde 2008 von Yan Duyvendak, Omar Ghayatt und Nicole Borgeat unter dem Namen Made in Paradise entwickelt. Seit 2016 tourt es in einer an die aktuelle, zugespitzte Weltlage angepassten Form unter dem Namen Still in Paradise weiter.

←13 | 14→

Nomade entre les langages de l’art

Claudia Rosiny Responsable de la danse et du théâtre, Office fédéral de la culture

En 2019, le Grand Prix suisse du théâtre / Anneau Hans Reinhart a été décerné à Yan Duyvendak. Avec ce prix, le plus important prix de théâtre en Suisse, la Confédération rend hommage à une création théâtrale de qualité et d’importance.

Né aux Pays-Bas, Yan Duyvendak est arrivé en Suisse à l’âge de quinze ans ; depuis vingt ans, il réside à Genève. Lui-même ne se définit pas comme un artiste de théâtre. Et cela non parce qu’il a suivi des études d’art plutôt que de théâtre, mais parce qu’il cherche toujours, dans son travail, à donner la forme la plus juste à une matière et à une idée. Au sein de la création contemporaine des arts de la scène, il convainc par sa faculté à jouer avec différents langages artistiques. En 2010, il a en effet été couronné pour son travail dans les arts visuels par le Prix Meret Oppenheim, également décerné par l’Office fédéral de la culture.

Yan Duyvendak a développé un intérêt pour la scène en parallèle de ses études d’art menées dans le canton du Valais, lorsqu’il suivait des cours de danse et collaborait à la Revue de Sion. En 2015, il opte pour le genre de la comédie musicale avec Sound of Music : des danseur·euse·s expérimenté·e·s de Broadway, spécialement recruté·e·s pour cette occasion, y apparaissent aux côtés de jeunes talents locaux. Il ne s’agit pas de divertir au moyen d’un spectacle impeccable, mais de renvoyer, aussi légèrement que possible, à une thématique sérieuse : les catastrophes et les changements climatiques.

←14 | 15→

Pour explorer un thème, Yan Duyvendak aime en général à user de concepts de l’art visuel (une partition, un dispositif ). Contrairement à celles du théâtre traditionnel, les règles du jeu ne valent alors le plus souvent pas seulement pour les acteur·trice·s, mais aussi pour les spectateur·trice·s, invité·e·s à jouer un rôle actif : dans Still in Paradise 1, qui traite de la peur de l’Islam et qui est produit dans le monde entier, le public est assis sur la scène, se déplace et vote pour déterminer quels « fragments » de la performance Yan Duyvendak et son collègue égyptien Omar Ghayatt doivent lui présenter. De même, dans Please, Continue (Hamlet), pièce créée en 2011 avec Roger Bernat, chaque représentation prend une forme différente. Hamlet, qui comparaît devant un tribunal parce qu’il est accusé du meurtre de Polonius, est incarné par un acteur. Des juges professionnel·le·s locaux·ales, des avocat·e·s et un jury populaire choisi parmi le le public doivent rendre un verdict et, ainsi, réfléchir à la question « Sur quoi se fonde mon jugement ou ma condamnation de quelqu’un ? » Cette mise en scène pourrait être décrite comme un « théâtre documentaire » mais Yan Duyvendak ne s’intéresse pas à un genre précis. Il déploie différents langages et codes artistiques pour aborder globalement les thématiques qui lui tiennent à cœur, dans un souci de cohérence entre la forme et le fond.

Details

Seiten
272
ISBN (PDF)
9783034339667
ISBN (ePUB)
9783034339674
ISBN (MOBI)
9783034339681
ISBN (Paperback)
9783034339650
Open Access
CC-BY-NC-ND
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Dezember)
Erschienen
Bern, Berlin, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2019., 272 pp., 24 fig. col.

Biographische Angaben

Paola Gilardi (Band-Herausgeber:in) Delphine Abrecht (Band-Herausgeber:in) Anne Fournier (Band-Herausgeber:in) Andreas Klaeui (Band-Herausgeber:in)

Zurück

Titel: MIMOS 2019