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Aspekt und Erfolg: Eine kontrastive Analyse aspektualer Relationen von tschechischen und deutschen Verbpaaren

von Viktor Tichák (Autor:in)
Dissertation 264 Seiten

Zusammenfassung

Die Studie zeigt die Existenz verschiedener Ausdrucksmöglichkeiten des Erfolgs und der Erfolgsrelationen in den aspektualen Systemen der tschechischen und der deutschen Sprache. Sie beschreibt diese Mittel detailliert anhand kontrastiver Analysen von tschechischen und deutschen Verben und Verbpaaren, damit die Sprachbenutzer und -benutzerinnen vor allem bei der Übersetzung dieser semantischen Nuancen im Tschechischen die jeweilige Nuance identifizieren und äquivalent im Deutschen darstellen können. Der Autor stellt Lösungsvorschläge in Wörterbüchern und Übersetzungen dar und führt eine Übersicht der Möglichkeiten an, die zum Ausdruck der semantischen Relation im Deutschen gebraucht werden können.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Danksagung
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Einleitung
  • 1. Zur Forschungsgeschichte
  • 1.1. Der germanistische Diskurs
  • 1.2. Der bohemistische Diskurs
  • 1.3. Die aspektuale Trisektion
  • 1.4. Ausgewählte semantische Ansätze
  • 1.4.1. Ordinary Language Philosophy
  • 1.4.2. Vorgänge, Zustände und die anderen
  • 1.4.3. Renate Steinitz
  • 1.4.4. Bernard Comrie
  • 1.4.5. Erwin Tschirner
  • 1.4.6. Hana Filip
  • 1.5. Heutige Aspektologie
  • 2. Terminologie und Klassifizierungen der Verben
  • 2.1. Vorbemerkung zur Morphologie, Syntax und Semantik
  • 2.2. Terminologische Basis
  • 2.2.1. Verbalcharakter
  • 2.2.1.1. Klassifizierung der Verben nach dem Verbalcharakter
  • 2.2.1.2. Agentivität, Transitivität und die kausativen Verben
  • 2.2.2. Aspekt
  • 2.2.3. Aktionsart
  • 2.2.3.1. Klassifizierung der Aktionsarten
  • 2.2.4. Aspektualität
  • 2.3. Relationale Konzepte
  • 2.3.1. Aspektpaar
  • 2.3.2. Aspektonymie
  • 2.3.3. Erfolg
  • 2.3.3.1. Absicht, Effekt und Zielrichtung
  • 2.4. Konkurrenzbegriffe und -konzepte
  • 2.4.1. Resultativität
  • 2.4.2. Egressivität
  • 2.4.3. Grenzbezogene Konzepte – Zusammenfassung
  • 2.4.4. Perfekt und Imperfekt
  • 2.4.5. Syntaktischer Aspekt
  • 3. Aspektualität im Tschechischen
  • 3.1. Der tschechische Aspekt
  • 3.1.1. Aspektpaare mit Suffigierung
  • 3.1.2. Aspektpaare mit Präfigierung
  • 3.1.3. Verben mit beiden Aspekten
  • 3.2. Die tschechischen Aktionsarten
  • 3.3. Erfolgsrelationen im Tschechischen
  • 4. Sprachen im Vergleich
  • 4.1. Relevanz von Verbalkategorien
  • 4.2. Die Tempussysteme
  • 4.2.1. Vergangenheit und Partizipien
  • 4.2.2. Gegenwart und Zukunft
  • 5. Gibt es Aspekt im Deutschen?
  • 5.1. Deutsche Verben – Zusammenfassung
  • 5.2. Andere Ausdrucksmittel der Aspektualität im Deutschen
  • 5.3. Gibt es ‚Erfolg‘ im Deutschen?
  • 5.3.1. Parallele Verbpaare
  • 5.3.2. Andere Paare
  • 5.3.3. sich bemühen + Infinitiv
  • 5.3.4. gelingen + Infinitiv
  • 5.3.5. sich bemühen und gelingen ohne Infinitiv
  • 5.3.6. Adverbiale
  • 5.3.7. Funktionsverbgefüge
  • 5.3.8. wollen + Infinitiv
  • 5.3.9. Syntaktische Umschreibungen, die rheinische Verlaufsform
  • 5.3.10. Ingressivität
  • 5.3.11. Sekundäre Effekte
  • 5.3.12. Andere kontextuelle Mittel
  • 6. Identifizierung der Paare
  • 6.1. Zielgerichtete Aktivitätsverben
  • 6.2. Erfolgsrelationen
  • 6.3. Liste der Paare
  • 7. Wörterbücher Tschechisch-Deutsch
  • 7.1. Hypothesen der Wörterbücheranalyse
  • 7.2. Fehlende Einträge
  • 7.3. Identische Übersetzungsäquivalente
  • 7.4. Ausdrucksmittel der Zielrichtung und des Erfolgs
  • 7.5. Tempuswahl in Beispielsätzen
  • 7.6. Die tschechische Erfolgsaktionsart do- se
  • 8. Übersetzung
  • 8.1. Übersetzung von Paaren
  • 8.2. Übersetzung der Erfolgsaktionsart do- se
  • 8.3. Musterübersetzungen der Kookkurrenz-Beispiele
  • (A) Parallele Paare
  • (B) Andere Verben oder FVG – gleiche Relation
  • (C) Umschreibung mit sich bemühen/(ver)suchen bzw. gelingen/schaffen
  • (D) Adverbialien
  • (E) Implizierte Effekte
  • Zusammenfassung und Ausblick
  • Bibliographie
  • L1 Literatur und Internetquellen
  • L2 Korpora
  • L3 Analysierte Wörterbücher
  • Anhang
  • A1 Quellen der Beispiele
  • A2 Fragebogen zur Bestimmung der Erfolgsverben
  • A3 Tabellen und Abbildungen
  • A4 Sachregister
  • A5 Namenregister
  • Annotation (English)
  • Anotace (česky)
  • Reihenübersicht

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Danksagung

An dieser Stelle möchte ich meinen besonderen Dank einigen Personen entgegenbringen, ohne deren Unterstützung die Anfertigung meiner Dissertation, die die Grundlage für dieses Buch darstellt, niemals zustande gekommen wäre.

Mein Dank gilt vor allem meinem Doktorvater doc. Dr. phil. PhDr. Karsten Rinas, der mir stets sowohl konstruktive Anregungen als auch zahlreiche wissenschaftliche und methodische Hinweise gegeben hat.

Für vielfältige Unterstützung bin ich meinen Kolleginnen Katja Kernjak, Claudia Merz, Ulrike Strigl und meinem Kollegen Jonas Podlecki verbunden, mit denen ich zahlreiche und unermüdliche fachliche Gespräche geführt habe und die mir Ratschläge und Anmerkungen gegeben haben, die mich auf dem Weg zur fertigen Studie immer wieder neue Gesichtspunkten entdecken ließen.

Ein herzlicher Dank gilt Jana Ticháková, die mich auf meinem Weg durch das Doktorstudium begleitet hat. Ihr sei diese Dissertation gewidmet.

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Einleitung

Die tschechische Sprache ist sehr reich, was unterschiedlichste Präfigierungen anbelangt: Man kann eine Sache/Tätigkeit dělat [machen (impf.)], udělat [machen (pf.)], aber auch rozdělat [anfangen zu machen und nicht zu Ende führen] oder dodělat [zu Ende bringen]. Dazu kommen dann verschiedene Präfixe lokaler oder qualitativer Bedeutungen wie přidělat, zadělat, nadělat, vydělat, prodělat, oddělat, předělat u. a. Das Deutsche verfügt nicht über alle äquivalenten Möglichkeiten. Die konkreten Bedeutungsnuancen, die die tschechischen Präfixe auszudrücken vermögen, drückt die deutsche Sprache anders aus – oder auch gar nicht, was die Gruppe tschechischer reflexiver Verben mit dem Präfix do- zeigt, z. B. dočkat se, dovolat se, doloudit se, doklepat se. Diese Verben drücken die letzte Phase eines Prozesses aus, der damit erfolgreich abgeschlossen ist. Im Unterschied zum erwähnten Verb dodělat, das lediglich die letzte Phase von dělat repräsentiert1, sind die erwähnten Handlungen immer ‚erfolgreich‘.

Die Aufgabe dieser Studie besteht darin, die Existenz verschiedener Ausdrucksmöglichkeiten des Erfolgs und der Erfolgsrelationen in den aspektualen Systemen der tschechischen und der deutschen Sprache zu zeigen und diese Mittel anhand kontrastiver Analysen von tschechischen und deutschen Verben und Verbpaaren auf eine möglichst detaillierte Art und Weise so zu beschreiben, damit die Sprachbenutzer und -benutzerinnen vor allem bei der Übersetzung dieser semantischen Nuancen im Tschechischen die jeweilige Nuance identifizieren und äquivalent im Deutschen darstellen können.

Erfolg wird auf Duden online als ein „positives Ergebnis einer Bemühung“; als „Eintreten einer beabsichtigten, erstrebten Wirkung“ definiert2. Der Begriff bezeichnet also einen Zeitpunkt, dabei wird aber zugleich eine Bemühung um das Erreichen des erwünschten Ergebnisses präsupponiert. Man kann auch behaupten, dass es sich um eine irgendwie positiv markierte letzte Phase des Prozesses handelt, der die Bemühung ausdrückt. Es lassen sich verschiedene semantische Gegenfragen stellen, wie etwa: Kann Erfolg ohne Bemühung eintreten? Wäre etwa ein Gewinn in der Lotterie ein Erfolg, wenn der Gewinner den Tippschein erst nach dem Gewinn geschenkt bekäme? Wird ein Verb wie ←15 | 16→finden oder gewinnen immer von einem Suchen bzw. Spielen antizipiert, was in E-2 im Unterschied zu E-1 als unwahrscheinlich scheint?

(E-1) Nachdem die Kinder die Kiste endlich gefunden hatten, waren selbstverständlich alle gespannt, was darin verborgen sei.3

(E-2) Letzte Woche ein vierblättriges Kleeblatt gefunden. Wow.4

Wenn die Situation so skizziert wird, dass die erzählende Entität keine Kleeblätter gesucht, aber doch gefunden hat, wird die Präsupposition einer vorangehenden Suchen-Situation und daher auch die semantische Erfolgsrelation des Verbs finden nicht aktiviert, es geht um keinen prototypischen Gebrauch des Erfolgsverbs.

Von den Präsuppositionen bei tschechischen Verben haben letztlich z. B. Dočekal/Kučerová (2009) referiert. Sie haben z. B. bei den egressiven Aktionsarten die Präsupposition des Anfangspunktes betrachtet: Dopsal Jan knihu? [Hat Jan das Buch zu Ende geschrieben?] präsupponiert ‚Jan hat angefangen, das Buch zu schreiben‘. Dagegen Psal Jan knihu? [Hat Jan das Buch geschrieben (impf.)?] präsupponiert die Situation ‚Jan hat angefangen, das Buch zu schreiben‘ nicht (Dočekal/Kučerová 2009: 21). Analog geht man in dieser Studie von der Annahme aus, dass die Erfolgsverben die vorangehende Aktivität präsupponieren.

Andere Fragen betreffen meistens die Termini und ihre Definitionen: Was ist eine Phase? Was ist ein Prozess? Wenn man sich mit dem Erfolg als semantisches Phänomen eines Verbs, eines Prädikats bzw. einer Situation beschäftigen will, gerät man in die Aspektualitätsforschung, weil der Aspekt und die Aspektualität zu den Kategorien zählen, die die innere Zeitstruktur einer Verbbedeutung bzw. einer Situation ausdrücken können. Die Aspektologen des 20. und 21. Jahrhunderts arbeiten mit Erfolgsverben in ihren systematischen Beschreibungen der Einzelsprachen (wie Vendler 1957, Schopf 1984, Tschirner 1991, Filip 1999 u. a.) oder bei den Versuchen einer nicht-sprachspezifischen ←16 | 17→Beschreibung des Systems interner Zeitstrukturierung der Verben oder Prädikate (wie Comrie 1976). Die größten Schwierigkeiten aller Beschreibungen stellen die folgenden drei Punkte dar:

(A)die reiche und uneinheitliche Terminologie;

(B)verschiedene Sprachen und damit verschiedene Systeme, vor allem die Tatsache, dass die Mehrheit der Quellen zur Aspektualität auf Englisch verfasst wurde und primär mit englischsprachigen Beispielen arbeitet. Die englische Sprache verfügt jedoch über ein anderes aspektuales System als die slavischen Sprachen, aber auch als die deutsche Sprache, die mit der Abwesenheit progressiver Formen der Tempora als noch ‚aspektualitätsärmer‘ bezeichnet werden könnte (vgl. Kap. 5);

(C)unterschiedliche aspektuale Ausprägungen, die morphologischer, (morpho-) syntaktischer und/oder semantischer Natur sein können.

Der Aspektualitätsbereich ist also in der Linguistik eine stürmische See. Es ist keine leichte Aufgabe, eine kompakte Terminologie zu verwenden, denn die meisten Termini werden in der Aspektualitätsforschung besetzt, und zwar in der Regel nicht einheitlich – mit verschiedenen Bedeutungen bei verschiedenen Autoren. Jedem Leser der vorliegenden Studie wird bestimmt ein Titel in der Bibliographie fehlen, dennoch werde ich mich bemühen, die wichtigsten Thesen, die für die definierten Schwerpunkte der Studie relevant sein können, zu reflektieren.

Die Ausgangssprache der vorliegenden Studie ist Tschechisch, die Zielsprache Deutsch. Weil die Aspektkategorie sowie die Erfolgsrelation im Tschechischen auf der Ebene des Verbs reicher sind, vor allem aufgrund der äußerst reichen Präfigierung, wird die Richtung der komparativen Analysen Tschechisch→Deutsch sein. Der Vergleich eines slavischen und eines germanischen Sprachsystems zeigt bei der Analyse des Erfolgs viele interessante Unterschiede, z. B.:

(E-3) In Wirklichkeit […] hat er eine Dissertation über Dramaturgie verteidigt.

(E-4) Tady v létě 1911 obhájil disertační práci. [Hier hat er im Sommer 1911 die Dissertationsarbeit verteidigt (pf.).]

(E-5) Už dříve se doslechl, že doktorský titul získala na americké univerzitě […], ale magisterskou práci obhajovala v Trondheimu. [Schon früher hat er gehört, dass sie den Doktortitel an einer amerikanischen Universität erhielt, aber die Masterarbeit in Trondheim verteidigt hatte (impf.).]

Der deutsche Satz E-3 hat eine komplexive Interpretation: die Bedeutung des Verbs verteidigen enthält den ganzen Prozess vom Anfang des Verteidigens bis zu seinem Ende. Zugleich ist die Interpretation ‚erfolgreich‘ – es ist nicht nur ←17 | 18→ein bloßes Resultat einer Handlung, sondern das Resultat wurde angestrebt, das Agens muss es gewollt haben. Der tschechische Satz kann hingegen mit dem morphologisch markierten Aspekt spielen und damit verschiedene Lesarten erschaffen. In E-5 ist der erfolgreiche Abschluss der Masterarbeit nur mithilfe von kontextuellen Mitteln impliziert, nicht aber mit dem Verb selbst präsupponiert, das Verb bleibt durativ. Um eine durative Situation im Deutschen zu beschreiben, bräuchte man andere Mittel, wie in E-3a oder E-3b.

(E-3a) In Wirklichkeit war er gerade dabei, seine Dissertation über Dramaturgie zu verteidigen.

(E-3b) In Wirklichkeit hat er sich bemüht, seine Dissertation über Dramaturgie zu verteidigen.

Es ist natürlich nicht das Ziel der vorliegenden Studie, aspektuale Systeme aller Sprachen der Welt vorzustellen und zu vergleichen. Eine Übersicht der aspektualen Systeme einiger Sprachen (Englisch, Russisch, Bulgarisch, Altkirchenslavisch, Französisch, Spanisch, Altgriechisch, Neugriechisch und Chinesisch) liefert Comrie (1976: 123–128). Den Nachdruck legt er vor allem auf die Kategorie der Progressivität, die beispielsweise im Englischen durch die progressiven Formen des Typs I was singing (when he suddenly came) die markierte Durativität zum Ausdruck bringen (vgl. Comrie 1976: 25).

Einer der vielen Vergleiche des Deutschen (und Russischen) mit romanischen Sprachen, konkret dem Französischen und dem Italienischen, ist bei Sacker (1988) zu finden. In den romanischen Sprachen spielt die Aspektualität nämlich eine wichtige Rolle bei der Wahl des Vergangenheitstempus (Imperfekt vs. Perfekt): „Es handelt sich also im Französischen um ein System, in dem die Kombination von Aspekt und Aktionsart die Tempuswahl bestimmt.“ (Stobitzer 1968: 239) Zu den aktuellen Studien zur Aspektualität in den romanischen Sprachen gehören z. B. Dessì Schmid (2014), Böhm/Hennemann (2014) oder Haßler (2016). Für die vorliegende Studie sind die Thesen über die Situation in den romanischen Sprachen nur beschränkt relevant. Coseriu suchte z. B. im Spanischen und Portugiesischen einen Unterschied zwischen ‚resultativ-effektiv‘ (in der Fügung estar + Part.) und ‚resultativ-produktiv‘ (Fügung tener/ter + Part.) (1976: 98), der dem i. W. untersuchten Paar Erfolg/zielgerichtete Aktivität ähnelt. Auf der anderen Seite stehen aspektuale Phänomene etlicher anderer Sprachen im Hinblick auf die hier gewählte Fokussierung auf das Erfolgsphänomen eher am Rande des Interesses.

Weil die Aspektualität in jeder Sprache unterschiedlich formal ausgedrückt wird, wobei verschiedene sprachspezifische Probleme zum Vorschein kommen, konzentriert sich die vorliegende Studie nur auf das Tschechische und das ←18 | 19→Deutsche. Die aspektualen Systeme der west- und ostslavischen Sprachen5 sind im Prinzip ähnlich, bei vielen kleinen Nuancen können sie sich aber wesentlich unterscheiden, deswegen muss auch jede These der Forschung zur Aspektualität im Russischen einer Kontrolle unterliegen.

An dieser Stelle scheint mir noch wichtig darauf hinzuweisen, dass eine unterschiedliche Situation in anderen Varietäten der tschechischen sowie der deutschen Sprache erscheinen kann. Beispielsweise führt Bauer (1999) oder Sonnenhauser (2009) die bairischen Präfixe da- oder der- in dawarten/derwarten an, die nicht in der deutschen Hochsprache zu finden sind. Diese Präfixe sind wahrscheinlich fähig, die Erfolgsrelation auszudrücken – es bedürfte allerdings einer näheren Analyse, da auch Beispiele gefunden werden können, wo das Präfix eher egressiv oder resultativ zu deuten ist wie in derlesen (vgl. Sonnenhauser 2009: 88). Ähnlich wird die deutsche Fügung am + verbales Substantiv + sein als regional betrachtet (vgl. Kap. 5.3.9).

Die unter Kap. 7. und 8. durchzuführenden Analysen werden nur mit standardsprachlichen Diskursen arbeiten, mit der Ausnahme von belletristischen Übersetzungen, wo selbstverständlich auch nicht-standardsprachliche Varianten auftauchen können. Es wird trotzdem erwartet, dass bei den Übersetzungen von tschechischen kodifizierten Verben deutsche standardsprachliche Entsprechungen gewählt werden. Die aspektualen Verhältnisse in den nicht-standardsprachlichen Varietäten werden in der vorliegenden Studie nicht berücksichtigt.

Wie bereits erwähnt, gibt es im Tschechischen eine Gruppe reflexiver perfektiver Verben, die systematisch mit dem Präfix do- gebildet werden und den erfolgreichen Abschluss der Basisverb-Situation ausdrücken, z. B. dočkat se oder dovolat se. Für die Beschreibung solcher Phänomene der Wortbildung müssen auch verschiedene Aktionsarten-Konzepte näher erforscht werden. Ich führe keine deutschen formalen Äquivalente an, denn das Deutsche verfügt über solche Verben nicht und eine Situation wie E-6 kann nicht wortwörtlich übersetzt werden:

(E-6) Na rozdíl od Smrkovského trpělivě čekal. A dočkal se. [Im Unterschied zu Smrkovský hat er geduldig gewartet. Und erfolgreich.]

Diese Verben sind die erste Anregung gewesen, meine Dissertation zur Aspektualität im Deutschen und Tschechischen zu verfassen. Bei der Übersetzung ←19 | 20→des Verbs dočkat se werden oft weder passendere Entsprechungen wie etwa gelingen oder erleben erfasst, noch werden lexikalische Mittel benutzt wie in meiner Übersetzung von E-6. Als Beispiel führe ich den folgenden Passus aus Čapeks Zahradníkův rok an:

Biographische Angaben

Viktor Tichák (Autor:in)

Viktor Tichák studierte Tschechische und Deutsche Philologie an der Palacký-Universität Olmütz, Tschechien, an der er auch promoviert hat. Er ist dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig und zugleich Assistent für deutsche Linguistik an der Karls-Universität Prag.

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