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Aufgaben und Struktur der Bezirkstage und Räte der Bezirke in der DDR 1952-1990/91 am Beispiel des Bezirkes Cottbus

Eine verwaltungsgeschichtliche Studie

von Klaus Neitmann (Autor:in) Eva Rickmers (Autor:in)
Monographie 296 Seiten
Open Access

Zusammenfassung

Die Publikation beschreibt die verwaltungsgeschichtliche Entwicklung der Bezirkstage und Räte der Bezirke der DDR zwischen 1952 und 1990/91 am Beispiel des Bezirkes Cottbus. Sie geht detailliert auf die einzelnen Strukturteile und deren Aufgaben und Zuständigkeiten ein, gibt dadurch einen umfassenden Überblick über die von der wichtigsten Verwaltungsbehörde der DDR auf der regionalen Ebene bearbeiteten Sachgebiete und belegt die Ausführungen durch ausführliche Quellenangaben. Im Anhang werden die leitenden Mitarbeiter in Kurzbiographien vorgestellt. Begriffserklärungen DDR-typischer Termini und ein Sach- und Personenregister sowie ein Abkürzungsverzeichnis erleichtern dem Leser die Benutzung.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Vorwort
  • Einleitung
  • 1. Bezirkstag und Rat des Bezirkes/Bezirksverwaltungsbehörde
  • 1.1 Bezirkstag
  • 1.1.1 Aufgaben und Entwicklung des Bezirkstages Leitungspyramide des Bezirkstages
  • 1.1.2 Erarbeitung und Behandlung von Beschlüssen des Bezirkstages
  • 1.2. Rat des Bezirkes
  • 1.2.1 Aufgaben und Entwicklung des Rates des Bezirkes Leitungspyramide des Rates des Bezirkes
  • 1.2.2 Aufgaben und Entwicklung einzelner Strukturteile
  • 1.2.2.1 Vorsitzender
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.2.2 Stellvertreter des Vorsitzenden
  • Erster Stellvertreter
  • Bereich Sorbenfragen
  • Org(anisations)-Instrukteur-Abteilung
  • Abteilung Kader
  • Weitere Stellvertreter
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.2.3 Sekretär des Rates
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.2.4 Wirtschaft
  • Industrie/Handwerk/Örtliche Wirtschaft
  • Kommunale Wirtschaft
  • Örtliche Versorgungswirtschaft (ÖVW)
  • Bergbau/Kohle und Energie
  • Materialversorgung/Materialtechnische Versorgung
  • Lebensmittelindustrie
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.2.5 Bezirksplankommission
  • Bezirksstelle für Geologie/Abteilung Geologie
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.2.6 Arbeit und Berufsausbildung/-beratung bzw. Arbeit und Löhne
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.2.7 Energie, Verkehr und Nachrichtenwesen
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.2.8 Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft
  • (Allgemeine) Landwirtschaft
  • Forstwirtschaft
  • Bodenrecht und Bodenordnung
  • Jagdwesen
  • Meliorationen/Landeskultur/Naturschutz
  • Erfassung und Aufkauf/Nahrungsgüterwirtschaft
  • Binnenfischerei
  • Volkseigene Güter (VEG)
  • Veterinärwesen
  • Ländliches Bauwesen
  • Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS)/Landtechnik
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.2.9 Wasserwirtschaft und Umweltschutz
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.2.10 Handel und Versorgung
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.2.11 Bauwesen, Wohnungspolitik/Wohnungswirtschaft
  • Bauwesen
  • Wohnungspolitik/Wohnungswirtschaft
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.2.12 Finanzen und Preise
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.2.13 Inneres
  • Stellvertreter des Vorsitzenden für Inneres
  • Sozialistische Wehrerziehung
  • Verschlusssachen
  • Liegenschaftsdienst
  • Kirchenfragen
  • Abteilung Innere Angelegenheiten
  • Personenstandswesen/Staatsbürgerschaftsfragen
  • Ordnung und Sicherheit, Genehmigungswesen
  • Druckgenehmigungen
  • Brandschutz
  • Archivwesen
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.2.14 Gesundheits- und Sozialwesen
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.2.15 Bildung, Jugendfragen, Kultur und Sport sowie Erholung
  • Abteilung Volksbildung
  • Bereich Jugendfragen, Körperkultur und Sport
  • Bereich Kultur
  • Bereich Erholungswesen
  • Chronologische Darstellung der Entwicklung des Bereiches
  • 1.2.3 Erarbeitung von Beschlüssen des Rates des Bezirkes
  • 1.3. Bezirksverwaltungsbehörde
  • 2. Anhang
  • 2.1. Leitende Mitarbeiter des Rates des Bezirkes/der BVB
  • 2.1.1 Vorsitzende des Rates des Bezirkes
  • 2.1.2 Stellvertreter der Vorsitzenden
  • 2.1.3 Bereich Sekretär
  • 2.1.4 Wirtschaft
  • 2.1.5 Planung
  • 2.1.6 Arbeit und Berufsausbildung/-beratung bzw. Arbeit und Löhne
  • 2.1.7 Energie, Verkehr und Nachrichtenwesen
  • 2.1.8 Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft
  • 2.1.9 Wasserwirtschaft und Umweltschutz
  • 2.1.10 Handel und Versorgung
  • 2.1.11 Bauwesen, Wohnungspolitik/Wohnungswirtschaft
  • 2.1.12 Finanzen und Preise
  • 2.1.13 Inneres
  • 2.1.14 Gesundheitswesen
  • 2.1.15 Bildung, Jugendfragen, Kultur und Sport, Erholung
  • 2.1.16 BPO und BGL
  • 2.1.17 Bezirksverwaltungsbehörde
  • 2.2. Begriffserklärungen
  • 2.3. Sach- und Personenregister
  • 2.4. Abkürzungsverzeichnis
  • 2.5. Literatur und Einzelquellen

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Vorwort

An das Findbuch zu ausgewählten Strukturteilen des Bezirkstages und des Rates des Bezirkes Cottbus, das vor wenigen Monaten als Band 21 der Schriftenreihe “Quellen, Findbücher und Inventare des Brandenburgischen Landeshauptarchivs” veröffentlicht wurde, schließt sich mit dem vorliegenden Band 22 eine verwaltungsgeschichtliche Untersuchung zum Bezirkstag und Rat des Bezirkes Cottbus an. Beide Werke sind Eva Rickmers zu verdanken, die als Referatsleiterin im Brandenburgischen Landeshauptarchiv über viele Jahre hinweg die Überlieferungen der drei brandenburgischen Räte, die der Räte der Bezirke Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus, verantwortlich betreut und dabei sich in ihren eigenen Erschließungsarbeiten auf den Cottbuser konzentriert hat. Mit ihren beiden Publikationen zieht sie wenn nicht die Gesamtsumme, so doch gewichtige Teilsummen aus ihrer nachhaltigen Beschäftigung mit dem Cottbuser Ratsbestand, indem sie einerseits die Verzeichnung einiger inhaltlich herausragender Aktengruppen allgemein zugänglich macht, andererseits die Entstehung der Überlieferung durch die institutionengeschichtliche Untersuchung der Staatsorgane Bezirkstag und Rat des Bezirkes Cottbus, vornehmlich durch die Untersuchung ihrer Zuständigkeiten und ihrer inneren Strukturen, aufhellt. Beide Arbeiten sind sachlich aufs engste miteinander verbunden, eigentlich untrennbar miteinander verknüpft, indem die Verwaltungsgeschichte durch die Beschreibung der verschiedenartigen Aufgabengebiete des Rates und dessen Organisationsstrukturen die allgemeine Herkunft der Gegenstände und Themen klärt, die im Findbuch im einzelnen in der Gestalt von Akteneinheiten mit ihren jeweiligen konkreten Inhalten in übersichtlich, sachlich begründeter Folge aneinandergereiht sind. Rickmers hat also für ihre Verwaltungsgeschichte einen spezifisch archivischen oder archivwissenschaftlichen Zugang gewählt, den es sich vor Augen zu halten gilt, wenn man in die Lektüre nicht mit falschen Erwartungen einsteigen will.

Aufgabe des Archivars ist es, seine Bestände auf der Grundlage des Provenienzoder Herkunftsprinzip zu formieren, also die Akten und sonstigen Gattungsformen, die jeweils aus einer einzigen Behörde oder Institution stammen, zu einem Bestand zusammenzufassen und so nach außen hin abzugrenzen, und außerdem den Bestand in sich, in seinem Inneren möglichst nach den Zuständigkeitsbereichen und den dazugehörigen Organisationseinheiten der Behörde oder Institution zu gliedern. Das Studium der jeweiligen Verwaltungsgeschichte ist daher für den Archivar unverzichtbar, wenn er den Benutzer darüber unterrichten will, wie die Einheiten eines Bestandes mit ihren Inhalten überhaupt zustande gekommen und von ihm im Findbuch geordnet worden sind. Insbesondere im Falle einer jahrzehntelang bestehenden Behörde liegt die Herausforderung ←9 | 10→der archivischen Ordnungsaufgabe darin, daß ihre Zuständigkeiten im Laufe ihrer Existenz immer wieder geändert, ergänzt oder verkürzt und deren einzelne Elemente dementsprechend in ihrem Organisations- und Geschäftsverteilungsplan ständig neu geschnitten und miteinander komponiert worden sind. Für eine eindringliche, tiefergreifende historische Analyse ist es aber notwendig zu wissen, wer genau, welche Institution, welche ihrer Struktureinheiten, welche der in ihnen tätigen Personen die interessierenden Vorgänge bearbeitet und vorangetrieben haben. Die verwaltungsgeschichtliche Darstellung soll es den Historikern ermöglichen, die Akteninhalte besser und angemessener zu verstehen, indem sie vor dem Hintergrund von behördlichen Zuständigkeiten, von zuständigen Stellen und zuständigen Personen gelesen werden.

Verwaltungsgeschichte lockt im allgemeinen nicht viele Interessenten an, ihr Studium gilt gemeinhin als “trocken”, und mancher wird sich nach Lektüre dieses Werkes in seiner Vorannahme bestätigt fühlen. Eine derartige, eher emotionale Reaktion täuscht freilich darüber hinweg, daß die hier gebotenen verwaltungsgeschichtlichen Erkenntnisse Verständnishilfen anbieten, auf die man für die Interpretation des Vorgefundenen Archivgutes nicht ohne Nachteil für die Deutung historischer Vorgänge verzichten sollte, ja nicht verzichten darf. Denn sie wollen den auswertenden Historiker dahin lenken, daß er auf die behördliche und innerbehördliche Arbeits- und Vorgehensweise und Entscheidungsfindung achtet. Die Rickmers’sche Publikation begreift sich unter dieser Voraussetzung in erster Linie als Nachschlagewerk, sie dient mit ihrem Aufbau und mit ihren einzelnen Elementen der raschen Orientierung des Benutzers. Ihm soll es durch die systematische Gliederung des Stoffes ebenso wie durch das Personen- und Sachregister ermöglicht oder erleichtert werden, rasch die wichtigen Informationen über Aufgabengebiete und Zuständigkeiten des Rates des Bezirkes, seiner einzelnen Strukturteile sowie seiner verantwortlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu erfassen, wenn er die für sein historisches Sachthema einschlägigen Akten aus dem Findbuch auswählt und unter inhaltlichen Gesichtspunkten studiert.

Die Rickmers’sche Darstellung orientiert sich nach einigen Hinweisen auf den Bezirkstag und auf die allgemeine Entwicklung des Rates des Bezirkes vornehmlich an den Aufgaben der einzelnen Strukturteile. Am Anfang stehen die Organe mit Leitungs- und Querschnittsaufgaben, der Vorsitzende des Rates, sein Erster Stellvertreter wie die weiteren Stellvertreter, der Sekretär. Es folgen die einzelnen Fachbereiche mit ihren Sachgebieten, unter denen die Wirtschaft in ihren verschiedenen Zweigen dominiert und unter denen der Bereich Inneres wegen seines politischen Gewichtes noch herausragt.

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Die Beschreibung der einzelnen Einheiten ist so aufgebaut, daß in chronologischer Reihenfolge die einzelnen ihnen übertragenen Aufgabenbereiche geschildert werden. Eine schematische Übersicht am Ende eines jeden Abschnitts faßt mit ein paar Stichworten die wesentlichen Ergebnisse zusammen. Wandel und Kontinuität werden dadurch insgesamt sichtbar gemacht. Denn wenn man sich durch mancherlei Verschiebungen im Detail nicht irre machen läßt, zeigt die Organisation des Rates zumindest seit den späten 1950er Jahren durchaus eine bemerkenswerte Beharrungskraft.

Neben der Systematik der Strukturteile ist für den Benutzer des Bestandes “Bezirkstag und Rat des Bezirkes Cottbus” die Zusammenstellung des Leitungspersonals von zentraler Bedeutung. Die Auflistung der Personen hilft zunächst, die in den Akten auftauchenden Namen richtig einzuordnen, die Stellung der genannten Personen zu ermitteln und durch die Erkenntnis der Beteiligten zur besseren Deutung der Sache zu kommen. Die führenden Mitarbeiter des Rates des Bezirkes werden aber nicht nur einfach aufgelistet, sondern auch mit Kurzbiographien vorgestellt. Lexikonartig werden die einzelnen Stationen ihres Lebens- und Berufsweges beschrieben, soweit sie sich aus den im Landeshauptarchiv vorhandenen Personalakten, anderen personenbezogenen Unterlagen und sonstigen biographischen Hilfsmitteln mit vertretbarem Aufwand ermitteln ließen. Die Lebensskizzen dienen zugleich einer sehr notwendigen Kollektivbiographie der politischen und Verwaltungselite der DDR, in ihrer eigenen Sprache ausgedrückt, ihrer “Nomenklaturkader”. Sie erhellen die Herkunft des Führungspersonals, seine Sozialisationswege, seine Karriereverläufe, sie zeigen damit insgesamt die Erfahrungswelten einer Schicht mit ihren charakteristischen Generationen, in deren Händen letztlich das Schicksal der DDR lag.

Der Blick in den Anmerkungsapparat belehrt über die Verwertung eines umfangreiches Quellenstoffes. Rickmers stützt sich einerseits auf die gedruckten Dokumente, auf die Gesetze und Verordnungen, die nach ihrem Erlaß sogleich in den einschlägigen Gesetzes- und sonstigen Mitteilungsblättern offiziell verkündet wurden. Andererseits zieht sie in großem Umfang die ungedruckten Akten des Bezirkstages und Rates des Bezirks Cottbus heran und offenbart erst dadurch in hinreichender Deutlichkeit dessen genauen Aufbau und Arbeitsweise. Wenn demnach von diesem Staatsorgan, wie gleich eingangs erwähnt, die hier vorgelegte Verwaltungsgeschichte ausgegangen ist und ihre Ergebnisse vornehmlich an Hand von dessen archivalischer Hinterlassenschaft gewonnen hat, so ist der Forschungsertrag doch bei weitem nicht auf den Bezirk Cottbus beschränkt. Da die DDR ein sehr stark zentralisierter Staat war und ihre Verwaltungseinteilung in Bezirke 1952 ebenso wie die nachfolgenden Änderungen und Ergänzungen zentral verfügt wurden, sind die Cottbuser Verwaltungsverhältnisse nicht individuell durch die Eigentümlichkeiten der ←11 | 12→Region geprägt. Abgesehen von wenigen Besonderheiten, die dem Vorhandensein einer slawischen Minderheit, der Sorben, oder dem wirtschaftlichen Schwerpunkt, der Braunkohle, zu verdanken sind, gleicht die Cottbuser Ratsstruktur weitestgehend der der anderen Räte der Bezirke in der DDR, denn die maßgeblichen verwaltungsrechtlichen Vorgaben der Berliner Partei- und Staatszentrale waren einheitlich und betrafen alle Räte zwischen Ostsee und Erzgebirge. Insofern steht der Bezirk Cottbus hier auch als ein Beispiel für den DDR-Verwaltungstypus Rat des Bezirkes, und infolgedessen können die hier vorgetragenen Ergebnisse in erheblichen Teilen auch auf andere Regionen übertragen und herangezogen werden, wenn in anderen Staatsarchiven der neuen Ländern Ratsüberlieferungen archivisch erschlossen und historisch ausgewertet werden. Aus diesem Grunde ist der Titel des Werkes bewußt allgemein formuliert worden.

In dieser Publikation stehen die archivwissenschaftlichen Gesichtspunkte zur Bestandsbildung und Bestandsordnung und zur verständnisfördemden Erleichterung der Quellenbenutzung im Vordergrund. Unter politikgeschichtlichen Erkenntnisinteressen werden andere Fragen gestellt werden, werden das politische Gewicht des Rates innerhalb der politischen Machtverteilung der DDR, seine Handlungsspielräume und -grenzen im Spiel und Widerspiel von Konzentration und Dekonzentration innerhalb einer zentralistischen Staatsstruktur erörtert werden. Wer an solchen Themen näher interessiert ist, greife zu dem großen Werk von Detlef Kotsch “Das Land Brandenburg zwischen Auflösung und Wiedeibegründung. Politik, Wirtschaft und soziale Verhältnisse in den Bezirken Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus in der DDR (1952 bis 1990)” (Bibliothek der Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, Bd. 8; zugl. Brandenburgische Geschichte in Einzeldarstellungen, Bd. 8), Berlin 2001. Kotsch widmet ein eigenes, umfangreiches Kapitel dem örtlichen Staatsapparat in den brandenburgischen Bezirken (S. 85-139), in dem die Räte der Bezirke sehr stark berücksichtigt sind und zum ersten Mal in ihrem politischen Stellenwert analysiert werden. Rickmers’ Verwaltungsgeschichte steht eigenständig daneben, beide Ansätze ergänzen sich sinnvollerweise und tragen insgesamt dazu bei, die Verwaltungswirklichkeit der DDR in umfassender Perspektive zu schildern und begreifbar zu machen.

Potsdam, im Oktober 2006

Dr. Klaus Neitmann
Direktor des Brandenburgischen Landeshauptarchivs

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Einleitung

1952 wurden in der DDR die Länderstruktur beseitigt und Bezirke gebildet. Bedingt durch das zentral ausgerichtete Staatssystem verfügten alle Behörden gleichen Typs der Bezirksebene über in den Hauptlinien und über längere Zeiträume gleiche Aufgaben und über eine auch in Einzelheiten zentral vorgegebene gleiche Behördenstruktur. Größere Strukturänderungen ergaben sich auf der Grundlage einschneidender Gesetze, die sich mit allgemeinen Fragen des Staatsapparates sowie mit bestimmten Bereichen befassten. Die einzelnen Staatsorgane präzisierten diese Vorgaben, sofern ihnen ein Spielraum belassen wurde. Relativ geringe Abweichungen im Behördenaufbau ergaben sich durch regionale Besonderheiten der Bezirke sowie durch zeitliche Unterschiede in der Durchführung einzelner Maßnahmen. Im allgemeinen folgte auf einen zentralen staatlichen Beschluss - häufig basierend auf einem Beschluss des ZK der SED - oder auf ein Gesetz ein entsprechender Beschluss des Bezirkstages oder des Rates des Bezirkes.

Vorliegende Ausarbeitung soll die verwaltungsgeschichtliche Entwicklung der Bezirkstage und Räte der Bezirke von 1952 bis 1991 am Beispiel des Bezirkes Cottbus darstellen. Da die Behörden der DDR auf Grund des oben erwähnten Zentralismus über einen in etwa einheitlichen Aufbau verfügten, kann diese Ausarbeitung auch Hinweise auf Struktur und Arbeitsweise weiterer Bezirkstage und Räte der Bezirke sowie der ihnen unterstellten Ebene (Kreistage und Räte der Kreise) geben.

Die Ausarbeitung ist als Nachschlagewerk für Archivare und interessierte Historiker gedacht. Diese sollen auf diese Weise sowohl auf bestimmte Aspekte der DDR-Geschichte, auf DDR-Normative und vor allem auf die entsprechenden Archivbestände/Bestandsteile, in denen Unterlagen zu einer von ihnen zu untersuchenden Thematik zu vermuten sind, hingewiesen werden. Auf die allgemeine historische Entwicklung des Bezirkes bzw. der DDR mit ihren Problemen und Hintergründen wird nicht eingegangen, wie auch auf Einschätzungen und Weitungen verzichtet wird; hierbei ist vorliegende Literatur zu nutzen1.

Die Entwicklung der einzelnen Strukturteile wurde im Sinne einer Übersichtlichkeit in chronologischer Folge dargestellt. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurden nach einem allgemeinen Überblick zu einem Strukturteil für besonders umfangreiche Arbeitsgebiete spezielle Bereiche gesondert betrachtet. ←13 | 14→Jeder Bereich wurde abschließend darüber hinaus in einer entsprechenden chronologischen Tabelle zusanunengefasst.

Im Inhaltsverzeichnis wurden alle Strukturteile aufgeführt, denen im Text eine (Unter-)Gruppe gewidmet wurde. Auf Grund der häufigen Struktur- und Zuordnungsänderungen wurden Aufgabenbereiche an verschiedenen Stellen behandelt, sofern sie von einem Strukturteil in einen anderen wechselten. Dabei konnten Wiederholungen nicht immer vermieden werden.

Angaben zum Runden Tisch des Bezirkes Cottbus sowie zur Bezirksverwaltungsbehörde Cottbus sind der Ausarbeitung eingefügt.

Die Fußnoten beinhalten sowohl bewusst ausführlich gehaltene Quellenangaben als auch inhaltliche Anmerkungen und Verweise.

Als Quellen wurden v. a. die Gesetzblätter, das Mitteilungsblatt des Bezirkstages Cottbus, die Protokolle von Bezirkstags- und Ratssitzungen des Bezirkes Cottbus sowie einzelne Akten aus Beständen des BLHA ausgewertet2. Sofern Primärquellen nicht Vorlagen, wurde auf Sekundärquellen zurückgegriffen. Bei undatierten Dokumenten wurde die vermutete Jahresangabe in eckige Klammem gesetzt.

In vielen Fällen konnte nicht nachvollzogen werden, ob und wann gefasste Beschlüsse und als verbindlich ausgegebene Dokumente im Bezirk Cottbus durchgesetzt wurden und wie lange sie ihre Gültigkeit behielten. Auch konnte nicht immer ermittelt werden, wie lange einzelne Strukturteile oder nachge-ordnete Einrichtungen bestanden und wie ihre Entwicklung von 1952 bis 1990 im Detail verlief. Durch weitere Erkenntnisse, v. a. im Zuge der endgültigen Bearbeitung aller Teile des Bestandes Bezirkstag und Rat des Bezirkes Cottbus sowie durch erweitertes Studium der Bestände des Bundesarchivs, wird es möglich sein, bestehende lückenhafte Angaben oder auch fehlerhafte Einschätzungen dieser Ausarbeitung zu ergänzen bzw. zu korrigieren. Insofern ist die Arbeit als Zwischenergebnis der bisherigen Forschungen zu betrachten.

Wenn Beschlüsse sowohl des Rates als auch des Bezirkstages vorliegen, wurde auf die Zitierung des Ratsbeschlusses verzichtet. Beschlüsse des Bezirkstages sind häufig nicht in den Sitzungsunterlagen überliefert, finden sich aber im Mitteilungsblatt des Bezirkstages abgedruckt. Wenn Angaben im Sitzungsprotokoll und der Beschluss von unterschiedlicher Qualität waren, wurde in Einzelfällen beides aufgenommen.

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Im Anhang wurden leitende Mitarbeiter ausgewählter Strukturteilen in chronologischer Reihenfolge ausgewiesen. Die zu der Mehrzahl der Personen ermittelten biographischen Daten sind insofern von Interesse, als sie den typischen Werdegang von Funktionären des Staatsapparates in der DDR dokumentieren. Stellen, die zeitweilig nicht besetzt waren bzw. deren Inhaber oder ihre genaue Amtszeit nicht ermittelt werden konnten, wurden entsprechend gekennzeichnet („…“) Zeitweilig amtierende Leiter wurden in den Personalangaben als Leiter nicht erfasst. Es ist nicht auszuschließen, dass wechselnde Funktionen der Mitarbeiter infolge der häufigen Umstrukturierungen nicht korrekt nachvollzogen wurden und kommissarisch besetzte Stellen nicht immer als solche erkannt wurden. Scheinbare Ungenauigkeiten in der Datierung beruhen darauf, dass Berufungen und Abberufungen zunächst vom Rat des Bezirkes ausgesprochen wurden und auf der nächsten Bezirkstagssitzung, die in zeitlichem Abstand zur Ratssitzung stattfand, bestätigt wurden.

In den Begriffserklärungen wurden DDR-typische Termini erläutert, die für das Verständnis dieser Ausarbeitung sowie der Akten der Räte der Bezirke notwendig sind.

Das Sach- und Personenregister weist auf einzelne Strukturteile, Aufgabenbereiche und Begriffe, die nicht dem Inhaltsverzeichnis sowie den zusammenfassenden chronologischen (schematischen) Darstellungen zu den einzelnen Strukturteilen zu entnehmen sind, hin. Darüber hinaus enthält es die Namen der im Anhang aufgeführten leitenden Mitarbeiter.

Im Abkürzungsverzeichnis sind gängige Abkürzungen aus den Akten der einzelnen Strukturteile enthalten.

Biographische Angaben

Klaus Neitmann (Autor:in) Eva Rickmers (Autor:in)

Die Autorin: Eva Rickmers, geboren 1944, studierte an der Fachschule für Archivwesen in Potsdam sowie Geschichte und Archivwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie war danach zunächst fünf Jahre im Staatsarchiv Magdeburg tätig und arbeitet seit 1970 – unterbrochen von einer 8-jährigen Tätigkeit im Archivdepot Barby – im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam.

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Titel: Aufgaben und Struktur der Bezirkstage und Räte der Bezirke in der DDR 1952-1990/91 am Beispiel des Bezirkes Cottbus