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Der Mensch und seine Narrative

Biblisches Reden von SEELE und neurowissenschaftliche Perspektiven

von Karl-Friedrich Haag (Autor:in)
©2022 Monographie 84 Seiten

Zusammenfassung

Sowohl in der biblischen Tradition als auch im Bereich der Neurowissenschaften steht die 'Leiblichkeit' des Menschen im Zentrum der Wahrnehmung. Dies darf als gemeinsamer Ausgangspunkt für ein konstruktives Gespräch zwischen biblischer Theologie und gegenwärtiger Neurowissenschaft festgehalten werden. Der Blick richtet sich auch auf die Dimension der 'Geschichtlichkeit', die für das alttestamentliche Verständnis des Menschen von fundamentaler Bedeutung ist, aber auch den neurowissenschaftlichen Blick auf den Menschen sehr stark prägt. Die 'Identität' eines Menschen begegnet uns als eine 'narrative Konstruktion'. Die 'Seele' wird dazu aufgefordert, nicht zu vergessen, was ihr an Gutem widerfahren ist. Dabei begegnet uns die biblische Tradition als große Hoffnungsgeschichte.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorklärungen
  • I Der Mensch als verkörperte Näphäsch-Seele
  • A Das Reden von der Näphäsch-Seele in der hebräischen Bibel
  • B ‚Subjektivität‘ in der Perspektive der Neurowissenschaft
  • C Die Rede vom „transzendenten Trieb“
  • II Wir in einer Geschichte – immer auf dem Weg!
  • A Neurowissenschaftliche Einsichten zur geschichtlichen Dimension biographischer Prozesse
  • B Die biblische Spur von Geschichte
  • C Ein Quantenphysiker und Theologe bezieht Stellung zur Frage nach dem Wirken Gottes in der Geschichte
  • III Die biblische Tradition als „große Erzählung“?
  • IV Im „Weitwinkel der Christuszeit“
  • V Soziale Konstruktion von Wirklichkeit
  • VI Die betende und hoffende Seele
  • VII Aspekte des Phänomens „narrative Identität“
  • (1) Individuelle Identität/‚Persönlichkeit‘
  • (2) Kollektive Identität: Christliche „Erzählgemeinschaft“
  • VIII Soziale Konstruktion von Subjektivität
  • IX Unter der Perspektive „auf dem Weg“
  • X Wir verbleiben weiterhin auf dem Weg…

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Vorklärungen

Der „Einstieg“ soll möglichst rasch „zur Sache“ führen; deshalb setzen wir auch recht unvermittelt mit unserer gleich an den Anfang gestellten Basis-Aussage ein:

Wir verstehen Seele als Schöpfer-Geschöpf-Dauer-Resonanz.

Dazu bedarf es allerdings sofort einer Anmerkung: Der Resonanz-Begriff ist zwar kein präziser, exakt „um- und eingrenzender Begriff”, aber er hat Konjunktur.

Er wird z. B. auch außerhalb des Kreises um H. Rosa prominent verwendet, etwa im Buchtitel von H.J. Scheurle: „Das Gehirn ist nicht einsam. Resonanzen zwischen Gehirn, Leib und Umwelt.“ Angemerkt sei auch hier schon, dass J. Bauer in seinem Buch „Das empathische Gen“ dem Reden von Resonanzen ein bedeutungsvolles, Biologie und Kultur verbindendes Kapitel gewidmet hat: „Die emotionale Komponente der Empathie: Neuronale Resonanz“1.

Wenn in unserem Essay der fragliche Begriff sogar in unsere Basis-Aussage übernommen wird, gehen wir davon aus, dass er seine Konturen ganz aktuell durch seinen Gebrauch im neurowissenschaftlichen Sprachraum und seinen gleichzeitigen Gebrauch im Sprachraum biblischen Redens von Schöpfer und Geschöpf erhält. Die im christlichen Sprachraum verwendete Begrifflichkeit Schöpfer-Geschöpf-Dauer-Resonanz versteht Resonanz im Sinne eines Aspektes „kontinuierlichen Schöpfungswirkens“ („creatio continua“). Das Geschöpf kann sich immer an den kontinuierlich wirkenden „Schöpfer“ ←7 | 8→wenden und auf ein „antwortendes Reagieren“ des Schöpfers hoffen. Bei der Schöpfer-Geschöpf-Resonanz wird man immer auch den „Heiligen Geist“ („Creator Spiritus“) am Werk sehen.

Im Rahmen von ‚Vorklärungen‘ sei nun vorab noch auf einige „Weichen stellende“ Aspekte hingewiesen:

a) Unser Zugang zu uns und ‚unserer Welt‘ führt allemal über „unsere Sprache“. Im Hinblick auf unseren Sach-Zusammenhang sei insbesondere erwähnt:

Maßgebliche soziale Phänomene (dazu zählen auch elementare anthropologische Begriffe) entstehen faktisch im Vollzug von Kommunikation. Begriffe formen sich und gewinnen ihre Konturen und inhaltliche Füllung durch ihren Gebrauch. Vermutlich galt dies sowohl damals, als sich der hebräische Begriff „Näphäsch“ herausbildete, als auch dann, als es üblich wurde, den Übersetzungs-Begriff ‚Seele‘ zu verwenden.

Details

Seiten
84
Jahr
2022
ISBN (PDF)
9783631877159
ISBN (ePUB)
9783631877166
ISBN (MOBI)
9783631877173
ISBN (Paperback)
9783631877142
DOI
10.3726/b19656
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2022 (Mai)
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2022. 84 S.

Biographische Angaben

Karl-Friedrich Haag (Autor:in)

Karl-Friedrich Haag wurde 1942 in Dinkelsbühl geboren, er studierte evangelische Theologie in Erlangen, Mainz und Zürich. Nach der Aufnahmeprüfung bei der Evang.-Lutherischen Landeskirche in Bayern arbeitete er als hauptamtlicher Religionslehrer an einem Gymnasium in Erlangen. 1982 übernahm er die die Leitung der Gymnasialpädagog. Materialstelle (GPM, Erlangen) und erarbeitete in Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Theologischen Fakultät Erlangen Fortbildungsangebote für evangelische Religionslehrkräfte, z.B."Arbeitshilfen" für den gymnasialen Religionsunterricht. Die Fakultät würdigte diese Arbeit mit der Verleihung des Dr. h. c.

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