Geschichte und Entwicklung der deutschen Tennissprache
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Table Of Contents
- Abdeckung
- Titelblatt
- Copyright-Seite
- Inhaltsverzeichnis
- Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
- Vorwort
- 1. Einleitung
- 2. Die Definition der „Sportsprache“
- 2.1 Der Sport und seine Sprache
- 2.2 Die Kategorisierung der Sportsprache
- 2.3 Die Untergliederung der Sportsprache
- 2.4 Zur Komplexität des Begriffs „Sportsprache“
- 3. Forschungslage zum Thema Sportsprache
- 3.1 Anfänge der Sportsprache
- 3.1.1 Friedrich Ludwig Jahn und die Turnsprache
- 3.1.2 Konrad Koch und die Fußballsprache
- 3.2 Sportsprache in der Zeit des Sprachpurismus
- 3.2.1 Der Allgemeine Deutsche Sprachverein
- 3.2.2 Sportsprache in den 1930er Jahren
- 3.3 Die weitere Entwicklung und Typologie der Sportsprache nach dem Weltkrieg
- 3.4 Sportsprache der Gegenwart
- 3.4.1 Sprache der Ballspiele
- 3.4.2 Sprache des Turnens, des Pferdesports und der Leichtathletik
- 3.5 Zwischenfazit zu den sportsprachlichen Forschungen
- 4. Geschichte des Tennisspiels
- 5. Bisherige Forschungen zur Tennissprache
- 6. Untergliederung der heutigen Tennissprache
- 6.1 Tennisfachsprache
- 6.1.1 Internationale Spielregeln
- 6.1.2 Trainingsanleitungen
- 6.1.3 Organisationen
- 6.2 Tennisjargon
- 6.2.1 Tennisjargon zum allgemeinen Gebrauch
- 6.2.2 Trainer- und Spieler-Äußerungen
- 6.2.3 Fankommunikationen
- 6.3 Tennis-Reportsprache
- 6.3.1 Live-Ticker
- 6.3.2 Zeitungsberichte
- 6.4 Zwischenfazit zur Untergliederung der Tennissprache
- 7. Wortschöpfungen und -bildungen in der deutschen Tennissprache
- 7.1 Nach etymologischer Motivation
- 7.1.1 Ursprung des Wortes Tennis
- 7.1.2 Love
- 7.1.3 Advantage und Deuce
- 7.1.4 Set und Service
- 7.1.5 Racket
- 7.1.6 Zählweise
- 7.2 Nach morphologischer Motivation
- 7.2.1 Entlehnung aus Fremdwörtern
- 7.2.1.1 Direkte Übernahme
- 7.2.1.2 Mischkomposition
- 7.2.1.3 Lehnbedeutung
- 7.2.1.4 Lehnübersetzung
- 7.2.1.5 Lehnübertragung
- 7.2.1.6 Lehnwendung
- 7.2.2 Kürzungen
- 7.2.2.1 Buchstabenkurzwörter
- 7.2.2.2 Silben- und Morphemkurzwörter
- 7.3 Nach semantischer Motivation
- 7.3.1 Metonymie
- 7.3.2 Metapher
- 7.3.3 Simplifizierende Abstraktion
- 7.4 Zwischenfazit zu tennissprachlichen Wortschöpfungen und -bildungen
- 8. Tennissprache am Ende des 19. Jahrhunderts
- 8.1 Moderne englische Spiele
- 8.2 Robert von Fichard und die Deutschen Lawn-Tennis-Ausdrücke
- 8.3 Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins
- 8.4 Spiel und Sport
- 8.5 Zwischenfazit zur Tennissprache am Ende des 19. Jahrhunderts
- 9. Tennissprache von der Jahrhundertwende bis Anfang der 1920er Jahre
- 9.1 Der Allgemeine Deutsche Sprachverein
- 9.1.1 Der Name der Sportart
- 9.1.2 Verdeutschungstafeln
- 9.1.3 Leserbriefe
- 9.1.4 Bücherschau
- 9.1.5 Zeitungsschau
- 9.1.6 Verdeutschungsbuch: Sport und Spiel
- 9.2 Lawn-Tennis von R. v. Fichard
- 9.3 Hand- und Fachbücher
- 9.3.1 Lawn-Tennis
- 9.3.2 Handbuch der Ballspiele. Rückschlagspiele
- 9.3.3 Lawn-Tennis Training, Technik und Taktik
- 9.3.4 Lawn-Tennis. Anleitung und Beschreibung
- 9.3.5 Lawn-Tennis und andere Spiele
- 9.3.6 Lawn-Tennis
- 9.3.7 Wie spielt man regelrecht Tennis
- 9.4 Zwischenfazit zur Tennissprache von der Jahrhundertwende bis Anfang der 1920er Jahre
- 10. Tennissprache von den 1930ern bis Anfang der 1940er Jahre
- 10.1 Bezugsquellen der Tennissprache
- 10.1.1 Fachzeitschriften und -zeitungen
- 10.1.2 Handbücher
- 10.1.3 Regelbücher
- 10.1.4 Jahrbücher
- 10.1.5 Tennis-Essays
- 10.1.6 Sonderhefte
- 10.2 Untergliederung der Fachtermini
- 10.2.1 Termini mit Bezug auf die Schlagarbeit
- 10.2.2 Termini mit Bezug auf die Platzbeherrschung
- 10.2.3 Termini mit Bezug auf das Personal
- 10.2.4 Termini mit Bezug auf die Zu- bzw. Ausrüstung
- 10.2.5 Termini mit Bezug auf die Turniere
- 10.3 Merkmale der Tennissprache
- 10.3.1 Fremdwörter
- 10.3.2 Kompositionen
- 10.3.3 Tropen
- 10.3.4 Tennisjargonismen
- 10.4 Tennis unter dem NS-Regime
- 10.5 Zwischenfazit zur Tennissprache von den 1930ern bis Anfang 1940er Jahre
- 11. Tennissprache in den 1950er Jahren
- 11.1 Bezugsquellen der Tennissprache
- 11.2 Lehr- und Handbücher
- 11.2.1 Tennis für Alle
- 11.2.2 Technik und Taktik im Tennis
- 11.3 Fachzeitschriften und -zeitungen in der BRD
- 11.3.1 Krieg in den Tenniszeitschriften und -zeitungen
- 11.3.2 Morphologische Merkmale der Tennissprache
- 11.3.3 Semantische Merkmale der Tennissprache
- 11.3.4 Merkmale des Tennisjargons
- 11.4 Das Mitteilungsblatt Tennis in der DDR
- 11.4.1 Politische Funktionen
- 11.4.2 Lexikalische Merkmale
- 11.5 Zwischenfazit zur Tennissprache in den 1950er Jahren
- 12. Tennis(sprache) in der deutschsprachigen Literatur
- 12.1 Essays
- 12.1.1 Der Tennismeister
- 12.1.2 Randglossen zu Tennisplätzen
- 12.1.3 Als Papa Tennis lernte
- 12.1.4 Lob des Tennisspiels
- 12.1.5 Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
- 12.1.6 Mein Jahrhundert. 1985
- 12.1.7 Kopfjäger
- 12.2 Romane
- 12.2.1 Sport-Hansi. Ein Tennis-Roman für junge Mädchen
- 12.2.2 Fritz am Netz. Ein Tennis-Sportroman
- 12.2.3 Tennis. Kleine Philosophie der Passionen
- 12.2.4 Die Tennisspieler
- 12.3 (Auto-)Biografien
- 12.3.1 Open. Das Selbstporträt
- 12.3.2 Das Tennis-Genie. Die Roger-Federer-Story
- 12.4 Zwischenfazit zur Tennissprache in der Literatur
- 13. Schlussbemerkung
- Liste der wichtigsten Tennisbegriffe
- Literaturverzeichnis
- A. Fachliteratur und literarische Texte
- B. Ausgewertete Zeitungen und Zeitschriften
- C. Internetquellen
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abb. 1: Formen der Entlehnung nach Werner Betz (1974, 137)
Tabelle 1: Tennistermini von Racquet
Tabelle 2: Fichardsche Termini im Artikel Deutsche Lawn-Tennis-Ausdrücke
Tabelle 3: Fichardsche Termini im Verdeutschungsbuch Sport und Spiel
Tabelle 4: Fichardsche Termini im Handbuch Lawn-Tennis
Tabelle 5: Tennislexik von v. Meyern-Hohenberg
Tabelle 6: Liste der wichtigen Tennisbegriffe
Vorwort
Die vorliegende Arbeit ist während meiner Tätigkeit als Dozentin an der deutschen Fakultät des Shanghai Institute of Technology entstanden. Die Motivation zu der behandelten Thematik ergibt sich einerseits aus meinem persönlichen Interesse am Tennisspiel und andererseits aus meiner langjährigen Beschäftigung mit der deutschen und chinesischen Sportsprache. Im Zeitraum von 2014 bis 2023 arbeitete ich, gestützt auf gründliche Recherchen, intensiv an diesem Thema, von Anfang an mit dem Ziel, durch meine Erkenntnisse einen nützlichen Beitrag zur Untersuchung der Sportsprache zu leisten.
Die Erstellung der Arbeit war für mich eine große Herausforderung und ich möchte mich an dieser Stelle bei all jenen bedanken, die mich im besonderen Maße unterstützt haben. Mein aufrichtiger Dank gilt vor allem meinem Doktorvater, Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Armin Burkhardt, der mir stets mit seinen wertvollen Ratschlägen und konstruktiven Anregungen zur Seite gestanden hat. Schon während meines Magisterstudiums an der Tongji-Universität Shanghai hat er mir als Gastprofessor durch seine Bereitschaft zu fachlichen Diskussionen viele aufschlussreiche Hinweise gegeben. Seine Betreuung dieser Arbeit ist eine Fortsetzung der akademischen Unterstützung, die mir während der Promotionszeit sowie im weiteren Leben Rückhalt gegeben hat.
Des Weiteren bin ich Frau Prof. Dr. Angelika Bergien, der Zweitgutachterin, zu Dank verpflichtet, die mir mit überaus konstruktiven Anmerkungen und Hinweisen geholfen hat. Bedanken möchte ich mich weiterhin bei Herrn Prof. Dr. Philipp Pohlenz, Herrn Prof. Dr. Thorsten Unger und Frau Prof. Dr. Elke Knisel für ihr Mitwirken in der Promotionskommission. Durch die Diskussion während der mündlichen Verteidigung haben sie meine Arbeit aus unterschiedlichen Perspektiven befruchtet.
Meinen herzlichen Dank möchte ich Herrn Prof. Zhu Kaifu von der Hochschule Fresenius aussprechen. Er hat für meinen Aufenthalt in Deutschland eine Unterkunft bei der netten Vermieterin Frau Irmgard Feix arrangiert und mir durch nette Gespräche immer wieder Mut zugesprochen. Sehr dankbar bin ich ebenfalls meiner ehemaligen Schullehrerin Frau Lu Rong, die in Deutschland lebt und mir bei der Suche nach Nachschlagewerken viel geholfen hat. Außerdem danke ich Frau Wu Beili, die ebenfalls bei Prof. Burkhardt promoviert und mit mir viele Erfahrungen geteilt hat. Nicht zuletzt danke ich von ganzem Herzen meinen Eltern Zheng Yunxiang und Yan Yu, meinem Mann Zhu Lingning sowie unserem Sohn Zhu Yanwen für ihre fortwährende vorbehaltlose Unterstützung. Sie haben mit ihrer Liebe sehr wesentlich zum Gelingen meiner Arbeit beigetragen.
Einleitung
Sport ist offensichtlich eine der bedeutendsten Komponenten unserer heutigen Welt und gilt auch in Deutschland als dominierendes Phänomen der Alltagskultur. Nicht nur der Gigantismus der Hochleistungswettbewerbe ist ein Beweis dafür, sondern auch die Tatsache, dass der Breitensport einen immer größeren Raum in der Gesellschaft einnimmt. Es gibt auch andere Aspekte als Motive für die immer wichtigere Stellung des Sports. Politisch können sportliche Großereignisse zur Verstärkung der Völkerverständigung führen; wirtschaftlich ist der Sport ein Katalysator, der in jedem Sektor Aktivitäten, Arbeitsplätze und Wohlstand schafft.
Mit dem Sport hängt seine Sprache eng zusammen, da man im und über Sport sprechen will. Seit den 1970er Jahren wurde die Sportsprache vermehrt auch zum Gegenstand der Linguistik. Aus dem Forschungsüberblick (Kap. 2 und 3) geht allerdings hervor, dass dabei dank der Sonderstellung des Fußballs stets dessen Sprache im Mittelpunkt des Interesses steht. Zu einer weniger populären Sportart wie Tennis gibt es zwar vereinzelte wissenschaftliche Arbeiten über deren sprachliche Besonderheiten, z. B. Erwin Mehls Aufsatz zum Thema Kulturgeschichte der Tennisfachsprache von 1967, Gunnar Magnussons Untersuchung von 1975 zum Lehngut der Tennis-Terminologie, Petra Wenghoffers Dissertation 1998 zum kontrastiven Vergleich der Tennisfachsprache im Deutschen und Schwedischen sowie meinen 2009 erschienenen Aufsatz Entlehnungen in der deutschen Tennissprache, aber bis jetzt ließen sich in der Literatur kaum Veröffentlichungen finden, die der Forderung einer Behandlung auf der Basis umfangreich ausgewählter Wort- und Textbelege gerecht werden. Dies soll sich mit der vorliegenden Dissertation ändern.
Das Hauptziel der vorliegenden Dissertation besteht darin, die Traditionen und Besonderheiten der bisherigen deutschen Tennissprache zu erhellen und damit einen Beitrag zur Sportspracheforschung zu leisten. Geschichte und Entwicklung der deutschen Tennissprache ist ein Thema, das die Untersuchung in zweierlei Hinsichten beschäftigt hat. Erstens erfolgt eine synchrone linguistische Analyse der heutigen Tennissprache, indem ihre Untergliederung und ihre Wortbildungsprinzipien präsentiert werden. Aus Wort- und Textmaterialien, die aus der Berichterstattung und aus Wörterbüchern, Fachbüchern sowie Abhandlungen gewonnen worden sind, wurde zu diesem Zweck ein spezielles Korpus von ca. 200 Wörtern bzw. Wendungen aus der Tennisterminologie gebildet. Zweitens gibt es die diachrone Sicht auf die Herausbildung der zunächst auf einer fremden Sprache beruhenden Tennislexik, mit dem Schwerpunkt auf den früheren Verdeutschungsvorgängen bezüglich der Terminologie. Die gesammelten Hand-, Lehr- und Jahrbücher, Sprach- und Fachzeitschriften, Fachzeitungen, Essays zum Tennis vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre sind daher wichtige Gegenstände der vorliegenden Untersuchung.
Die theoretische Basis für die Analyse bieten die Kapitel zum Thema Sportsprache. Im Kapitel über die Definition der „Sportsprache“, dessen Schwerpunkt auf dem Begriff und der Definition der deutschen Sportsprache liegt, wird die Sportsprache als Sondersprache ins System der deutschen Sprache eingeordnet, die zugleich einen fachsprachlichen Charakter aufweist. Mit der medialen Entwicklung hat sich Bausingers (1972) Dreiteilung nach kommunikativen und funktionalen Kriterien in Sportfachsprache, Sportjargon und Reportsprache weitgehend durchgesetzt. Dieser Trias wird daneben die Sprache der Fans als weiterer Bereich hinzugefügt. Auf der Basis der linguistischen Fachliteratur wird im Kapitel Forschungslage zum Thema Sportsprache ferner auf den historischen und gegenwärtigen Forschungsstand der Sprache wichtiger Sportdisziplinen, vor allem im Fußball, eingegangen.
Die Fokussierung auf das Tennisspiel und dessen sprachliche Erforschung erfolgt dann in den Kapiteln zum Thema Tennissprache. Im Kapitel Geschichte des Tennisspiels wird das Tennisspiel in seinen verschiedenen Formen präsentiert: vom cache und jeu de paume, über das real tennis, court tennis sowie lawn-tennis, bis hin zur heutigen Form. Die wichtigen tennissprachlichen Untersuchungen seit den 1960er Jahren von Erwin Mehl, Gunnar Magnusson, Heiner Gillmeister, Petra Wenghoffer usw. werden dann im Kapitel Bisherige Forschung zur Tennissprache thematisiert. Eine Dreiteilung nach der Theorie von Bausinger erfolgt im Kapitel Untergliederung der heutigen Tennissprache. Zur Tennisfachsprache gehört die Sprache der internationalen Spielregeln, der Trainingsanleitungen und der Vorschriften der Verbände. Unter Tennisjargon sind neben dem allgemeinen jargonalen Gebrauch noch die typischen Trainer- und Spieler-Äußerungen sowie die Fansprache zu verstehen. Als Tennisreportsprache werden Beispiele aus dem Live-Ticker und aus Zeitungsberichten analysiert. Für die Wortschöpfungen in der deutschen Tennisterminologie im siebten Kapitel gibt es drei Motivationen. Nach der etymologischen Motivation ist die Urschöpfung das einzige Prinzip: Dabei handelt es sich um die Herausbildung der Tennislexik in ihrer ursprünglich fremdsprachigen Form, wie der Begriff Tennis selbst, die weiteren Tennisbegriffe Love, Deuce, Advantage, Set, Service, Racket und die seltsame Zählweise zeigen. Nach der morphologischen Motivation werden hauptsächlich zwei Wortbildungsprinzipien realisiert, nämlich die Neuprägung erstens durch Reduktion, wie dies bei den wichtigsten im Tennis geläufigen Kurzwörtern der Fall ist, und zweitens durch Integration, d. h. Entlehnung, weil die deutsche Tennisterminologie historisch betrachtet nicht neu erfunden wurde, sondern größtenteils Resultat eines vom Englischen ausgehenden Entlehnungsprozesses ist. Eine synchrone Beschreibung der Leistung des Lehnguts und des Kürzungsverfahrens in der heutigen Terminologie wird hier in einer lexikografischen Form vorgenommen. Aufgrund semantischer Motivation entstehen Metonymien, Metaphern und simplifizierende Abstraktionen. Sie sorgen für eine situationsbezogene und sprachschichtspezifische Ausdifferenzierung des Tenniswortschatzes und beziehen dabei neben der Terminologie auch den Tennisjargon in diese Entwicklung ein.
Vom 8. bis 11. Kapitel wird eine empirisch begründete diachrone Untersuchung zur Tennissprache in vier Zeitabschnitten durchgeführt. Am Ende des 19. Jahrhunderts ist mit dem Handbuch Moderne englische Spiele von F. W. Racquet die erste deutschsprachige Anleitung entstanden. Der Kern der deutschen Tennisausdrücke ist danach durch die Übertragungsversuche von Robert von Fichard im Beitrag Deutsche Lawn-Tennis-Ausdrücke gebildet worden. Im Klima des Sprachpurismus nimmt es nicht wunder, dass es sich bei der damaligen Tennislexik ausschließlich um den englischen Originalausdrücken gegenübergestellte Verdeutschungen handelt. Der harte Kampf gegen die Anglizismen lässt sich an der flankierenden Diskussion über die zu verwendenden Tennisausdrücke im Lawn-Tennis-Fachblatt Spiel und Sport ablesen. Mit der Verbreitung des Tennisspiels in den nächsten Phasen, also vom Jahrhundertbeginn bis Ende der 1920er Jahre, fand ein reger Disput über das für diesen Sport erforderliche Vokabular statt. Der 1885 gegründete Allgemeine Deutsche Sprachverein bot mit seinem Publikationsorgan das zentrale Forum für das entschlossene Bestreben nach Verdeutschung. In der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins ist eine Vielzahl auf Tennislexik bezogenen Diskussionen in Form von Fachaufsätzen, Leserbriefen, Bücher- und Zeitungsschau zu finden. Sogar Verdeutschungstafeln wurden vom Sprachverein erarbeitet und verteilt. Daneben sind zahlreiche Lehr- und Handbücher erschienen, deren lexikalische Fundierung der Untersuchung wert ist. Mit den großartigen Leistungen des „Tennis-Barons“ Gottfried von Cramm im Wimbledon-Turnier und im Davis-Pokal hat das deutsche Tennis in den 1930er Jahren einen richtigen Höhepunkt erreicht. Die sprachwissenschaftliche Untersuchung dieser Phase basiert vor allem auf einzelnen Publikationsorganen als Korpus, wie etwa Fachzeitschriften und -zeitungen, Handbücher, Regel- und Jahrbücher sowie Tennis-Essays. Mit Hilfe morphologischer Mittel wie der Bildung neuer Komposita mit dem Kernwort tennis- sowie anderen wettbewerbsbezogenen Begriffen einerseits und semantischer Verfahren wie z. B. der Verwendung von Tropen andererseits hat der Tenniswortschatz in dieser Zeit eine erhebliche Expansion erfahren.
Die Zeit der Hitler-Diktatur war durch eine Vereinnahmung aller gesellschaftlichen Bereiche durch die Politik gekennzeichnet und brachte eine nationalsozialistische Sportsprache hervor. Die vierte Phase war der Wiederaufbau des Tennissports in den 1950er Jahren. Einsichten in die jeweils ideologisch geprägten Tennissprachen der BRD und DDR werden durch das Lesen und Auswerten von Fachzeitungen und -zeitschriften der beiden deutschen Staaten gewonnen. In den Publikationen der BRD waren Tennis-Artikel solchen Themen gewidmet wie der Zerstörung von Spielplätzen, der Aufbauarbeit, der Zweiteilung Deutschlands sowie der Neugestaltung der Wettbewerbe. Zahlreiche Komposita und Wendungen wurden zu „Krieg“ gebildet. In der DDR wirkten Berichte über Tennis wie auch über andere Sportarten nach innen als Ermutigung zu hoher Produktivität und nach außen als Steigerung des sozialistischen Ansehens. Mit der Verschärfung der Frage des Amateurismus wurden eine Menge Komposita mit den Kernbegriffen Amateur bzw. Profi gebildet und abwertende Bezeichnungen für die Profigruppen erfunden.
Abschließend erscheint es der Autorin wichtig, mit linguistischem und soziokulturellem Interesse in einem Zusatz-Kapitel Tennis(sprache) in der deutschsprachigen Literatur einen Rückblick auf die Tennismotive in der deutschsprachigen Literatur zu geben. Als untersuchte Materialien sind hier Essays, Romane, (Auto)Biografien usw. in der originalen und übersetzten deutschen Sprache zu nennen. Die Liste der wichtigsten Tennisbegriffe als kleines Tennisglossar im Anhang bietet Informationen zu den englischen Entsprechungen, den Daten der frühesten Belege, historisch aufgetretenen Varianten sowie kurze Bedeutungserklärungen.
Details
- Pages
- XIV, 290
- Publication Year
- 2026
- ISBN (PDF)
- 9783631928165
- ISBN (ePUB)
- 9783631928172
- ISBN (Hardcover)
- 9783631928158
- DOI
- 10.3726/b22452
- Language
- German
- Publication date
- 2026 (June)
- Keywords
- Anglizismus Wortbildung Reportsprache Jargon Fachsprache Deutsch Sportsprache Tennissprache
- Published
- Berlin, Bruxelles, Chennai, Lausanne, New York, Oxford, 2026. xiv, 290 S., 1 Abb. s/w, 6 Tab.
- Product Safety
- Peter Lang Group AG