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Doing family in der Emigration. Die Korrespondenz der Familie Mann

von Jochen Strobel (Autor:in)
24 Seiten
Open Access
Journal: Jahrbuch für Internationale Germanistik Band 57 Ausgabe 3 Erscheinungsjahr 2025 pp. 215 - 238

Zusammenfassung

Im Jahr 2008 schlägt der Exilforscher Konrad Feilchenfeldt vor, die „kollektive Identität einer Gruppe, die durch ihre genetische Gemeinsamkeit definiert ist“, zu erforschen. Zwar sei eine solche Identität „juristisch festzustellen“, es frage sich aber, was die „kollektive Einheitlichkeit aus[mache], die auf ein gemeinsames intellektuelles Profil verweist“. Mit ‚Familie‘ setzt er „eine gemeinsame Organisationform mit Entscheidungsabläufen und Verantwortlichkeiten“ voraus; sie brauche „ein geistiges Oberhaupt“, einen „Familienbetrieb“, „Familienvermögen“ zum Zusammenhalt. Als zu untersuchende Gemeinsamkeiten nennt er die „gemeinsame Vertreibung aus der angestammten Umwelt“, „solidarische[s] Familienverhalten“ sowie einen „gemeinsamen Plan[…] für einen neuen Lebensabschnitt“. Aufgrund der Evidenz enger persönlicher Verflechtungen und zudem aufgrund der Quellenlage gelangt Feilchenfeldt rasch zu dem von ihm favorisierten Forschungsgegenstand: es ist die Familie Mann – genauer: die Familie Thomas Manns, den er ganz selbstverständlich als Zentrum und ‚Oberhaupt‘ installiert, als denjenigen, der über das ‚Familienvermögen‘ verfügt. Erstaunlich mutet aus dem Abstand von weniger als zwei Jahrzehnten an, dass ‚Familie‘ sich schlicht und wohl ausschließlich ‚genetisch‘ definiert und juristisch feststellen lässt, dass allein ein konstant gedachtes intellektuelles Profil interessiert und nicht etwa schwankende Verläufe eines kognitiv-emotional bestimmten Zusammenhalts. Mit der Komplexität einer eher offenen Vorstellung von Familie arbeiten zu wollen, die nicht auf der Reproduktion des in den Quellen selbst schon angelegten ‚Familienbildes‘ beruht, deutet auf nur schwer zu überwindende Hürden hin, sofern es an einem einlässlichen wissenschaftlichen Familienbegriff gleichermaßen mangelt wie an zuverlässigem empirischem Material.

Details

Seiten
24
DOI
10.3726/JIG573_215
Open Access
CC-BY
Erscheinungsdatum
2026 (April)
Produktsicherheit
Peter Lang Group AG

Biographische Angaben

Jochen Strobel (Autor:in)

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Titel: Doing family in der Emigration. Die Korrespondenz der Familie Mann