Sarah Wagner: Die Kunst- und Wunderkammer im Museum. Inszenierungsstrategien vom 19. Jahrhundert bis heute, Berlin: Dietrich Reimer, 2023, 304 S. ISBN 978-3-496-01687-8.
6 Seiten
Open Access
Journal:
Zeitschrift für Weltgeschichte
Band 25
Ausgabe 1
Erscheinungsjahr 2026
pp. 193 - 198
Zusammenfassung
In den gegenwärtig in Deutschland geführten kulturgeschichtlichen Diskurse über die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Deutschlands stehen Museen schon seit einiger Zeit im Mittelpunkt, vor allem, wenn diese im Besitz von Objekten aus Übersee sind, die sie in Magazinen (die wenigsten in Ausstellungen) aufbewahren, aber die oftmals noch nie einem interessierten Publikum präsentiert wurden. Es geht vor allem um die Frage nach der Provenienz dieser mitnichten – wie oftmals behauptet – nur Kunstwerke. Dennoch wird zumeist von Kunstobjekten gesprochen und geschrieben, was jedoch Gegenstände des Alltags, Jagd- und Kriegswaffen, religiöse Artefakte und Ähnliches undifferenziert einfach subsumiert. In vielen Fällen wurden diese Dinge erst in den letzten Jahren in Europa zu Kunstobjekten erhoben. Seltsam ist nur, dass die wenigsten der so bezeichneten Objekte in Kunstmuseen zu finden sind, sondern zumeist in Völkerkundemuseen, die heute jedoch nur noch selten so genannt werden. Dabei ging es seit der Frühen Neuzeit – wie zuweilen auch heute noch – um das Kennenlernen und das Verständnis von anderen, bislang weitgehend unbekannten Völkerschaften und deren Kulturen durch die europäische Bevölkerung. Auch gegenwärtig sind die Bemühungen um das Verstehen anderer Länder und fremder Kulturen vornehmlich in visuell ausgerichteten Institutionen nicht abgeschlossen, egal wie sie sich jetzt auch etikettieren. Warum sollten dann jedoch Museen, die für dieses Anliegen einst geschaffen wurden, nicht mehr Völkerkundemuseen heißen? Jeder weiß, was damit gemeint ist und auch diejenigen Menschen, aus den Regionen, aus denen die Objekte stammen, haben nichts gegen eine Bezeichnung als Volk oder Völkerschaft. Zudem, was die Europäer an Gegenständen in jener Zeit besonders interessierte, um sie mit in ihre Heimatländer nehmen zu können, kann man auch heute noch bei Touristen beobachten, die in einem „exotischen“ Land außerhalb der europäischen Grenzen Urlaub, Wissen und Erholung suchen.
Details
- Seiten
- 6
- DOI
- 10.3726/ZWG01202612
- Open Access
- CC-BY
- Erscheinungsdatum
- 2026 (August)
- Schlagworte
- sarah wagner kunst- wunderkammer museum inszenierungsstrategien jahrhundert berlin dietrich reimer isbn
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