Show Less

Günter Grass

Ästhetik des Engagements

Series:

Edited By Hans Adler and Jost Hermand

Günter Grass ist einer der wenigen deutschsprachigen Autoren, denen es gelungen ist, Politik und Literatur in ein ästhetisch produktives Verhältnis zu setzen. Immer, wenn er es für nötig hielt, Stellung für Unterdrückte und Marginalisierte zu beziehen, tat er es ohne jeden falschen Respekt vor den herrschenden ökonomischen und politischen Kräften. Deshalb hat sein Werk eine so außerordentliche Spannweite, sowohl thematisch als auch hinsichtlich der Gattungen - Romane, Theaterstücke, Gedichte, Reden und politische Stellungnahmen. Günter Grass stellt sich historischen, politischen, sozialen, ökologischen und ethischen Fragen. Er ist die bedeutendste Stimme unter den zeitgenössischen deutschen Autoren.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

HELEN FEHERVARY: Grass und die DDR. Ein Maulwurf gräbt sich von West nach Ost 63

Extract

Helen Fehervary Giinter Grass und die Schriftsteller der DDR Ein Maulwurf grabt sich von West nach Ost. Im Gedenken an Henry J. Schmidt Gunter Grass hat stets ohne Umschweife seine Meinung iiber die DDR, die SED-Parteifiihrung und deren Institutionen geauBert. Als Beispiel dafiir mage ein Notat aus dem Jahr 1965 beim Anblick der Volksarmee im Fernsehen dienen: Dort marschierte sie, die Volksarmee, zackig am Schniirchen. Bin nachgemachtes PreuBen. Schamlos wurde in Ulbrichts Machtbereich eine korrumpierte Tradition iibernommen. Furchterregend, auch komisch, wie jede aufgeblahte Macht, zog es vorbei. Insgesamt ein Bild, das vergessen machte, daB dieser Mochtegern-Staat sich 'Friedenslager' nennt. 0 bartiger groBer Marx! Was haben sie dir dort angetan? In welchem Gefangnis wiirdest du heute dort sitzen?1 GleichermaBen unverbliimt verkiindete Grass seine personlichen Ansichten iiber die Theorie und Praxis des marxistischen Leninismus und das Vermachtnis der Oktoberrevolution. 1969 stand er vor der Versamm- lung des Schriftstellerverbandes und begann seine Rede iiber "Literatur und Revolution oder des Idyllikers schnaubendes Steckenpferd" mit den Worten: Meine Damen und Herren, urn es vornweg zu sagen: Ich bin ein Gegner der Revolution. Ich scheue Opfer, die jeweils in ihrem Namen gebracht werden miissen. Ich scheue ihre iibermensch- lichen Zielsetzungen, ihre absoluten Anspriiche, ihre inhumane Intoleranz. Ich fiirchte den Mechanismus der Revolution, die sich als Elixier fur ihre Anstrengungen die permanente Konterrevolu- tion erfinden muBte: Von Kronstadt bis Prag scheiterte die Oktoberrevolution militarisch erfolgreich, indem sie die iiber- lieferten Herrschaftsstrukturen restaurierte. [ ... ] Mit anderen Worten: Unter erklarten Anhangern der Revolution bin ich 64 HELEN FEHERV ARY...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.