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Vom bürgerlichen zum sozialen Trauerspiel Gerhart Hauptmanns

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Marc J. Schweissinger

In diesem Buch geht der Autor der Frage nach, inwiefern sich die beiden Dramen Dorothea Angermann und Vor Sonnenuntergang Gerhart Hauptmanns von ihren Vorgängern unterscheiden und wie sie sich literaturgeschichtlich einordnen lassen. Die beiden Schauspiele wurden von Hauptmann zur Zeit der ersten deutschen Demokratie der Weimarer Republik verfasst und behandeln neben den individuellen Umständen einzelner Figuren die sozialen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Zeit. Im Mittelpunkt steht das etablierte Bürgertum. Verbindungslinien zum bürgerlichen Trauerspiel Lessings, Schillers, Lenz, Klingers usw. und dem sozialen Trauerspiel Helds und Halbes verdeutlichten, dass Hauptmann sich durchaus an seinen Vorgängern orientiert. Er schafft mit seinem sozialen Trauerspiel aber eine ganz eigenwillige Dramenform, die dem Bürgertum seiner Zeit unangenehme Fragen stellt und unbequeme Wahrheiten vor Augen führt. Schweissinger weist nach, dass die beiden Dramen Hauptmanns weder als klassische Tragödien noch als bürgerliche Trauerspiele oder soziale Dramen klassifiziert werden können, stattdessen nach eigenen Definitionen verlangen.

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Einleitung

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In diesem Buch wird der Frage nachgegangen, inwieweit Gerhart Hauptmanns späte Dramen Dorothea Angermann und Vor Sonnenuntergang sich von ihren Vorgängern unterscheiden; gerade weil sie auch heute noch nicht so in dem Bewusstsein der Öffentlichkeit eine Rolle spielen, wie sie es eigentlich verdienen würden, sowohl von einem theoretischen literaturwissenschaftlichenschaftlichen Standpunkt als auch von einem dramaturgischen Gesichtspunkt aus. Die Theater spielen überwiegend immer noch die frühen naturalistischen Dramen und auch die Forschung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten doch immer noch sehr auf diese frühe Periode von Hauptmanns Schaffens konzentriert. Im Grunde genommen sind seit Neville E. Alexanders Studien zum Stilwandel im dramatischen Werk Gerhart Hauptmanns, der eindeutig zwischen Naturalismus, Übergang zur Neuromantik, neuromantischen Dramen und klassizistisch antikisierenden Dramen unterscheidet, nur wenige Untersuchungen veröffentlicht worden, durch die man eindeutige weitere Entwicklungen und Zwischenschritte im Werk Gerhart Hauptmanns zu erkennen vermag. Alexanders Sprung vom neuromantischen Drama Elga von 1896 bis zu der klassizistisch antikisierenden Atridentetralogie zwischen 1940 und 1943 war für seine Zeit ein ungeheurer Entwicklungsschritt, weil er klare Trennlinien und Entwicklungsschritte für einzelne Schaffensperioden Hauptmanns zu geben vermochte,1 ist jedoch für unsere Zeit nicht mehr differenziert genug. So werden sowohl Dorothea Angermann und Vor Sonnenuntergang noch immer eindeutig dem Naturalismus zugerechnet, nur dass der Stil der Dramen realistischer sei, wird gelegentlich kurz erwähnt.2 Zwar muss das nicht falsch sein, man kann hier heute aber nicht mehr stehen bleiben, wenn man dem kundigen, erfahrenen Dichter Gerhart Hauptmann ← 1 | 2...

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