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Bauen und Erhalten in al-Andalus

Bau- und Restaurierungspraxis in der Moschee-Kathedrale von Córdoba

Francine Giese

Die Moschee-Kathedrale von Córdoba zählt zu den Hauptwerken spanisch-islamischer Architektur und markiert als erster Monumentalbau von al-Andalus den Beginn einer der fruchtbarsten Phasen westislamischer Architektur. Welches sind die bautechnologischen Merkmale des Baus und wie ist er innerhalb der islamischen Architektur zu verorten? Welche Veränderungen durchlief die umaiyadische Hauptmoschee von Córdoba nach ihrer Weihung zur Kathedrale im Jahre 1236 und inwiefern beeinflusste diese neue Nutzungsphase die Denkmalpflegestrategien des 19. und 20. Jahrhunderts? Eine kritische Untersuchung der Bau- und Restaurierungspraxis in der einst wichtigsten Moschee des islamischen Westens bietet neue Erkenntnisse zur Architektur von al-Andalus und dem nicht immer einfachen Umgang Spaniens mit seinem islamischen Erbe.

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2 Bauen in al-Andalus

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2 Bauen in al-Andalus

In ihrer 1993 erschienenen Publikation zu den Grundsätzen und Methoden der Praktischen Denkmalpflege beschrieben Michael Petzer und Gert Mader den Begriff Denkmalpflege als eine „Spurensicherung“33. Wie in der Einleitung dargelegt wurde, wirkten im Falle der einstigen Cordobeser Hauptmoschee äussere Umstände massgeblich auf diese Spurensicherung ein. Und so muss jedem Versuch sie zu erfassen und historisch zu verorten eine Spurensuche voraus gehen, deren Ziel es ist, die einzelnen Straten des Baus – um bei Ruggles Begrifflichkeit zu bleiben34 – zu rekonstruieren und neuzeitliche Ergänzungen und Wiederherstellungen aufzudecken. Dass dies oftmals nicht nur schwieriger ist als anzunehmen wäre, sondern mitunter gar unmöglich, ist auch im Bereich der spanisch-islamischen Architektur nicht anders, wie anhand der einstigen Cordobeser Hauptmoschee gezeigt werden soll. Diese durchlief nach ihrer Umwandlung zur christlichen Kathedrale im Jahre 1236 zahlreiche bauliche Veränderungen und musste in jüngerer Zeit fast ebenso viele Wiederherstellungsmassnahmen über sich ergehen lassen. Genannt seien etwa die Portale der Ostfassade, die Bogensysteme der Capilla de Villaviciosa, die östliche Maqsurafassade oder die hölzerne Decke der al-Ḥakam-Erweiterung, die allesamt zwischen 1891 und 1923 vom Architekten Ricardo Velázquez Bosco (1843–1923) grunderneuert wurden. Solche und ähnliche Verfälschungen der Originalsubstanz aufzudecken und der Frage nach ihrem warum nachzugehen sind zentrale Ziele der vorliegenden Untersuchung.

Da der direkte Weg über die formale Analyse einzelner Bauteile in solchen Fällen nur bedingt zum Erfolg führen kann, soll ein Umweg über die ursprünglichen Baumaterialien und...

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