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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium Zürich 2015

Exil als Schicksalsreise. Alfred Döblin und das literarische Exil 1933–1950

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Edited By Sabina Becker and Sabine Schneider

Einerseits gehörte Alfred Döblin nicht zu jener Gruppe von Autoren, die das Exil als einen ‚Weg ohne Rückkehr‘ oder gar als Chance erfuhr. Er ist andererseits aber auch nicht zu jenen Schriftstellern zu zählen, die in der Emigration völlig verstummten. Aufgrund seiner Bedeutung für die literarische Epoche des Exils ist eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Exilpositionen und -werken dieses Autors perspektivenreich. Döblins Werke werden im Kontext der Themen, Genres, Projekte, politischen Ausrichtung und kulturellen Tendenzen des gesamten Exils diskutiert, sein Wirken im Umfeld der Debatten und weiteren Aktivitäten der Exilierten verortet.
Der Band dokumentiert das 20. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2015 zum Thema „Exil als Schicksalsreise. Alfred Döblin und das literarische Exil 1933–1950“ in Zürich tagte.

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Keine Vertreibung der Gespenster November 1918 als geschichtlicher Fluchtpunkt der Exilperspektive (Von Alexander Honold)

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Keine Vertreibung der Gespenster November 1918 als geschichtlicher Fluchtpunkt der Exilperspektive

Alexander Honold

Abstract: Alfred Döblin schöpft in seinem mehrbändigen Romanwerk November 1918, das im zunächst französischen, dann amerikanischen Exil der späten dreißiger und frühen vierziger Jahre entstand, aus seinen Erfahrungen, Aufzeichnungen und Publikationen, die er als mitbetroffener Zeitzeuge selbst im November und Dezember 1918 in Straßburg und Berlin angefertigt hatte. Die deutsche Revolution, so sein Befund, konnte nicht gelingen, weil sie es nicht vermocht hatte eine wirkliche „Vertreibung der Gespenster“ – des preußischen Militarismus, des eingeschliffenen Untertanengeistes, der zaghaften Sozialdemokratie – zu bewerkstelligen. Der Beitrag korreliert Döblins im Roman entfaltete retrospektive Analyse, die unter dem Vorzeichen des Hitlerfaschismus und des erneuten Weltkrieges steht, mit den aus der unmittelbaren Zeitgenossenschaft heraus entstandenen Berichten und Stimmungsbildern. Gezeigt wird, dass Döblin in der anathematischen Behandlung des 9. November diagnostisch klarsichtig die politische Sollbruchstelle der auf die Niederlage folgenden deutschen Republik markierte.

Wann beginnt das Exil? In gewisser Weise nicht erst 1933, sondern bereits im November 1918, dem kurzen Zeitfenster einer dann gescheiterten deutschen Revolution. Um diesen Gedankengang anhand von Döblins großem Romanwerk November 1918 über jene geschichtliche Umbruchszeit zwischen den Kriegen plausibel zu machen, ist ein Blick zurück in die Endphase des deutschen Kaiserreichs und an dessen geschichtlich-geographische Schwelle angebracht; bei Döblin findet sich dies als ein literarhistorischer Lokaltermin im Elsass, dem bis in die letzten Kriegstage hinein...

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