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Topographien der Antike in der literarischen Aufklärung

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Edited By Annika Hildebrandt, Charlotte Kurbjuhn and Steffen Martus

«Die Antike» als eine der zentralen Referenzen der deutschen Aufklärung ist keineswegs homogen, sondern zeichnet sich durch ihre Pluralität aus. Namen und eben auch Lokalitäten implizieren auf kompakte Weise ästhetische Konzepte, anthropologische Programme, ethisch-moralische Normen, Gesellschaftsmodelle, politische Orientierungen oder Ideale literarischer Kommunikation. Die antike Tradition verfügt über eine interne Topographie mit verschiedenen anspielungsreichen Orten; und sie wird von bestimmten Orten aus adressiert und vereinnahmt. In Poetiken und Vorreden, in Bildprogrammen von Titelkupfern und Vignetten oder in Entscheidungen für Gattungen, Sujets und Motive trägt der Rekurs auf die Antike dazu bei, wiedererkennbare Profile zu etablieren. Dabei interagieren literarische Projekte mit einer Vielzahl von Faktoren, die sich aus den regionalen Bedingungen herleiten.

Die Beiträge dieses Bandes analysieren die Ordnungen, die dieser Pluralität der Antike im 18. Jahrhundert zugrunde liegen. Sie fragen danach, wie die literarische Aufklärung auf das vielfältige Angebot der Überlieferung zugreift, um Positionen in den Konkurrenzen und Allianzen des literarischen Feldes zu kennzeichnen.

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Das klassische Hundegrab im Weimarer Ilmpark Hofadel, Mätressen und „republikanische“ Freiheit (Michael Niedermeier)

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MICHAEL NIEDERMEIER

Das klassische Hundegrab im Weimarer Ilmpark Hofadel, Mätressen und die „republikanische“ Freiheit

Goethe konnte Hunde nicht leiden. Seine Abneigung erscheint gut belegt und ist im Goethe-Wörterbuch über 31 Lemmata von „Hund“ – „Hundszunge“ hinweg in allen Filiationen breit dokumentiert.1 Hinzu kommen rund 20 Ableitungen wie „Lumpenhund“. Goethe benutzte z. B. das Adjektiv „hundedumm“ zur Bezeichnung von groben Tölpeln im volkstümlich-derben Schimpfnamenkatalog zu Hanswursts Hochzeit.2 Aber auch sonst beliebte Charaktereigenschaften von Hunden fand Goethe eher abstoßend: „Wundern kann es mich nicht, dass Menschen die Hunde so lieben; / Denn ein erbärmlicher Schuft ist, wie der Mensch, so der Hund“,3 heißt es in den Venezianischen Epigrammen. Von einem regelrechten „Hundgeschwätz“4 spricht der junge Werther in Bezug auf die Unterhaltungen in der blasierten Adelsgesellschaft, in die er geraten war.



Von einer auch nur annähernd so komfortablen Überlieferungs- und Forschungslage kann man in Bezug auf das Hundegrab im Weimarer Park an der Ilm allerdings nicht ausgehen. Wenige Informationen nur sind uns überliefert, kaum einmal ist das Denkmal in den Blick der Forschung gelangt. Und doch soll eine Interpretation gewagt sein, weil ← 73 | 74 → damit die Hoffnung verbunden ist, dass sich anhand dieses an prominenter Stelle im Ilmpark platzierten und sogar mit einem Gedenkstein des Hofbildhauers Klauer verzierten Hundegrabes bisher nicht wahrgenommene sinnstiftende topographische Verknüpfungen auch mit anderen bedeutungstragenden Strukturen der gestalteten arkadischen Landschaft an der Ilm wieder sichtbar machen lassen. Die Interpretation dieses...

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