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Simpliciana XXXVIII (2016)

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Edited By Peter Heßelmann

Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält 19 Vorträge, die während der interdisziplinären Tagung zum Thema «Schuld und Sühne im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit» vom 23. bis zum 25. Juni 2016 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus fanden zehn weitere Beiträge Eingang in das neue Jahrbuch. In der Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» werden wie gewohnt Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu weiteren Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit veröffentlicht.

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Alternative moralische Welten. Eine kulturvergleichende Sicht auf Grimmelshausen (Thomas Widlok)

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THOMAS WIDLOK (Köln)

Alternative moralische Welten. Eine kulturvergleichende Sicht auf Grimmelshausen

1.     Grimmelshausens Welt, ethnographisch betrachtet

Grimmelshausen nähert sich in seinen Schriften Afrika und dem kulturell Fremden insgesamt eher zurückhaltend. Wie ich in diesem Beitrag zeigen möchte, ist dies insofern auffallend, als dass zugleich die Verkehrung der Verhältnisse und der Verweis auf alternative Lebensweisen zu seinen zentralen Darstellungsformen gehören. Meine kulturanthropologisch-ethnologische Annäherung an das Werk von Grimmelshausen ist ebenfalls eher zurückhaltend, da mir als Fachfremdem viele Bezüge zur Entstehungsgeschichte und zur literaturwissenschaftlichen Einordnung fehlen. Die zur diesjährigen Jahrestagung der Grimmelshausen-Gesellschaft ausgesprochene Einladung, sich in einem weiten interdisziplinären Rahmen mit Schuld und Sühne bei Grimmelshausen zu beschäftigen, nehme ich jedoch gerne an.1 Eine anthropologisch-ethnologische Sicht auf Grimmelshausen ist noch relatives Neuland, hat aber ein vergleichendes Potential, das auch andere Beiträge der diesjährigen Konferenz in Ansätzen aufgegriffen haben und das ich hier gleichsam als Projekt für die Zukunft vorstellen möchte. Für eine weiterführende, intensivere ethnologische Beschäftigung mit Grimmelshausen wird es sich lohnen, seine Texte wie eine Ethnographie zu lesen, also als eine Beschreibung von Lebensweisen, die dem Autor entweder fremd erscheinen oder die von ihm in einer gewissen Fremdheit dargestellt werden.

Im Mittelpunkt dieses Beitrages steht die zurückhaltende Beschreibung von Afrika und den Afrikanern im Simplicissimus, insbesondere in der Continuatio. Grimmelshausen konnte aufgrund der schlechten ← 119 | 120 → Quellenlage nicht viel über den...

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