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Simpliciana XXXVIII (2016)

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Edited By Peter Heßelmann

Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält 19 Vorträge, die während der interdisziplinären Tagung zum Thema «Schuld und Sühne im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit» vom 23. bis zum 25. Juni 2016 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus fanden zehn weitere Beiträge Eingang in das neue Jahrbuch. In der Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» werden wie gewohnt Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu weiteren Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit veröffentlicht.

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„Viertens beichten wir dem Kirchen-Diener“. Der theologische Rahmen des Umgangs mit Schuld und Sühne im 17. Jahrhundert (Walter Sparn)

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WALTER SPARN (Erlangen)

„Viertens beichten wir dem Kirchen-Diener“. Der theologische Rahmen des Umgangs mit Schuld und Sühne im 17. Jahrhundert

1.    Die pastorale Praxis: Beichte, Absolution, Kirchenzucht

1.1 Das Zitat im Titel des Vortrags habe ich einem eher entlegenen Text entnommen, aber mit Absicht. Denn er zeigt an und relativiert zugleich einen sehr wichtigen Ort der religiösen Bearbeitung der Phänomene von Schuld und Sühne: Die Beichte war in der Frühen Neuzeit institutionell gesehen wohl der wichtigste Ort des christlichen Umgangs mit diesem Komplex. Denn erstens verband sie die individuelle und die sozialen Dimensionen eines Phänomens, das mit der protestantischen Reformation und der römisch-katholischen Reform die religiöse Mentalität tiefgründig prägte. Zweitens war die kirchliche Praxis der Beichte der Ort, an dem normativ-theologische und pastoralpraktische Aspekte korreliert wurden und auch korreliert werden mussten. Schließlich stellte die Beichte im Rahmen des kirchlichen Bußinstituts ein Profilmerkmal dar, das die Konfessionen (1648 wurden auch die Reformierten reichsrechtlich anerkannt) zugleich eng verband und, auch für Laien erkennbar, deutlich unterschied. Die individuell (in der Absolution und ihren moralischen Imperativen) und kollektiv (in der damit verbundenen Sozialdisziplin, „Kirchenzucht“) einflussreiche Praxis der Beichte hatte in jedem Fall erhebliche mentalitätssoziologische Folgen.1 ← 137 | 138 →

Fragt man nach dem theologischen Rahmen dieser Praktiken, so empfiehlt es sich weniger, sogleich nach der akademischen Literatur zu greifen, die seinerzeit unter den Titeln der Loci theologici (im 17. Jahrhundert dann „positive“, „didaktische...

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