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Simpliciana XXXVIII (2016)

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Peter Heßelmann

Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält 19 Vorträge, die während der interdisziplinären Tagung zum Thema «Schuld und Sühne im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit» vom 23. bis zum 25. Juni 2016 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus fanden zehn weitere Beiträge Eingang in das neue Jahrbuch. In der Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» werden wie gewohnt Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu weiteren Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit veröffentlicht.

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Reue, Buße, Tod und Gnade. Zu Kalkül und Endlichkeit in Grimmelshausens Courasche und Vogel-Nest II (Eric Achermann)

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ERIC ACHERMANN (Münster)

Reue, Buße, Tod und Gnade. Zu Kalkül und Endlichkeit in Grimmelshausens Courasche und Zweitem Vogel-Nest

Nichts bleibt Gott verborgen, dem Menschen aber viel. Die christliche Anthropologie des 17. Jahrhunderts bestimmt den Menschen vorzüglich von seinen Mängeln her. Und nichts eignet sich besser, die Grenzen menschlicher Erkenntnis zu bemessen, als die Zeit. Diese Endlichkeit ist nicht bloß körperliche Disposition, sondern Konsequenz einer Sünde, die den Menschen aus dem Paradies und seine conditio fürderhin ins Zeitliche verbannt. Der Austritt aus dem Paradies bedeutet den Eintritt in die Zeit, da wo Endlichkeit ‚herrscht‘. Was außerhalb der Zeit steht, das ewig Präsente sowie das künftig Mögliche, liegt in göttlicher Vernunft und göttlichem Ratschluss ver- und besiegelt. Alle diesbezügliche Erkenntnis ist in jeglichem Sinn ‚spekulativ‘.

Die Tragik dieser visio bildet die Unausweichlichkeit eines Urteils, dessen Verkündungstermin der Richter zwar kennt,1 dem Angeklagten aber vorenthält: „Es ist gewiss, oh Mensch, dass du sterben wirst, unge ← 201 | 202 → wiss aber wann, wie und wo.“2 Ob die ererbte Last getilgt oder durch weitere Sünde vermehrt wurde, ob der Mensch sich rechtfertigt oder gerechtfertigt wird, ob ihm Gnade zuteil wird oder er Verdammnis verdient, darum aber wird es ebenso gewiss zu tun sein, als der Tod gewiss ist. Was es braucht, um vor dem Richter zu bestehen, dies ist wiederum die Frage, deren Beantwortung in nachreformatorischen Zeiten nicht ungewisser sein...

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