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«Das finde ich etwas (.) ja schon etwas sehr Spezielles, auch sehr persönlich.»

Narrative Intimität in öffentlicher Selbstthematisierung

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Marianne Bosshard

Intime Öffentlichkeiten prägen unseren Alltag. Sei es in sozialen Netzwerken, in Radio und Fernsehen oder in Buchform: Das zuweilen sehr persönliche Erzählen aus dem eigenen Leben ist populär. Doch wie kommt hierbei Intimität zustande? Exemplarisch an drei Erzählformaten aus dem Schweizer Radio und Fernsehen zeigt die Studie auf, wie und mit welchen Funktionen Intimität in der Interaktion kommunikativ angezeigt bzw. hergestellt wird. Der Fokus liegt dabei auf ihrer narrativen Durchformung, zu der ein Mix an Erzählmustern ebenso zählt wie ein grundsätzliches Spiel mit Sichtbarkeiten. Kulturwissenschaftlich eingebettet, leistet die vorliegende Positionierungsanalyse von Selbstthematisierungen in öffentlich-medialen Kontexten einen Beitrag zur Debatte um Privatheit und Öffentlichkeit und bietet mit einem narrativen Verständnis von Intimität eine Grundlage für deren Erforschung in weiteren Zusammenhängen.

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6. Schluss und Ausblick

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Gemessen an dem Raum, der in verschiedensten Forschungsdisziplinen, so auch in der deutschen Linguistik, der Durchdringung von Privatheit und Öffentlichkeit zugesprochen wird, erscheint es überraschend, wie wenig Aufmerksamkeit bisher der kommunikativen Konstruktion und Bedeutung von Intimität zuteilgeworden ist – trotz ihrem Potenzial, soziale Beziehungen beschreiben zu können. Diese Forschungslücke wollte die vorliegende Arbeit verkleinern, unter der Prämisse, dass Intimität wesentlich am Strukturwandel von Privatheit und Öffentlichkeit beteiligt ist, der zwangsläufig das „Vermittlungsverhältnis berühren“ (Göttlich 2002: 104) muss, das der Öffentlichkeit in einem traditionellen Verständnis zugeschrieben wird.

Anders als in der – vor allem im deutschen Sprachraum überschaubaren – bisherigen linguistischen Forschung zur Intimität trat hier der Ansatz einer sprachlichen Variation zugunsten einer narrativ verstandenen Intimität in den Hintergrund. Die sich in Selbstthematisierungen kristallisierende Intimität wurde als Teil heutiger Erzählkultur begriffen und der Erzähler, der homo narrans, als relevante Figur darin. Dass die Subjektivität des Individuellen, die der Intimität anhaftet, und deren primär fehlende institutionelle Überformung ein breites Themenspektrum ermöglichen, auf dessen Grundlage Intimität durch Zuschreibungsprozesse in einer kollektiven Bedeutungsaushandlung entstehen kann, floss in die vorliegende Auseinandersetzung mit ein; das Ausdeuten von Narration als sharing war für solcherart Zuschreibungsprozesse ein oftmaliges Beispiel. Gezeigt werden konnte denn auch, dass sich die Interaktanten im Prozess der Intimitätskonstruktion stark an narrativen Strukturen orientieren und die Bedeutungskonstitution dabei ein Cluster von der gegenwärtigen Situation über die Geschichtenwelt bis hin zu Gesellschaftsdiskursen...

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