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Zensur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert: Begriffe, Diskurse, Praktiken

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Edited By Florian Gassner and Nikola Roßbach

Die Erforschung der frühneuzeitlichen Zensur ist nach wie vor ein Desiderat. Fragen nach ihrer theoretisch-begrifflichen Diskursivierung, ihrer praktischen Umsetzung und Effizienz sind von der Forschung bislang weder umfassend noch systematisch beantwortet worden. Der vorliegende Band behandelt Zensurbegriffe, -diskurse und -praktiken im Kontext feudaler und absolutistischer Gesellschaftssysteme mit Schwerpunkt auf dem deutschsprachigen Raum des Alten Reichs und schlägt die mediengeschichtliche Brücke vom 16. ins 21. Jahrhundert: vom Index zum Algorithmus. Die Studien analysieren Zensur im Hinblick auf Begriffsgeschichte und Rechtspraxis, in Konstellation mit dem Magiediskurs und als Herrschaftsinstrument und bieten Untersuchungen zu verschiedenen Textgenres – Chronik, Flugschrift, Moraltraktat, Theater(kritik), Index – von der Reformationszeit bis zu Aufklärung.

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Eine ‚vorsichtige Durchsehung‘, die Schriftsteller ‚schüchtern‘ macht? Zu Wort und Begriff der Zensur in deutschsprachigen Quellen der Frühen Neuzeit (Simone Loleit)

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Simone Loleit

Abstract: Innerhalb des 17. und 18. Jahrhunderts zeichnet sich bezüglich der Wörter Zensur, Zensor, zensieren eine allmähliche Entwicklung vom fremdsprachlichen terminus technicus zum Lehnwort, d.h. eine zunehmende Eindeutschung dieser Wörter ab. Werden in Rechtstexten des 16. Jahrhunderts noch Zensurregelungen festgehalten, ohne dabei das Wort Zensur zu verwenden, so kommt es im Verlauf der Frühen Neuzeit zu einem Zusammenwachsen der Praxis einer institutionalisierten Zensur und des Worts Censur/Zensur. Für die literarische Zensur spielen Konnotationen im Sinne von Wertungen oder auch versteckten Bedeutungen eine besondere Rolle; durch eine Ko- und Kontextanalyse werden im vorliegenden Beitrag daher auch die sich an das Wortfeld der Zensur anlagernden Konnotationen untersucht.

Keywords: Zensur und Selbstzensur, Historische Semantik, Historische Lexikologie, Frühneuhochdeutsch/Deutsch/Latein, Deutsche und Österreichische Geschichte 1500–1800

Wir haben mit dem größten Befremden wahrgenommen, daß von euch unter dem Titel: Joseph von Wurmbrand’s politisches Glaubensbekenntniß mit Hinsicht auf die französische Revolution eine äußerst anstößige Schrift herausgegeben worden, in welcher die bürgerliche Ordnung und Verfassung sowol, als auch die Religion angegriffen und Empörung vertheidigt und gepredigt wird. […] Wir finden für jetzt nöthig, euch auf das im Jahr 1731 erneuerte Edict wegen der Censur der Bücher zu verweisen und befehlen nach dessen Inhalt euch hierdurch namentlich: hinführo, weder innoch außerhalb Landes, irgend etwas, mithin auch nicht ohne Namen oder unter einem andern Namen, drucken zu lassen, was nicht vorher gehörigen Ortes zur...

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