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Schweizer Jahrbuch für Musikwissenschaft- Annales Suisses de Musicologie- Annuario Svizzero di Musicologia

Schweizer Jahrbuch für Musikwissenschaft- Annales Suisses de Musicologie- Annuario Svizzero di Musicologia Neue Folge / Nouvelle Série / Nuova Serie- 37 (2017)- Redaktion / Rédaction / Redazione: Luca Zoppelli

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Edited By Luca Zoppelli

Der vorliegende Band Schweizer Jahrbuch für Musikwissenschaft empfängt (in Übereinstimmung mit der aktuellen redaktionellen Linie der Zeitschrift) Arbeiten von aktiven schweizerischen und ausländischen Forschern. So wird eine Vielschichtigkeit, nicht nur linguistisch, sondern auch kulturell und methodologisch garantiert, die die wunderbare Vielfalt der Schweizerischen Eidgenossenschaft reflektiert.

Im Jahrbuch Nr. 37 berühren die Essays Themen mit antropologisch-kulturellen Ansätzen zur Archivforschung, die vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert und von der Sakralmusik zur Instrumentalmusik reichen. Sie legen den Schwerpunkt vor allem auf die symbolischen Mechanismen der Parodie in der gesungenen Liturgie (Therese Bruggisser-Lanker), auf die kompositorischen Gründe der Nichtvollendung der 7. Sinfonie von Schubert (Yusuke Takamatsu) und auf die ästhetische Autonomie der Kunst in Krisenzeiten dank den Vergleichen von verschiedenen künstlerischen Erfahrungen in der Mitte des 19. Jahrhunderts (Klaus Heinrich Kohrs). Die Briefe des berühmten Komponisten aus der französischen Schweiz, Gustave Doret, an wichtige französische Musiker (Delphine Vincent) sind in der neuen Dokumentenserie publiziert.

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Warum blieb die «Unvollendete» von Franz Schubert D 759 unvollendet? Das Scherzo als möglicher Schlüssel zur Erklärung

Warum blieb die «Unvollendete» von Franz Schubert D 759 unvollendet? Das Scherzo als möglicher Schlüssel zur Erklärung

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Yusuke Takamatsu (Zürich)

Franz Schuberts «unvollendete» h-Moll-Sinfonie Nr. 7 D 759 ist vor allem als zweisätziger Torso bekannt, es existiert aber auch das Fragment eines wohl als Tanzsatz anzusehenden weiteren Satzes. Bisher sind deshalb viele Spekulationen darüber angestellt worden, warum Schubert dieses Werk nicht vollendete, oder noch genauer gesagt: warum Schubert dieses Werk als zweisätziges seinem Freund Anselm Hüttenbrenner übergab, eventuell sogar als wohl fertig angesehenes Dankgeschenk, obwohl er einen weiteren Satz zu komponieren und sogar zu instrumentieren begann.

Bereits im 19. Jahrhundert fand sich die Meinung, dass Schubert diese Sinfonie überhaupt als zweisätziges Werk und damit als «vollendet» konzipiert habe1. Diese Meinung wird häufig auch noch im 20. Jahrhundert vertreten, repräsentiert etwa von der Behauptung «Das Bruchstück [ist] in seiner Zweisätzigkeit […] innerlich vollendet»2. Dies wird ergänzt durch Urteile wie jenes, der zweite Satz erhalte ein stärkeres Gewicht und damit entfalle der «Raum für ein Scherzo oder gar ein Ansatzpunkt für ein Finale»3.

Als Beweis dafür, dass Schubert diese Sinfonie als zweisätziges Werk habe gelten lassen, gilt sein Dankschreiben vom 20. Juli 1823 an den Steiermärkischen Musikverein für das Ehren-Mitglied-Diplom, das er im April desselben Jahres erhalten hatte. In diesem Brief plante Schubert, «eine meiner Sinfonien in Partitur zu überreichen», um «auch in Tönen ←59 | 60→meinen lebhaften Dank auszudrücken»4. Dies scheint auch mit der Tatsache übereinzustimmen, dass Josef Hüttenbrenner...

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