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Simpliciana XLII (2020)

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Edited By Peter Hesselmann

Der XLII. Jahrgang der Simpliciana enthält die Vorträge, die während der Tagung der Grimmelshausen-Gesellschaft zum Thema „Dispositionsformen und Ordnungsvorstellungen bei Grimmelshausen und in der Literatur der Frühen Neuzeit“ Anfang August 2020 in Münster gehalten wurden. Zusätzlich werden fünf Beiträge veröffentlicht, die sich dem Werk Grimmelshausens aus verschiedenen Perspektiven nähern.

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„Chaos, oder Verworrnes Mischmasch“ – doch „ohne einige Ordnung“? Grimmelshausens Ewig-währender Calender als Dispositionsmodell der simplicianischen Zehn-Bücher-Folge

„Chaos, oder Verworrnes Mischmasch“ – doch „ohne einige Ordnung“? Grimmelshausens Ewig-währender Calender als Dispositionsmodell der simplicianischen Zehn-Bücher-Folge

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KLAUS HABERKAMM (Münster)

Chaos, oder Verworrnes Mischmasch ohne einige Ordnung/ darinnen obgleich wie in einem Labyrinth/ oder besser zu sagen/ in einem lustigen Jrrgarten/ jedoch allerhand Historien/ gewisse Künste/ nohtwendige Wissenschafften/ und ohnzählig andererley Gattungen/ seltsame Rariteten sich neben der mit untermischten Bauren-Practick befinden […].

(Überschrift der „Materien“ II und III von Grimmelshausens Ewig-währendem Calender)

I.

Grimmelshausen verwendet im I. Teil seines Wunderbarlichen Vogel-Nests ein bislang nicht beachtetes Bild, das die autoreferenziellen poetologischen Aussagen in den Paratexten dieses Werks, nimmt man beide Vogel-Nest-Teile als Einheit, ergänzt. Es korrespondiert zudem mit der programmatischen Maxime der „ordentlichen Unordnung“, die der ältere Simplicissimus in seiner „Vorred und Erinnerung an seinen Natürlichen Sohn den Jüngsten Simplicium“ (EC Aiir1) zum Ewig-währenden Calender verkündet. Fundstelle des Bildes im vorletzten „Tractätlein“ der „Simplicianischen Schrifften“ ist der exponierte ersterzählte Schwank des Protagonisten.

Im Rahmen der Werbung des „Herrn von der Drfftgkt“ (VN I 3112) um die Tochter einer verarmten Adligen – eine Version des tradierten Possens der „betrogenen Betrüger“ – erhält der Vogelnest-Träger Einblick in die „Hauß-Apotheck“ (VN I 311). Deren reichhaltiger Inhalt kontrastiert auffallend mit der prekären Situation der Schlossherrin. Die Hausapotheke ist nämlich ein „grosser Kasten […] mit allerhand Materialien von Würtzeln/ Säfften/ Latwergen/ Kräutern/ Pulvern/ Oliten/ gebrandten Wassern/ Pflastern/ Salben/ und dergleichen Bixen/ Schachteln/ Gläsern/ Säcklein/ etc. bestehend/ angefüllt [...]“ (VN I 311). Der Beobachter hebt unn...

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