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MIMOS 2020

Jossi Wieler

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Edited By Paola Gilardi

Jossi Wieler ist einer der prägendsten Schauspiel- und Opernregisseure im deutschsprachigen Raum. Kreation im Dialog und tiefgründige Erkundungen eines Stoffs auf seine gesellschaftspolitische Relevanz für die Gegenwart zeichnen sein Schaffen aus. Mehrstimmig gibt der vorliegende Band Einblick in seine Arbeitsweisen, die wechselseitige Inspiration im Probenprozess und die Ethik seiner Ästhetik.

Jossi Wieler est l’un des metteurs en scène de théâtre et d’opéra les plus influents de l’espace germanophone. Son art repose sur la création en dialogue et sur une exploration des pièces et partitions à la recherche de leur pertinence pour le monde d’aujourd’hui. A plusieurs voix, cet ouvrage met en lumière sa démarche, l’inspiration mutuelle dans le processus de répétition, et l’éthique de son esthétique.

Jossi Wieler è uno dei registi teatrali e d’opera più apprezzati nel mondo germanofono. La creazione in dialogo e lo scavo nelle pièce e partiture al fine di estrapolarne la rilevanza per il presente caratterizzano il suo lavoro. A più voci, questo volume mette in luce il suo approccio, l’importanza dell’ispirazione reciproca nel processo creativo, e l’etica della sua estetica.

As one of the defining theatre and opera directors in the German-speaking world, Jossi Wieler has developed his signature style by creating ideas through dialogue and dissecting works for their socio-political relevance for present-day audiences. In this volume, a range of voices shed light on his working methods, the significance of reciprocal inspiration in the creative process and the ethics of his aesthetic.

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Jossi Wieler – der Teamplayer

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Im Jahr 1986 taucht Jossi Wieler zum ersten Mal in den Erfolgsstatistiken des deutschsprachigen Theaters auf. Seine Bonner Inszenierung des Kleistschen Amphitryon1 wird zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Sechs Jahre nach seinem deutschen Bühnenstart als Regieassistent im Schauspielhaus Düsseldorf hat er erstmals den theatralen Olymp des damals noch so genannten deutschsprachigen Sprechtheaters erklommen. Drei weitere Gipfelstürme folgen bis 2005 am selben Ort und beim gleichen Festival: mit Elfriede Jelineks Wolken. Heim.2, Euripides’ Alkestis3 und Paul Claudels Mittagswende4. 1994 wird seine Hamburger Inszenierung von Jelineks Wolken. Heim. von der Kritikerjury der Zeitschrift Theater heute zur Inszenierung des Jahres gewählt. Mit ihr hat Jossi Wieler eines seiner wichtigsten Themen für die Bühne gefunden: das gemeinsame Erinnern der jüdisch-deutschen Unheilsgeschichte, des Zivilisationsbruchs des Holocaust. Er gilt ab da und zurecht auch als Jelinek-Spezialist und verhilft ihrem mäandernden Sprechen zu ganz eigenen Bühnengestalten. In Rechnitz (Der Würgeengel)5 sind es die Boten einer fragwürdigen Überlieferung der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs. Sie lassen das grausige Geschehen der Erschiessung von 200 jüdischen Zwangsarbeitern im burgenländischen Rechnitz in ←46 | 47→verunklärenden Formulierungen und Begründungen aufleben und gleich wieder verschwinden. Ausgerechnet der österreichische Nestroy-Theaterpreis, in der Kategorie beste deutschsprachige Aufführung, zeichnet 2009 diese Inszenierung Jossi Wielers aus, dieses «Massengrab der Sprache», wie die Süddeutsche Zeitung titelte6.

Schon zur Jahrtausendwende beginnt ein zweiter Strang der Wielerschen Erfolgsstrecke. 2001 wählt die Zeitschrift Opernwelt seine Inszenierung von Richard Strauss’...

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