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MIMOS 2020

Jossi Wieler

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Edited By Paola Gilardi

Jossi Wieler ist einer der prägendsten Schauspiel- und Opernregisseure im deutschsprachigen Raum. Kreation im Dialog und tiefgründige Erkundungen eines Stoffs auf seine gesellschaftspolitische Relevanz für die Gegenwart zeichnen sein Schaffen aus. Mehrstimmig gibt der vorliegende Band Einblick in seine Arbeitsweisen, die wechselseitige Inspiration im Probenprozess und die Ethik seiner Ästhetik.

Jossi Wieler est l’un des metteurs en scène de théâtre et d’opéra les plus influents de l’espace germanophone. Son art repose sur la création en dialogue et sur une exploration des pièces et partitions à la recherche de leur pertinence pour le monde d’aujourd’hui. A plusieurs voix, cet ouvrage met en lumière sa démarche, l’inspiration mutuelle dans le processus de répétition, et l’éthique de son esthétique.

Jossi Wieler è uno dei registi teatrali e d’opera più apprezzati nel mondo germanofono. La creazione in dialogo e lo scavo nelle pièce e partiture al fine di estrapolarne la rilevanza per il presente caratterizzano il suo lavoro. A più voci, questo volume mette in luce il suo approccio, l’importanza dell’ispirazione reciproca nel processo creativo, e l’etica della sua estetica.

As one of the defining theatre and opera directors in the German-speaking world, Jossi Wieler has developed his signature style by creating ideas through dialogue and dissecting works for their socio-political relevance for present-day audiences. In this volume, a range of voices shed light on his working methods, the significance of reciprocal inspiration in the creative process and the ethics of his aesthetic.

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Jeder Figur gibt er eine «Anima»

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Geboren in Stip (Mazedonien), studierte die Sopranistin Ana Durlovski an der Musikakademie der Universität in Skopje und debütierte 2000 an der Makedonska Opera mit der Titelpartie in Gaetano Donizettis Lucia di Lammermoor. 2006 kam der Durchbruch im deutschsprachigen Raum als Königin der Nacht in Wolfgang Amadeus Mozarts Die Zauberflöte an der Wiener Staatsoper. Von 2011 bis 2018 war Ana Durlovski Ensemblemitglied der Staatsoper Stuttgart. Der Weg nach Stuttgart führte über das Staatstheater Mainz, wo sie von 2006 bis 2011 engagiert war. Dort hatte Jossi Wielers Stuttgarter Dramaturg und Koregisseur Sergio Morabito sie 2007 als Protagonistin in Donizettis Lucia di Lammermoor in einer Inszenierung von Tatjana Gürbaca auf der Bühne erlebt. Dieser Eindruck muss nachhaltig gewesen sein. Denn als diese Belcanto-Oper 2010 unter der Regie von Olga Motta in Stuttgart aufgeführt werden sollte und die ursprünglich vorgesehene Sängerin kurzfristig absagen musste, war Ana Durlovskis Name gleich ganz oben auf der Liste der möglichen Einspringerinnen. Sie hatte Zeit und traute sich den Sprung auf eine grössere Bühne zu. Der Musikkritiker Frank Armbruster schrieb zu ihrer ersten Stuttgarter Darbietung:

Donizetti komponierte eine Musik, in der die Emotionen bis zum Siedepunkt erhitzt werden. Vor allem Lucia gerät in einen psychischen Grenzzustand, der in jener Wahnsinnsarie gipfelt, wo sich die Koloraturen vom Wortsinn «Färbung» emanzipieren und verselbständigen. Es ist der Sopranistin Ana Durlovski ←275 | 276→zu verdanken, dass diese Szene dann zum überwältigenden Höhepunkt des...

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