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Ioannes Stomius, Prima Ad Musicen Instructio

Edition, Übersetzung, Kommentar

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Ulrike Baumann

Das 1537 herausgegebene Musiklehrbuch des Salzburger Pädagogen, Musiktheoretikers und Komponisten Johannes Stomius liegt erstmals als vollständige Edition samt Übersetzung, Notentranskription und Kommentar vor. Im Mittelpunkt steht die Erforschung der hervorstechenden Merkmale des bisher wenig bekannten Traktats. Stomius teilt offenbar den Gesang in «mollis» und «durus», eine für die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts sensationelle Definition und gibt dazu praktische Singanweisungen.
Zudem wird die Biographie des Autors, soweit es die Quellenlage zulässt, umfassend dargelegt. Die langjährige Unterrichtstätigkeit des Stomius in dessen Poetenschule gab den Anstoß, die Entwicklung des Schulwesens mit besonderer Berücksichtigung der humanistischen Musikpädagogik zu beleuchten und bringt überdies wertvolle Einblicke in das Salzburger Kultur- und Geistesleben des 16. Jahrhunderts.

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2 Musiktheorie und Musikpädagogik im 16. Jahrhundert – Das musikalische Fachschrifttum 21

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21 2 MusiktheorieundMusikpädagogikim 16.Jahrhundert–dasmusikalische Fachschrifttum 2.1 ÜberlieferungderantikenTradition Fast alle literarischen Zeugnisse der Antike kamen über Ver mittlung des Mittelalters auf uns. Trotz mancher Vorbehalte gegenüber der heidnischen Antike hatte man dennoch große Achtung vor den Leistungen der Griechen und Römer. Das Mittelalter trugdie lateinischeSpracheweiter,Bücherwurden studiert, ediert, erklärt, abgeschrieben und nachgeahmt.Auch in der Musik wurde zur theoretischen Fundamentierung das TonsystemvondenRömernangenommen,dasdiesewiederum gänzlichvondenGriechenübernommenhatten.DieGelehrten, die dies dem Mittelalter überlieferten, waren keine Musiker: Vitruv,Censorinus,Calcidius,Augustinus,Macrobius,Favoni us Eulogius, Martianus Capella, Fulgentius, Boethius, Cassio dorundIsidorvonSevilla.DasMittelalterstudiertedieseWer ke und versuchte die antike Lehre mit der eigenenMusik in Übereinstimmungzubringen.1Standardwerkwurdedie„Insti tutiomusica“desBoethius, anderman sich seit dem9. Jahr hundertorientierte.2 1 Vgl. Bernhard, Michael, Überlieferung und Fortleben der antiken lateinischenMusiktheorieimMittelalter.In:Göllner,Theodor/Niemöl ler,KlausWolfgang /Loesch,Heinzvon (Hg.):GeschichtederMusik theorie3.RezeptiondesantikenFachsimMittelalter.Darmstadt1990.S. 7–36,S.9. 2 Ebda. 22 Die Rezeption ältererAutoren erfolgte sowohl imMittel alteralsauch inderRenaissancenichtnurdurchreinesLesen sondern durch Interpretieren undKommentieren (s. o.). Beim Schreiben eigener Werke wurden bei den Musiktheoretikern fast durchwegs die „Alten“ als Gewährsmänner zitiert, sei es auch aus verschiedenem Antrieb heraus: im Mittelalter als Rechtfertigung,dassmandiewahreLehrevertrete,alsZeugnis und Absicherung des Dargelegten, bei den Humanisten viel mehr zur Aufwertung der eigenen Persönlichkeit und zur DarstellungdereigenenGelehrsamkeit. Diearsmusicablieb imquadrivialenVerständniseinema thematische Disziplin. Der Humanismus erweiterte allerdings dasTriviumundwerteteesauf,Poetik,Moralphilosophie,Alte Sprachen und Geschichte wurden zur studia humanitatis3, in derenNähediemusicapractica,ebensoeinhergehendmiteiner Aufwertung,rückte. AlsBegründungfüreinemusikalischeUnterweisungoder denerzieherischenEinsatzvonMusikwurdendieWirkungen der Musik zitiert. Diese wurden oftmals in den Schriften er wähnt,auchLutherführteeineReihevonEffektenan:„Perités...

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