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Frühneuzeitliche Stereotype. Zur Produktivität und Restriktivität sozialer Vorstellungsmuster

V. Jahrestagung der Internationalen Andreas Gryphius Gesellschaft Wrocław 8. bis 11. Oktober 2008

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Edited By Miroslawa Czarnecka, Thomas Borgstedt and Thomasz Jablecki

Im allgemeinen Sprachgebrauch sind Stereotype vereinfachte, schablonenhafte Vorstellungen von Menschen, die weniger auf der eigenen Erfahrung gründen. Sie transportieren eher ein mit Wertungen durchsetztes, geronnenes Erfahrungswissen innerhalb der Kulturen. Im Sinne der historischen Semantik und Stereotypenforschung sind sie nicht ausschliesslich als Vorurteile zu verstehen, sondern mehrwertig zu bestimmen. Dieser Band vereinigt Beiträge zur V. Jahrestagung der Internationalen Andreas Gryphius Gesellschaft, die vom 8. bis 11. Oktober 2008 in Wrocław stattfand. Er befasst sich mit Formen und Funktionen von nationalen, sozialen, anthropologischen, konfessionellen und Gender-Stereotypen sowie von begrifflichen und metaphorischen Stereotypen. Es gilt zu zeigen, wie sie in den Medien der Frühen Neuzeit vermittelt wurden – sei es in künstlerischen Ausdrucksformen wie Grafik, Malerei und Skulpturenkunst, sei es in der Gebrauchsliteratur, in medialen Mischformen des Flugblatts und der Emblematik. Die interdisziplinäre und internationale Ausrichtung dieses Themas erscheint gerade heute – in einem nach der EU-Erweiterung erneut veränderten Europa – als besonders aktuell und wichtig.

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Die Lesbarkeit von Stereotypen. Ein Plädoyer Hubert Orlowski 15

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Die Lesbarkeit von Stereotypen. Ein Plädoyer Hubert Orłowski „In irgend einem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flim- mernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der ‚Weltgeschichte‘: aber doch nur eine Minute.“1 Mit diesem Satz, mit der zentral postierten Formel ‚das Erkennen erfinden‘, eröffnet Friedrich Nietz- sche seinen Vortrag Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne. Verfaßt im Jahre 1873 in grimmiger Haltung gegenüber der bildungsphilist- riösen Welt des zweiten deutschen Kaiserreiches, werden uns dieser Text und diese Formel leitmotivisch nun begleiten; geht es doch im Falle von ‚Les- barkeit‘ der ‚erfundenen Erkenntnis‘ um die kognitive Verwertbarkeit von Stereotypen, um die Frage nach deren Validität auf einer idealtypisch ange- legten Skala zwischen wahr und unwahr. Wer sich einmal unvorsichtiger Weise im weiten Feld der Stereotypen- forschung verirrt hat, wird es nie unbeschädigt verlassen können. Dieser Raum verlockt nämlich durch Perspektiven nihilistisch angereicherter Refe- renzialität (vgl. Nietzsche!). Darüber hinaus überwältigt er durch kaum vor- stellbare Weiten der zu untersuchenden „kritischen Massen“ an Quellen, und er fasziniert nicht zuletzt durch überraschende Aha-Entdeckungen; wer möchte denn nicht als ein Schliemann der Stereotypenforschung herumgereicht wer- den. Gemeint ist allerdings – und das sei schon jetzt mit allem Nachdruck gesagt – nicht die soziologische bzw. sozialpsychologische, also empirisch abgesicherte Abfragung von Respondenten, meistens mit einer mehr oder weniger verdeckten ‚volkspädagogischen‘ Zielorientierung durchgeführt....

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