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Das Künstlerinterview

Analyse eines Kunstprodukts

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Christoph Lichtin

Der Kunstbetrieb produziert heute eine grosse Anzahl Interviews und verbreitet sie in verschiedenen Medien. Im Interview erscheint der Künstler als unmittelbarer Interpret seines Werks. Das Authentische der direkten Rede fasziniert, lässt jedoch vergessen, dass das Interview in einem bestimmten Kontext entstand und für die Veröffentlichung stark bearbeitet wurde. Diese Publikation behandelt die zeitgebundenen, genrespezifischen, inhaltlichen und personenabhängigen Aspekte, die das Interview zu einem komplexen Konstrukt machen.
Die einzelnen Kapitel fokussieren die Fragestellungen, die für eine umfassende Analyse von Interviews mit Künstlern wichtig sind. Es werden bedeutende Beispiele aus der Geschichte des Künstlerinterviews vorgestellt wie auch der Stellenwert von Interviews innerhalb der künstlerischen Tätigkeit eines einzelnen Künstlers analysiert. Neben immer wiederkehrenden typischen Themen wird auf klassische Gesprächsverläufe und Strategien verwiesen sowie nach den spezifischen Motiven der Kunsthistoriker gefragt. Als gemeinschaftliche Werkinterpretation wird das Interview zum kunstgeschichtlichen Genre, in welchem modellhaft ein Argumentationsprozess zur Darstellung gebracht wird.

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4 Themen 57

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57 4 Themen 4.1 Das Kunstwerk und das Künstlerbild Welche Themen werden typischerweise in Interviews mit Künstlern angesprochen? In den unzähligen Interviews, die ich für diese Publi- kation gelesen habe, kreiste das Hauptinteresse um einige wenige, stets wiederkehrende Themen, die auf eine wichtige Frage zurück- geführt werden können. Auch wenn der jeweilige Zeitpunkt des Er- scheinens in Betracht gezogen werden muss, verläuft diese Grund- frage als Leitmotiv durch die Geschichte des Künstlerinterviews. Sie wurde in Kapitel 2 ebenso tangiert, wie sie in den nachfolgenden auftauchen wird. Es ist die Frage nach dem Zusammenhang von Kunstwerk und Künstler. Sie kann unter dem Aspekt der eigentlichen Herstellung des Bildes angegangen werden, dann führt sie beispiels- weise zur Erläuterung des Malverfahrens.132 Sie kann mit einem in- terpretatorischen Interesse angegangen werden, dann führt sie zur Argumentation über das Sosein des Bildes. Die Frage nach dem So- sein des Bildes steht historisch dort in engem Zusammenhang mit dem Problem der Legitimation des Künstlers, wo das Sosein ein radi- kales Andersein wurde. Im Interview trifft sich die Interpretation und die Legitimation in der Darlegung des künstlerischen Selbstverständ- nisses. Interviewaussagen, die durch Arroganz, Aggressivität, Hem- mungen, Sprechangst, Selbstinszenierung und Profilierung bestimmt sind, können als Ausdruck dieses Legitimationsdrucks des Künst- lers interpretiert werden, der sich mit seinem Kunstwerk in einem System zu behaupten hat, in welchem der Zuspruch des Publikums, die Beachtung durch die Kunstkritik und die Konkurrenz der...

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