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Abschieds- und Sterbekultur

Gestaltung der letzten Lebensphase mit und in Organisationen

Edited By Ruth Baumann-Hölzle and Egli Consulting

Abschied nehmen begleitet Menschen Zeit ihres Lebens. Im Pflegeheim ist dieses Thema Teil des Alltags: Abschied nehmen vom vertrauten Zuhause, von körperlichen und geistigen Fähigkeiten, von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten. Das eigene Sterben ist dabei die letzte Phase in diesem Abschiedsprozess.
Die Abschieds- und Sterbekultur befasst sich mit der Gestaltung dieser Prozesse. Sie hat viele Facetten und Aspekte, denn jeder Mensch und jede Situation ist verschieden. Eine Institution kann einem Menschen Abschied, Sterben, Tod und Trauer nicht abnehmen, sie kann diesen existenziellen Dingen aber bewusst Raum geben und eine Kultur entwickeln und leben, die individuelles Abschied nehmen und Sterben erlaubt.
Dieses Buch zeigt auf, welche Möglichkeiten Pflegeheimen dafür zur Verfügung stehen und in welchem kulturellen, sozialen und ethischen Rahmen sich eine Abschieds- und Sterbekultur vollzieht. Dabei werden auch schwierige Themen wie Suizidwünsche von Heimbewohnern, der Umgang mit Patientenverfügungen und Rituale zur Bewältigung von Abschied und Trauer diskutiert. Basis dafür bilden die Erfahrungen, die in einem Projekt zum Thema in der Bethesda Pflege-Residenz in Küsnacht gesammelt worden sind. Reich illustriert vermittelt das Buch die Grundzüge eines humanen Umgangs mit einer existenziellen Herausforderung jedes Menschen.

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Teil 2: Abschieds- und Sterbekultur im Pflegeheim: Schwerpunkte 51

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K ap it el ü b er sc h ri ft 51 Teil 2 Abschieds- und Sterbekultur im Pflegeheim: Schwerpunkte Te ile ü b er sc h ri ft 52 53 5.1 Das Problem Frau M. ist 62 Jahre alt und leidet seit Jahren an Multipler Sklerose. Seit sechs Jahren muss sie im Pflegeheim betreut werden. Sie ist ganzkörperlich gelähmt und wird schon seit einiger Zeit mit einer PEG-Sonde ernährt. Sie kann sich verbal noch mitteilen, aber nur mühsam und für Ausstehende kaum verständlich. Eines Tages äussert sie den Wunsch, dass man die PEG-Sonde abhän- gen und sie sterben lassen soll. Die Patientin ist einfach müde und mag nicht mehr weiterleben. Ihr Ehemann, der sie seit Jah- ren mitbetreut und begleitet, die drei Töchter, die Pflegenden sowie der betreuende Arzt suchen das Gespräch mit ihr. Alle Beteiligten verstehen und respektieren ihren Wunsch, dennoch fällt der Schritt schwer. Es braucht in diesem Abschiedsprozess für die Familie und die Betreuenden, die ihr sehr nahe stehen, Zeit und viele Gespräche. Schliesslich wird auf die Nahrungszufuhr durch die PEG-Sonde verzichtet. Die Pflegenden begleiten Frau M. auf ihrem Weg und betreuen sie aufmerksam. In sehr geschwächtem Zustand, aber noch in der Lage sich mitzuteilen, gibt Frau M. nach einiger Zeit zu verstehen, dass sie doch wieder ernährt werden möchte. Seither ist der Wunsch zu sterben kein Thema mehr. Für die Familie, die Pflegenden und den Arzt war es ein sehr...

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