Show Less

Narrative Medizin – Erzählende Medizin

Series:

Edited By Martin Frei-Erb

Evidenzbasierte Medizin ist im klinischen Alltag nicht immer von Nutzen, da vor allem chronisch kranke Patienten oft komplexe Krankheitsbilder mit einer individuellen Mischung aus körperlichen, psychischen und sozialen Problemen zeigen. Wie bewältigen Patienten und ihre Angehörigen den Alltag mit solchen Krankheitssituationen? Antworten auf diese und ähnliche Fragen findet der behandelnde Arzt kaum in Publikationen der quantitativen Forschung. Durch aufmerksames Zuhören erfährt er, wie Patienten ihre Krankheit erleben und empfinden, was für eine Bedeutung sie ihr zumessen und wie sie ihr Leiden in ihrer persönlichen Lebensgeschichte positionieren. Das patientenzentrierte Setting der Narrativen Medizin stärkt das Verhältnis zwischen Patient und Arzt und ermöglicht einen offeneren, persönlicheren Umgang, was dem behandelnden Arzt neue diagnostische und therapeutische Wege eröffnet.
Die Beiträge in diesem Buch stammen aus der interdisziplinären Vortragsreihe zur Narrativen Medizin der Kollegialen Instanz für Komplementärmedizin KIKOM an der Universität Bern im Herbstsemester 2010.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

LOUIS LITSCHGI, ANDREAS SCHLUMPF Narratives beim Hausarzt – vom freien Erzählraum Mit einem Exkurs in die Gastlichkeit der Medizin 79

Extract

Narratives beim Hausarzt – vom freien Erzählraum Mit einem Exkurs in die Gastlichkeit der Medizin LOUIS LITSCHGI, ANDREAS SCHLUMPF Was heisst Narratives? Narratives, Erzählen und Geschichten, bezeichnen einen Bereich in unserem Leben, der allen aus der alltäglichen Erfahrung geläufig ist. Aber als terminus technicus, als definierter Begriff, steht er wohl keinem von uns klar zur Ver- fügung. Ich möchte darum mit einer kurzen Geschichte beginnen, einem Beispiel aus der Sprechstunde, um daran den Geltungsbereich des Narrativen zu illustrieren. Die Geschichte könnte ebenso gut am Familientisch oder unter Schulkameraden erzählt worden zu sein. Ein 13 jähriges Mädchen besucht seine Ärztin zur Desensibilisierung bei Heuschnupfen. Dazu muss die Ärztin dem Mädchen eine Spritze in den Oberarm machen. (Hinweise zur Transkription finden sich am Schluss des Artikels) P = Patientin A = Ärztin A: Es Pflästerli druf (klebt ein Pflaster auf die Armbeuge) P: Dr Dokter Althus hät mer mal es Pflaster zwit unde agsetzt und nachene isch alles abegloffe A: oh. (beide lachen) oh blöd, dänn gits eso e chli e Sauerei P: mhm. Alles, de ganzi Arm isch rot gsi. Ich han immer gmerkt, dass öppis abelauft. A: s’isch dänn so füecht P: und so chläbrig A: joho. Und sgit so schöni Fläcke P: ja genau. Aber zwar de Pullover isch eigentlich nit gross voll gsi A: Sicher? P: hmh A: hm, no Glück gha he. A: (setzt zur erneuten Injektion an) Achtung...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.