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Kollektive Autorschaft in der Kunst

Alternatives Handeln und Denkmodell

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Rachel Mader

Das Arbeiten in Kollektiven ist in der Gegenwartskunst zur Selbstverständlichkeit geworden. Werke und Projekte sind häufig Ergebnis von Verhandlungen und dem Zusammenspiel zahlreicher Akteure. Die Kunstgeschichte ist weiterhin dominiert vom Einzelkünstler und seinem Œuvre. Die Beiträge im vorliegenden Band fassen entlang von Fallstudien aus mehreren Jahrhunderten den kreativen Prozess jenseits von Geniekult und Schöpfermythen. Sie stellen Gruppenkonstellationen, Arbeitsmodelle und künstlerische Produktionen von Kollektiven oder Netzwerken detailliert vor und zeichnen Interaktion und Austausch als Teil des kreativen Schaffens nach. Die kollektive Praxis wird dabei zur Denkfigur für eine kunstwissenschaftliche Methodik, die ausgehend von aktuellen Produktionsbedingungen Kunst abseits von traditionellen Kategorisierungen als komplexes Gefüge greifbar macht.

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Prozesse 21

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Prozesse Die Geburt des Programms und der Tod des Autors. Kollektive Kreativität im Palazzo Vecchio 1555–1575 FABIAN JONIETZ Vektor versus Netz: Das »Abhängigkeits-Verhältnis« nach Warburg Leon Battista Albertis Empfehlung im dritten Buch seines Traktats De Pictura, dass sich Maler humanistischen Gelehrten zuwenden und ihres Kenntnisreichtums bedienen sollen, um sich bei der »compositio einer Historie« und der Bilderfindung (inventio) zu behelfen, muss häufig als Argument für ein historisches Missverständnis der Kunstwissenschaft herhalten: In dem Ratschlag sei demnach das Fundament einer spä- teren Organisationsform höfischer Kunstproduktion zu erkennen, in der dem Künstler und einem beteiligten »iconographical adviser« fixe Rollen zuzuordnen wären.1 Salvatore Settis etwa hat dieses Konzept, in welchem dem Künstler ein in aller Ausführlichkeit elaboriertes ikono- graphisches Programm vorgesetzt worden wäre, dessen malerische Umsetzung im Grunde seine alleinige Aufgabe gewesen sei, für das Quattro- und frühe Cinquecento in das lineare Rhetorikschema inven- tio (Auftraggeber), dispositio (Berater) und compositio (Künstler) einge- passt; mit inventio meint er an dieser Stelle die Themenwahl, mit dis- positio die textbasierte Zusammenstellung der mythologischen oder historischen Stoffe, die Entwicklung von Allegorien, die Auswahl pas- sender Attribute etc., und mit compositio die Umsetzung der textuellen 1 Alberti 2000, S. 294; zum der Rhetoriklehre entlehnten Begriff der compositio bei Alberti siehe Baxandall 1988, S. 121–139. Zur Rezeption im Cinquecento vgl. z. B. Dolce 1960, S. 170: »Ma, non essendo il pittor letterato, sia almeno intendente, come io dico, delle istorie e...

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