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Diskrete Präsenz

Zur Rezeption der Deutschschweizer Literatur in Rumänien

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Maria Trappen

Die Rezeption literarischer Werke jenseits der Grenzen des Sprachraums und des geopolitischen Raums, in denen sie entstanden sind, wird von einer Vielzahl literarischer und außerliterarischer Faktoren sowie von der Tätigkeit spezifischer Vermittlungsinstanzen beeinflusst. Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption der Deutschschweizer Literatur nach 1945 in Rumänien und beleuchtet deren kulturpolitischen und ökonomischen Hintergrund. Sie verfolgt dabei die Kontraste zwischen der Zeitspanne 1945–1989 und der Zeit von der Wende bis zur Gegenwart sowie die sich ändernden Auswahlkriterien in der Vermittlung der ausländischen beziehungsweise der Deutschschweizer Literatur. Die Tätigkeit einiger ausgewählter Vermittler (Verlage, Redakteure, Übersetzer, Literaturwissenschaftler) erfolgt aus einer literatursoziologischen Perspektive; in den Vordergrund rücken der Verwendungszusammenhang des Textes und Aspekte der literarischen Distribution. Die Rezeptionsschicksale einzelner Werke werden in Fallstudien nachgezeichnet, welche die Tragweite und Wirkungsweise literarischer und außerliterarischer Faktoren veranschaulichen.

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Kapitel 2 - Sprachliche Besonderheiten der Rezeption in Rumänien 65

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65 Kapitel 2 Sprachliche Besonderheiten der Rezeption in Rumänien 67 Eine Besonderheit der Rezeption der Deutschschweizer Literatur in Ru- mänien ist ihre Viersprachigkeit. Die Rezeption erfolgte nicht allein in der offiziellen Landessprache Rumänisch, sondern auch in den Spra- chen dreier ethnischer Minderheiten: Deutsch, Ungarisch und Jiddisch. Innerhalb der heutigen Grenzen des rumänischen Staates leben nach Angaben des Statistikamtes achtzehn Ethnien. Die Minderheiten machen nach der Volkszählung von 2002 rund 10,5  Prozent der Ge- samtbevölkerung aus, wobei die zahlenstärksten Minderheiten die Un- garn (1 434 377), Roma (535 250), Ukrainer (61 353) und die Deutschen (60 088  Personen) sind. Die Juden, die nach dem Zweiten Weltkrieg noch etwa 1 Prozent der Bevölkerung ausmachten (1948: 150 0001), ge- hören heutzutage zu den Ethnien, die weniger als 0,1 Prozent der Bevöl- kerung stellen (2002: 5870). Die ethnischen Minderheiten haben mindestens je einen Vertreter im Parlament und die Möglichkeit, über den Schulunterricht, über Pu- blikationen, auch über Radio- und Fernsehsendungen die Erhaltung ihrer jeweiligen Muttersprache zu sichern. Die deutschsprachige und die ungarischsprachige Minderheit verfügen über eine gut ausgebau- te kulturelle Infrastruktur, doch auch kleinere Minderheiten besitzen Presseorgane, sogar über Literaturzeitschriften (z. B. »Knijeni jivo«, Te- meswar, Serbisch) oder Verlage in ihrer Sprache (z. B. der Ivan Krasko Verlag in slowakischer Sprache oder der Mustang Verlag in ukraini- scher Sprache). Eine Diskrepanz zwischen der Zahlenstärke der Mit- glieder und der schwach ausgebauten kulturellen Infrastruktur ist bei der Roma-Minderheit festzustellen. In...

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