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Argumentative Strukturen in Sprichwörtern

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Sarah Hoffmann

Die Verwendung von Sprichwörtern in der argumentativen Rede gilt heute vielfach als «Phrasendrescherei». Dennoch spiegelt der Sprichwortschatz einer Sprachgemeinschaft zentrale argumentative Denkstrukturen wider, die im alltäglichen Sprachgebrauch Anwendung finden und nicht wegzudenken sind. Doch welche Argumentationsmuster sind in deutschsprachigen Sprichwörtern tatsächlich anzutreffen? Und welche spielen dabei eine übergeordnete Rolle? Diese Arbeit analysiert argumentative Strukturen von 319 deutschsprachigen Sprichwörtern und liefert eine fundierte Darstellung der repräsentierten Argumentationsmuster. Ausgehend von diesen Analysen wird auch der kritische Umgang mit sprichwörtlicher Argumentation anhand realer Verwendungsbeispiele erprobt. Zudem wird der wichtigen Frage nach dem Zusammenhang zwischen argumentativer Struktur und pragmatischer Funktion der Sprichwörter am Beispiel von Verwendungen in Zeitungstexten nachgegangen.

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3. Forschungsgegenstand Sprichwort 25

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25 3. Forschungsgegenstand Sprichwort 3.1 Definitions- und Abgrenzungsfragen Zunächst stellt sich die Frage nach einer Definition des Untersuchungs- gegenstandes „Sprichwort“. Entsprechende Versuche für das Sprich- wort resultieren meist in einer komplexen, jedoch dadurch auch ten- denziell unscharfen Umschreibung der zentralen Charakteristika des Sprichworts. Beispielhaft sei hier der Eintrag im „Sachwörterbuch der Literatur“ angeführt (von Wilpert 2001, S. 776): einfache Form: im Volksmund verbreiteter, volkstümlich und leicht faßlich for- mulierter, im Ggs. zur ĺ Redensart syntakt. als Satz abgeschlossener Spruch von kurzer geschlossener, oft durch Rhythmus, Alliteration, Reim, Antithese oder Parallelismus gebundener und über die Alltagssprache erhobener Form zum Ausdruck e. allg. anerkannten Lebenslehre, -weisheit und -erfahrung oder e. all- gemeingültigen Sittenlehre in bildstarkem sprachl. Gleichnis, das die Schärfe di- rekter Aussagen mildert und den sinnl. Einzelfall dem gegenständl. Denken ein- fügt. Die dem Primärkorpus zugrunde gelegten Lexika äußern sich eben- falls zu den zentralen Merkmalen des Sprichworts, bei Röhrich insbe- sondere in Abgrenzung zur sprichwörtlichen Redensart (Röhrich 2000, S. 63): Unter einem Sprichwort verstehen wir also einen festgeprägten Satz, der eine unser Verhalten betreffende Einsicht oder eine Aufforderung zu einem bestimm- ten Verhalten ausspricht. Demgegenüber weisen sprichwörtliche Redensarten keine feste Prägung auf; sie sind in ihrer Tendenz beliebig einsetzbar; sie sind wertfrei, nicht normativ. 26 Unter definitorischen Gesichtspunkten sind also verschiedene Ebenen zu unterscheiden: Neben Abgrenzungsfragen zu anderen, verwandten Gattungen wie dem Zitat und dem Aphorismus existieren formale und funktionale Eigenschaften, die...

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