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Argumentative Strukturen in Sprichwörtern

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Sarah Hoffmann

Die Verwendung von Sprichwörtern in der argumentativen Rede gilt heute vielfach als «Phrasendrescherei». Dennoch spiegelt der Sprichwortschatz einer Sprachgemeinschaft zentrale argumentative Denkstrukturen wider, die im alltäglichen Sprachgebrauch Anwendung finden und nicht wegzudenken sind. Doch welche Argumentationsmuster sind in deutschsprachigen Sprichwörtern tatsächlich anzutreffen? Und welche spielen dabei eine übergeordnete Rolle? Diese Arbeit analysiert argumentative Strukturen von 319 deutschsprachigen Sprichwörtern und liefert eine fundierte Darstellung der repräsentierten Argumentationsmuster. Ausgehend von diesen Analysen wird auch der kritische Umgang mit sprichwörtlicher Argumentation anhand realer Verwendungsbeispiele erprobt. Zudem wird der wichtigen Frage nach dem Zusammenhang zwischen argumentativer Struktur und pragmatischer Funktion der Sprichwörter am Beispiel von Verwendungen in Zeitungstexten nachgegangen.

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5. Pragmatische Funktionen von Sprichwörternin Zeitungstexten 193

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193 5. Pragmatische Funktionen von Sprichwörtern in Zeitungstexten Der zweite Teil der eingangs formulierten Fragestellung bezog sich auf die pragmatischen Funktionen, die Sprichwörter in konkreten Kon- texten erfüllen. Es sollte überprüft werden, welche Funktionen erfüllt werden und inwiefern ein Zusammenhang zwischen den mit Sprich- wörtern assoziierten Schlussmustern und ihren konkreten Funktionen im Text besteht. Untersucht wurden insgesamt 590 Verwendungsbeispiele aus dem Sekundärkorpus mit jeweils 10 Belegen pro Sprichwort. Die vorge- fundenen pragmatischen Funktionen werden im Folgenden auf der Grundlage der Sprechakttheorie in der Tradition von Austin (Austin, Urmson 1977) und Searle (Searle 1969, Searle 1976) beschrieben. Die Beschreibungen konzentrieren sich dabei auf die Beantwortung der Frage, welche Inferenzprozesse an der Realisierung der jeweiligen Funktion beteiligt sind, und wie das Sprichwort diese im Sinne einer indirekten Sprechhandlung erfüllt. Dies wird für konkrete Äußerungen anhand exemplarischer Diskussionen gezeigt. 5.1 Assertiva Zu den assertiven Sprechakten, die Searle Repräsentativa nennt, gehö- ren zum Beispiel Feststellen, Behaupten, Berichten oder Mitteilen (Searle 1976, S. 10): „The point or purpose of the members of the representative class is to commit the speaker (in varying degrees) to something’s being the case, to the truth of the expressed proposition.“ 194 Assertive Sprechakte zeichnen sich also dadurch aus, dass sich der Sprecher zur Wahrheit der von ihm behaupteten Äußerung verpflichtet. Die meisten argumentativen Funktionen wie Begründen, Bezwei- feln, Zustimmen, Behaupten, Folgern und Widersprechen gehören zu den Assertiva (vgl. Kindt 2002, S. 278 f.). Daneben gibt...

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