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Argumentative Strukturen in Sprichwörtern

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Sarah Hoffmann

Die Verwendung von Sprichwörtern in der argumentativen Rede gilt heute vielfach als «Phrasendrescherei». Dennoch spiegelt der Sprichwortschatz einer Sprachgemeinschaft zentrale argumentative Denkstrukturen wider, die im alltäglichen Sprachgebrauch Anwendung finden und nicht wegzudenken sind. Doch welche Argumentationsmuster sind in deutschsprachigen Sprichwörtern tatsächlich anzutreffen? Und welche spielen dabei eine übergeordnete Rolle? Diese Arbeit analysiert argumentative Strukturen von 319 deutschsprachigen Sprichwörtern und liefert eine fundierte Darstellung der repräsentierten Argumentationsmuster. Ausgehend von diesen Analysen wird auch der kritische Umgang mit sprichwörtlicher Argumentation anhand realer Verwendungsbeispiele erprobt. Zudem wird der wichtigen Frage nach dem Zusammenhang zwischen argumentativer Struktur und pragmatischer Funktion der Sprichwörter am Beispiel von Verwendungen in Zeitungstexten nachgegangen.

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6. Schlussbetrachtung 219

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219 6. Schlussbetrachtung Die Untersuchung von insgesamt 319 deutschsprachigen Sprichwör- tern ergab, dass der überwiegende Teil der Sprichwörter typische Ar- gumentationsmuster enthält, wie sie im Alltag verwendet und auch in der Argumentationstheorie untersucht werden. Hinsichtlich der Art des Zusammenhangs zwischen Sprichwörtern und Argumentationsmustern konnte gezeigt werden, dass manche Sprichwörter explizit die Schlussregel des jeweiligen Musters ausdrü- cken, während andere sich aufgrund der in ihnen enthaltenen Inferenz als Prämisse eines bestimmten Musters eignen. Sprichwörter, die als Maximen formuliert sind, stellen hingegen bereits die Konklusion eines Schlusses dar, der jedoch anhand der typischen Verwendungsweisen des Sprichworts oder der Betrachtung seiner Herkunft rekonstruiert werden kann. Fast alle der in der zugrunde gelegten argumentationstheoreti- schen Literatur beschriebenen Großklassen der Argumentationsmuster werden auch durch Sprichwörter repräsentiert. Jedoch zeigt das Er- gebnis der Untersuchung große Unterschiede in Umfang und Breite der Repräsentation: Argumentationsmuster, die Kausalzusammenhänge ent- halten, sind die mit Abstand am häufigsten auftretenden Schemata in Sprichwörtern. Insbesondere die zahlreichen Subtypen der Mittel-Ziel- und Zeitpunkt-Ziel-Argumentation untermauern die Relevanz dieser Schemata für die alltägliche Argumentation, in der es häufig um Handlungsorientierung und Entscheidungsfindung geht. Dieses Ergeb- nis untermauert die besondere Bedeutung kausaler Schemata für die Alltagsargumentation, wie sie auch von Kienpointner behauptet wurde (vgl. Kienpointer 1992, S. 328). Auch Reziprozitäts- und Präferenz- argumente sind häufiger vertreten, während Ganzes-Teil-Schemata, induktive Argumente sowie Autoritätsargumente eher eine unterge- ordnete Rolle spielen. Bei den in...

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