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Zoltán Kodály

und das Phänomen der ungarischen Musikerziehung

Anton Zwolenszky

Mitte der 1960er Jahre genoss die ungarische Musikerziehung und vor allem auch die Schulmusik einen weltweit legendären Ruf. Die Fachwelt verband besonders den Namen des Komponisten Zoltán Kodály – Herausgeber zahlreicher Singübungen und Musikstücke für Kinder – mit der ungarischen Musikerziehung. Musiklehrer versuchten, die so genannte «Kodály-Methode» in ihren Heimatländern anzuwenden.
Wie entstand das Phänomen der ungarischen Musikerziehung? Welche Voraussetzungen begünstigten den Musikunterricht in Ungarn? Der Autor analysiert die geschichtlichen, soziologischen und kulturellen Komponenten in Ungarn während der Lebenszeit Kodálys (1882–1967). Dabei verweist er auf wenig bekannte aber wesentliche Motive und rückt Vermutungen oder Legenden in ein realistisches Licht. Das Buch setzt gleichzeitig auch ein Denkmal für die im Ausland oft unbekannten und in Ungarn mittlerweile vergessenen Menschen, die die ungarische Musikerziehung zu einem Phänomen gemacht haben.

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Zusammenfassung – Reflexionen 491

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Zusammenfassung – Reflexionen 493 13. Die Kodály-Konzeption – Bestimmungsversuch 13.1 Allgemeines Wir fassen die Resultate unserer Untersuchung über den Entstehungs- weg des musikerzieherischen Phänomens zusammen, das in der Welt um 1960–1970 als »Kodály Konzeption« oder auch als »Kodály Me- thode« bekannt geworden ist. Diese Begriffe bilden ein Sammelbecken von Vorstellungen, wie und warum ein Lernender zur Wertschätzung und zum Verständnis der Musik herangeführt werden sollte. Beide Aus- drücke, »Konzeption« und »Methode«, wurden jedoch nicht von Ko- dály selbst, sondern erst von der Fachwelt nachträglich verwendet. Wir müssen die verwendeten beiden Benennungen gerade deshalb auseinander halten, weil sie im Alltagsgespräch sogar unter Fachmusikern ungenau gebraucht werden, es herrscht allgemein eine Begriffsverwir- rung. Die »Kodály Konzeption« sollte meiner Meinung nach eine allge- meine, umfangreichere Auffassung über die Musikerziehung benennen, die »Kodály Methode« dagegen die konkrete Vorgehensweise im Unter- richt bezeichnen. Die Tatsache, dass zunächst die Bezeichnung »Metho- de« verwendet wurde, spiegelte das praxisorientierte Interesse der Fach- welt wider, vor allem das der ausländischen Besucher in den ungarischen Schulen; sie suchten in der Vorgehensweise gewissermaßen das »Wunder- mittel«, das den Erfolg der schulischen Musikerziehung ermöglichte. In Kodálys zahlreichen, sein langes Leben begleitenden Äußerun- gen über den Musikunterricht begegnen wir nur einem Konglomerat von Ideen, die jedenfalls eine Kohärenz aufweisen. Seine Reden, Inter- views und Schriften wurden von ihm nie in einer einheitlichen Studie, geschweige denn in einer globalen Theorie zusammengefasst. Studen- ten, Mitarbeiter...

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