Show Less

Dissoziative Anfälle

Studie über ein hysterisches Symptom

Series:

Matthias Schmutz

Die freudsche Hysterie gilt heute weithin als obsolet und die berühmten Fallgeschichten über die damaligen Hysterikerinnen werden gerne als Ausdruck einer zeitbedingten Überspanntheit interpretiert. Am Beispiel der dissoziativen Anfälle weist der Autor jedoch nach, dass die ehemaligen hysterischen Symptome – aktuell als Konversions- und dissoziative Störungen benannt – nach wie vor auftreten und eine große klinische Herausforderung darstellen. Die involvierten Disziplinen der Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie tun sich schwer mit Diagnose und Therapie. Historisch fundiert und gleichzeitig mit hohem Praxisbezug referiert der Autor die wichtigen theoretischen Entwicklungen aus Psychoanalyse und Psychosomatik sowie die aktuelle Forschungspraxis.
Die Prognose bei dissoziativen Anfällen ist vergleichsweise schlecht, die Rate sozialmedizinischer Komplikationen hoch. Eine empirische, prospektiv durchgeführte Untersuchung über verlaufsprädiktive Faktoren zeigt, dass psychodynamische und persönlichkeitspsychologische Merkmale einen bedeutsamen Erklärungswert aufweisen und für die Therapiegestaltung relevant sind.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

3 Untersuchung über Erkrankungsverlauf und Prognose bei dissoziativen Anfällen: Methodik 155

Extract

155 3 Untersuchung über Erkrankungsverlauf und Prognose bei dissoziativen Anfällen: Methodik 3.1 Einführung und Untersuchungsziele Wie in Kapitel 1 und 2 gezeigt, sind dissoziative Anfälle bis zu Beginn des 20. Jahr hunderts in Bezug auf ihre ätiologische und nosologische Zuordnung klar im Kontext der Hysterie beheimatet gewesen. Im Gefolge des langsamen Verschwindens eines übergeordneten Hys te rie- konzeptes im Verlaufe des 20. Jahrhunderts ist es auch um die paroxys- male Sym ptomatik der Hysterie eher still geworden. Aus psychiatri- scher Sicht hat sie in verschiedenen alten und neuen Diagnose-Entitäten Unterschlupf gefunden und taucht in eigenständiger Form am ehesten noch als Marginalie bei den Konversionstörungen oder als dissoziatives Phänomen auf. Im neurologischen Fachgebiet allerdings sind dissoziative Anfälle aufgrund der persistierenden differentialdiagnostischen Schwierig- kei ten bezüglich Abgrenzung von epileptischen Anfällen ein aktuel- les Thema geblieben. Die Einführung des kombinierten Video-EEG- Moni torings und der damit verbesserten diagnostischen Möglichkeiten ab den 1980er-Jahren hat diese Auseinandersetzung weiter befördert, was sich in einer reichhaltigen epileptologisch und neuropsychiatrisch ge präg ten Literatur widerspiegelt. Diese ist in Kapitel 2 zusammenfas- send dargestellt. Trotz eines in der Symptomgeschichte auffindbaren rei chen Fun- dus an psychologischem und insbesondere psychodynami schem Wissen tritt dieses in der empirischen Forschung der letzten De ka den aller- dings kaum in Erscheinung. 156 Im Rahmen einer Forschungskooperation unter Leitung des Ver- fassers wurde im Zeitraum von 2004–2009 am Schweizerischen Epi- lepsie-Zentrum eine prospektive Outcome-Studie bei PatientInnen mit dissoziativen Anf...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.