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Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400-1750), Bd. 1

Beiträge zur ersten Arbeitstagung in Eisenstadt (März 2011)

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Edited By Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

Die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 weist einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger Rezeptionsliteratur auf, deren Vorlagen der antiken Literatur (griech. röm.), der Literatur Italiens, Frankreichs und Englands, vor allem aber der neulateinischen Literatur Europas und der europäischen Kirchenliteratur entstammen. Auf diesem Wege ergoss sich eine grosse Flut von neuen Informationen, Ideen und Formen über das lesebegierige Publikum, das zumeist keine andere Sprache als das deutsche Idiom verstand.
Die Sichtung, Aufarbeitung, funktionelle Definition und bildungsgeschichtliche Wertung der Rezeptionsliteratur gehört zu den historisch aussagekräftigsten Aufgaben der Erforschung der Kultur der Frühen Neuzeit. Die erste Arbeitstagung in Eisenstadt (März 2011) hat die Diskussion zu diesem Phänomen eröffnet und befasst sich mit Fragestellungen wie: Welchen Wirkungsraum und welche Funktion hatte die Rezeptionsliteratur? Wer sind die Übersetzer, die Produzenten und wer die Leser? Welche Rezeptionsvorgänge sind festzustellen? Weitere Tagungen zum Thema werden folgen.

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Federica Masiero – Die Rezeption der ersten deutschen Übersetzung des Cortegiano. Eine Wortschatzanalyse 119

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Die Rezeption der ersten deutschen Übersetzung des Cortegiano. Eine Wortschatzanalyse Federica Masiero (Padua) 1. Einleitung und Fragestellung Dem sonst unbekannten Übersetzer Laurentz Kratzer, der sich in dem ei- genhändig verfassten Vorwort zu seiner Übertragung als „Mautzaler [...] zuo Burgkhausen“ (Bl. Ar) einführt,1 verdanken wir die erste deutsche Ver- sion des wichtigsten und aufschlussreichsten Textes der Hofmannsliteratur, des Libro del Cortegiano von Baldassar Castiglione (1478–1529). Das Meisterwerk des lombardischen Humanisten kann, obwohl einige Vorläufertraktate existieren, als Archetext der europäischen Literatur übers Benehmen bezeichnet werden.2 Es ist das Werk, auf das alle folgenden nicht nur in Italien, sondern in ganz Europa immer wieder zurückgreifen, das sie variieren, kritisieren, gegebenenfalls auch plagiieren, das aber seinerseits erst im Spiegel der Nachfolgetexte zureichend verständlich wird. Obwohl die lange Debatte, um was für einen Text es sich beim Cortegiano eigent- lich handle – um eine Biographie, ein Gesellschaftsporträt, ein Kunstwerk oder einen Traktat – noch in Gang ist, wurde er von seinen Zeitgenossen als 1 Zitiert aus: Hofman/ | In Welsch der Cortegiano/ | genandt/ Ein schön vnder- richt/ wie sich | ein ieglicher/ was stands der sey/ verhal | ten soll/ damit er ein volkomenlicher | Hofman genandt werde. | Edlen vnd vnedlen Manspersonen/ | desgleichen allen Frawen vnd Jungfrawen | seher lustig zelesen. Erstlich durch Graff | Walthaserrn Castiglion / in Italiäni= | scher sprach beschriben/ vnd ietz allen Teütschen zuo guoet in Teütscher | sprach transferiert durch | Laurentzen Kratzer | Mauttzahler zuo | Burckhau= | sen. [...] Gedruckt in der Fürstlichen Stat | München bey Adam...

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