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Theorie²

Potenzial und Potenzierung künstlerischer Theorie

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Edited By Eva Ehninger and Magdalena Nieslony

Mit den Begriffen «Potenzial» und «Potenzierung» lassen sich zwei Momente fassen, die die theoretische Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern ebenso wie die kunstwissenschaftliche Arbeit über diese Theorieproduktion beschreiben. Das Potenzial künstlerischer Theorie für die Kunstwissenschaft wird in jenem Moment evident, in dem man sich darauf einigt, dass die häufig verwendete Gegenüberstellung von künstlerischer Theorie und Praxis nicht überzeugt, insofern Theorie Teil einer künstlerischen Praxis sein, und künstlerische Praxis umgekehrt theoretischen Impetus tragen kann. Mit der Potenzierung künstlerischer Theorie ist die Tatsache beschrieben, dass die Verschränkung von Theorie und Praxis im Laufe der Moderne und verstärkt nach 1960 selbst zum künstlerischen Format geworden ist. Die hier versammelten Aufsätze diskutieren diese Phänomene und die Problematik des Umgangs mit künstlerischer Theorie – eine grundlegende methodische Frage der Kunstwissenschaft. Sie nehmen diesbezüglich exemplarische künstlerische Positionen seit der klassischen Moderne bis in die Kunst der Gegenwart in den Blick.

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Potenziale der Theorie 15

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Potenziale der Theorie Theoriebildung als Praxis. Zum kunsthistorischen Stellenwert der Künstlertheorie LARS BLUNCK Vor ziemlich genau 20 Jahren haben Charles Harrison und Paul Wood in der Einleitung ihrer bis heute den Rang eines Standardwerkes ein- nehmenden, zweibändigen Quellensammlung Kunsttheorie im 20. Jahrhundert darauf hingewiesen, dass „alle Kunstgeschichtsschrei- bung der Moderne“ sich auch der Frage wird widmen müssen, wo „die Grenze zwischen Theorie und Praxis gezogen werden“1 solle. In der Tat, es ist dies sicherlich eines der Kardinalprobleme, mit denen die Historiker der modernen und zeitgenössischen Kunst bis heute ringen: Wie verhalten sich künstlerische Theoriebildung und Praxis zueinan- der? „In welchem Verhältnis“, so hat Wulf Herzogenrath bereits 1973 gefragt, „steht die Künstleraussage zum Werk?“2 Was ist ‚Werkދ – und damit konventioneller Weise Gegenstand kunsthistorischer Ana- lyse und Interpretation – und was bloß ‚Beiwerkދ? Und vor allem: Welche Konsequenzen sind aus den Antworten auf solche Fragen für die Methodologie der Kunstgeschichtsschreibung der Moderne und Gegenwart zu ziehen? Wer sich diese Fragen vorlegt, ist gut beraten allererst zu klären, was hierunter eigentlich verstanden werden soll: unter Theorie und Praxis. Dies klingt banaler, als es ist, zumal unter diesen Begriffen immer wieder unterschiedliche Phänomene diskutiert worden sind. Bereits ein erster Blick in ein besseres, beispielsweise philosophi- sches Wörterbuch offenbart, dass die semantischen Dimensionen die- ser beiden Begriffe weit über ihre Verwendungsweisen in unserer 1 HARRISON/WOOD 2003, S. 8; engl.: HARRISON/WOOD 1992, S. 2: „the line between theory and practice“. 2 HERZOGENRATH 1973, S....

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