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Theorie²

Potenzial und Potenzierung künstlerischer Theorie

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Edited By Eva Ehninger and Magdalena Nieslony

Mit den Begriffen «Potenzial» und «Potenzierung» lassen sich zwei Momente fassen, die die theoretische Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern ebenso wie die kunstwissenschaftliche Arbeit über diese Theorieproduktion beschreiben. Das Potenzial künstlerischer Theorie für die Kunstwissenschaft wird in jenem Moment evident, in dem man sich darauf einigt, dass die häufig verwendete Gegenüberstellung von künstlerischer Theorie und Praxis nicht überzeugt, insofern Theorie Teil einer künstlerischen Praxis sein, und künstlerische Praxis umgekehrt theoretischen Impetus tragen kann. Mit der Potenzierung künstlerischer Theorie ist die Tatsache beschrieben, dass die Verschränkung von Theorie und Praxis im Laufe der Moderne und verstärkt nach 1960 selbst zum künstlerischen Format geworden ist. Die hier versammelten Aufsätze diskutieren diese Phänomene und die Problematik des Umgangs mit künstlerischer Theorie – eine grundlegende methodische Frage der Kunstwissenschaft. Sie nehmen diesbezüglich exemplarische künstlerische Positionen seit der klassischen Moderne bis in die Kunst der Gegenwart in den Blick.

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Potenzierung der Theorie 157

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Potenzierung der Theorie Film als wahre Geschichte des Kinos. Dokument versus Fiktion in Jean-Luc Godards Une femme mariée (1964) REGINE PRANGE Zum Status des Films. Eine Vorbemerkung Die Geschichte der modernen Kunst und ihrer Theorie ist nicht zum geringsten Teil auch eine Geschichte des Mediums Film und seiner Reflexion. Seit dem Futurismus ist die Kunstavantgarde direkt und indirekt durch das Kino geprägt worden.1 Nicht erst die Video- oder Medienkunst offenbarte grenzüberschreitende Praxisformen, haben bildende Künstler wie Fernand Léger und Marcel Duchamp doch schon in den 1920er Jahren bedeutende experimentelle Filme hervor- gebracht.2 Anfang der 60er Jahre ließ Andy Warhol die malerische Auseinandersetzung mit dem seriellen Bild konsequent in die Arbeit als Filmemacher münden;3 zeitgenössische Künstler wie Fischli und 1 So lassen sich z.B. zwei modernistische Hauptwerke, Umberto Boccionis Plastik Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum (1913) und Marcel Duchamps Akt, die Treppe herabsteigend als plastische bzw. malerische Umsetzungen des kinematographischen Bewegungsbildes verstehen. 2 Fernand Leger konzipierte und realisierte gemeinsam mit dem Filmemacher Dudley Murphy und mit Unterstützung durch Man Ray den Film Ballett Mécanicque (1923/24); Marcel Duchamp filmte 1926 in Kooperation mit Man Ray und Marc Allégret seine sog. Rotoreliefs und nannte den resultierenden Film Anémic Cinéma. 3 Dies die These der interdisziplinären und internationalen Frankfurter Film+Lecture-Reihe Easier than Painting. Das Kino Andy Warhol’s (2013/2014). Publikation in Vorbereitung. 160 Regine Prange Weiss haben ihr Arbeitsfeld in einem oszillierenden Raum zwischen Installationskunst und Film definiert.4...

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