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Emotionale Dichte und abstrakte Schönheit

Mela Meierhans’ Vokalwerk 1999–2011

Leslie Leon

Die vorliegende Arbeit stellt einen wichtigen Schritt zur systematischen musikwissenschaftlichen Untersuchung von Werk und Arbeitsweise der Komponistin Mela Meierhans dar, deren Schaffen bisher weder erfasst noch erforscht wurde. Dreiundzwanzig Vokalwerke aus der Zeit zwischen 1999 bis 2011 stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. Die Kombination von Werkanalyse und Zitaten aus zahlreichen Interviews mit der Komponistin selber und verschiedenen Experten ermöglicht einen differenzierten Blick auf das Werk und den biographischen Kontext.
Vielfältige, oft interdisziplinär angelegte Impulse aus Literatur, Bildender Kunst, Film, Tanz und Architektur prägen die Arbeit der international tätigen Künstlerin mit Schweizer Herkunft. Die Verbindung von «emotionaler Dichte und abstrakter Schönheit» stellt ein ästhetisches Ideal der Komponistin dar und beeinflusst Mela Meierhans’ gesamtes kompositorisches Schaffen.

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5. Zwei Schlüsselerlebnisse

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Das erste jener Ereignisse passiert schon 1975. Kurt Meyerhans führt ein Stück des Komponisten Maurice Benhamou172 auf. Zunächst ist der Saal voll, doch am Schluss sind nur noch dreißig ZuhörerInnen anwesend, denn unter Buhrufen ver- lässt ein Großteil des Publikums den Konzertsaal. Mela Meierhans erklärt, warum: „Dieses Stück war natürlich skandalös. Mein Vater hat Styropor genommen, hat sich auf der Bratsche einen Steg gemacht und gespielt“173 – der Klang des Instru- ments ist entsprechend ungewöhnlich.174 Mela Meierhans ist vierzehn Jahre alt und die Entscheidung über ihre weitere Schulausbildung steht an. Sie erahnt die eigentliche Tragweite der Komposition Benhamous und spürt die Übereinstimmung ihrer eigenen Vorstellung mit dem Geschehen auf der Bühne. „Für mich war das das Größte, dieses Stück“, erinnert sich die Komponistin, „da war alles drin, da war Leidenschaft, da war Wut, da war Politik. Es ist ein Orchesterstück, ich war bei allen Proben dabei – und ich wusste, das ist es, so muss es sein.“175 Die Reaktion des Publikums empfindet sie als Schlag ins Gesicht. Das Erlebnis zeigt ihr, dass ihre Vorstellung von Mu- sik und Musikmachen offensichtlich von dem abweicht, was ein gesellschaftlicher Konsens erwartet und bereit ist zu tolerieren. Angesichts der Ignoranz der breiten Masse gegenüber der avantgardistischen Musik nimmt sie von ihrem Wunsch Ab- stand, am Konservatorium ein Musikstudium zu beginnen und beginnt die oben beschriebene Primarlehrerinnen-Ausbildung.176 Mela Meierhans passt sich an, zunächst. Doch...

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