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Agency in Arzt–Patient-Gesprächen

Zur interaktionistischen Konzeptualisierung von Agency

Series:

Jiyeon Kook

Um dem subjektiven Erleben von Patienten in Bezug auf Krankheit mehr Beachtung zu schenken, benötigt man wissenschaftliche Konzepte und Methoden, welche diesen vornehmlich kognitiven Aspekt von Krankheit überhaupt greifbar und somit letztlich analysierbar machen. Zugang zu komplexen kognitiven Konstrukten wie dem Krankheitserleben von Patienten eröffnet die verbale Darstellung von Beschwerden im ärztlichen Gespräch. Der Beitrag linguistisch-gesprächsanalytischer Forschung in diesem Zusammenhang besteht darin, mittels der Analyse ärztlicher Gespräche aufzuzeigen, auf welche sprachlichen Mittel und Verfahren Patienten bei der Darstellung ihres subjektiven Krankheitserlebens zurückgreifen. Erfolg verspricht dabei das Konzept Agency. Es erlaubt eine systematische Analyse subjektiver Erlebnisschilderungen von Patienten hinsichtlich der Frage, wie sie den eigenen Einfluss auf ihre Genesung wahrnehmen und einschätzen.
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1. Einleitung

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1.  Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Konzeptualisierung von Krankheit fällt unterschiedlich aus, je nachdem welche Lehre der betrachteten Definition zugrunde liegt (Overlach 2008: 39). Nach der klassischen schulmedizinischen Auffassung wird Krankheit im Sinne des biomedizinischen Verständnisses als Störung im Organismus verstanden, welche als Defekt von Funktionen des Organismus zum Ausdruck kommt. Das biomedizinische Krankheitsmodell zeichnet sich demnach insbesondere durch eine naturwissenschaftlich geprägte Perspektive aus, bei der Krankheit auf somatische1, d.h. biochemische und physiologische Prozesse reduziert und als körperliches Phänomen verstanden wird.2 Dem subjektiven Gesundheits- bzw. Krankheitsempfinden und -erleben eines Menschen wird dem biomedizinischen Verständnis von Krankheit zufolge keine explizite Bedeutung zugemessen.3

Mit dem seit dem Ende der 70er Jahre einsetzenden Perspektivenwechsel gewinnt die Ansicht an Bedeutung, dass die Definition von Krankheit als biochemische Abweichung eine reduzierte Perspektive darstellt, in deren Rahmen insbesondere dem krankheitsbezogenen subjektiven Erleben eines Menschen keine ausreichende Bedeutung ← 9 | 10 → zugemessen wird.4 In diesem Zusammenhang erfährt die biomedizinische Auffassung von Krankheit eine sukzessive Erweiterung unter Einbeziehung psychosozialer Faktoren, die bei der Entstehung und Bewältigung von Krankheit eine bedeutende Rolle spielen.5 Neben körperlichen Aspekten werden daher auch psychische, soziale sowie kulturelle Faktoren mit einbezogen. Krankheit und Gesundheit werden demnach als ganzheitliche Phänomene verstanden, welche sich auf einer körperlichen, psychischen und sozialen Ebene beschreiben lassen.

Soll dem subjektiven Erleben von Patienten in Bezug auf Krankheit mehr Beachtung geschenkt und Relevanz beigemessen werden, benötigt man wissenschaftliche Konzepte und Methoden, welche...

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