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Samuel Mareschal – Der Genfer Psalter in Bearbeitungen für Tasteninstrumente

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Edited By Ramona Hocker and Matteo Nanni

Angesichts der Tatsache, dass die reformierte Liturgie üblicherweise keinen Raum für selbständige Instrumentalmusik bietet, sind die hier nach den Quellen CZ-Pn Bludov R 18, CH-Bu F IX 47, CH-Bu F IX 48 edierten kompletten Bearbeitungen des Genfer Psalters, die der Basler Lehrer und Organist Samuel Mareschal (1554–1640) anfertigte, bemerkenswert. Zudem bieten die Sätze in ihrer dem Stegreifspiel nahen Faktur seltene Einblicke in die Musizierpraxis und Instrumentalpädagogik im Kontext von Universität und Schulwesen. Nicht zuletzt sind Mareschals Tabulaturen auch Zeugnisse privater Frömmigkeit der nachreformatorischen Zeit in Basel und in Mähren.
Der vorliegende Band enthält eine Edition der drei autographen Tabulaturhandschriften, die durch einen kurzen historischen Abriss, Quellenbeschreibungen, Anmerkungen zur Notation und Transkription sowie ein Lesartenverzeichnis mit weiteren Informationen zum Schreibprozess ergänzt werden.
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Einleitung

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Im vorliegenden Band werden die drei Autographe von Samuel Mareschals instrumentalen Bearbeitungen des Genfer Psalters1 (auch Hugenottenpsalter genannt) kritisch ediert. Es handelt sich hierbei um zwei verschiedene Fassungen, die der Basler Münsterorganist jeweils 1593 und 1638–40 für Tasteninstrumente adaptierte und in deutscher Tabulatur notierte. Insgesamt handelt es sich bei den beiden hier vorliegenden Instrumentalfassungen um Intabulierungen für Tasteninstrumente der 150 Psalmen und des Canticum Simeonis („Nunc dimittis“ bzw. „Or laisse Createur“). Mareschals Bearbeitungen des Genfer Psalters sind nach der Übernahme der Reformation2 entstanden: Zwischen dem Zeitpunkt der ersten und dem der zweiten Bearbeitung vollzog sich die von Johann Jakob Grynaeus eingeleitete Übernahme der reformierten calvinistischen Ausrichtung der Basler Kirche. In seiner Amtszeit hatte Grynaeus auch eine Reform des Schulwesens durchgesetzt und hatte das Basler Bekenntnis aus dem Jahre 1534 zu einer ausführlichen Kirchenordnung erweitert.3 Mareschals Werk wurde zu einem religionsgeschichtlichen Zeitpunkt komponiert, in dem zeitgleich mit der Zuwendung zum Calvinismus der Stadt Basel die Gebiete im umgebenden Bistum rekatholisiert wurden. Es ist daher auffällig, dass damit keine Einschränkungen der Kirchenmusikpraxis und insbesondere der instrumentalen Ausübung durch die Basler Kirchenvorsteher einherging. Vielmehr scheint es der Fall zu sein, dass im Zuge des Sonderwegs der Basler Reformationsgeschichte die Bedeutung der Musik zunehmend gewürdigt wurde. Der Kirchenmusik wurde eine Rolle der Vermittlung reformatorischen Gedankenguts zugesprochen und sie galt im Hinblick auf die Ausübung einer privaten Frömmigkeit als Instrument der Vergegenwärtigung und der Verinnerlichung des reformierten Glaubens.4 Dass Mareschal in...

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