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Büchner-Rezeptionen – interkulturell und intermedial

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Edited By Marco Castellari and Alessandro Costazza

Angesichts der unterschiedlichen Modalitäten und der verschiedenen Medialitätsgrade und -arten der Rezeption, die das Werk und die Figur Georg Büchners in zwei Jahrhunderten erfahren hat und weiter erfährt, muss heutzutage von Büchner-Rezeptionen in der Pluralform die Rede sein. Immer differenzierter entfaltet sich insbesondere die interkulturelle und intermediale Wirkung des Dichters, Wissenschaftlers und Revolutionärs. Sei es die Persönlichkeit des Dichters selbst, etwa beim Verfassen aufrührerischer Pamphlete, hellsichtiger Dichtungen oder fulminanter Briefe, auf der Flucht aus der Heimat oder am Seziertisch, seien es seine Figuren von Danton bis Lenz, von Leonce bis Woyzeck – das «Kind der neuen Zeit» genießt eine hohe internationale Resonanz in literarischen, theatralischen, filmischen, bildnerischen und performativen Diskursen. Anlässlich der internationalen Tagung zu Büchners 200. Geburtstag in Mailand (September 2013) untersuchen in diesem Band WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und Italien einige dieser Büchner-Rezeptionen, indem sie bekannte Konstellationen hinterfragen, überfällige Rekonstruktionen vornehmen und sich auf neues Terrain begeben.
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Vom Text zum Song: Büchners Woyzeck und Tom Waits’ Blood Money: Michela Garda

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Michela Garda (Pavia)

Kann man einen geeigneteren Text für die Theaterkonzeption des amerikanischen Künstlers Robert Wilson finden als Büchners Woyzeck? Wahrscheinlich nicht. Das letzte und unvollendete Drama des früh verstorbenen deutschen Dichters lässt offensichtlich der Phantasie eines jeden Theaterregisseurs genügend Freiraum. Die germanistische Forschung hat sich mit diesem Phänomen auf eingehende Weise auseinandergesetzt. Es ist aber die implizite intermediale Struktur des Textes, die eine echte Herausforderung für das heutige Theater darstellt, in einer Zeit nämlich, wo neue Medien wie der Film für die Aufführungsprobleme dieses Textes, anders als das Sprechtheater, erfolgversprechende Lösungen anbieten. Die Vielzahl der Verfilmungen des Woyzeck scheint dies zu belegen.

Vergleicht man Woyzeck mit Dantons Tod und Leonce und Lena, fällt Büchners massive Verwendung von gesungenen Volksliedern und halluzinierten Visionen auf. Bilder und Musik stellen dabei nicht nur Anregungen für die Inszenierung dar. Man kann schon sagen, dass Woyzeck ein klingender und visueller Text ist. Ein Zeitgenosse Büchners hätte bestimmt beim Lesen auch die Musik der bekannten Volkslieder gehört und Woyzecks Visionen durch die biblische Ikonographie vor seinem geistigen Auge selber sehen können. Die Selbstverständlichkeit dieser kulturellen Bezüge ist vorbei. Das Drama verlangt deshalb eine radikale Veranschaulichung, die zwar texttreu bleibt, aber auf die heutige globale Vorstellungswelt Bezug nimmt. Das ist eine schwierige Aufgabe, die leicht am Einsatz von skurrilen und abgedroschenen Zitaten scheitern kann. Andererseits stellt die Indetermination des Stücks,...

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