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Hybridisierung und Ausdifferenzierung

Kontrastive Perspektiven linguistischer Medienanalyse

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Edited By Stefan Hauser and Martin Luginbühl

Hybridisierung und Ausdifferenzierung sind zwei Prozesstypen, die für die massenmediale Textsortengeschichte von grundlegender Bedeutung sind: So werden für ein Medium neue Textmuster nicht von Grund auf neu entwickelt, sondern es werden oftmals Merkmale bereits existierender Textsorten übernommen, adaptiert und transformiert. In der Folge entstehen neue Textsorten, die entweder bestehende Textsorten ablösen und somit etablierte Kommunikationspraktiken ersetzen oder es kommt zu einer Ergänzung des bisherigen Textsortenrepertoires. In beiden Fällen ist es notwendig, die Aufmerksamkeit nicht nur auf einzelne, d.h. isoliert betrachtete Textsorten, sondern auch auf ganze Systeme von Textsorten zu richten; erst so werden die Auswirkungen von Hybridisierung und Ausdifferenzierung auf den «kommunikativen Haushalt» erkennbar.
Dieser Band vereinigt medienlinguistische Beiträge zu Fragen der Textsorten-Hybridisierung und Ausdifferenzierung im Bereich von Online-Medien (Online-Zeitungen und -Zeitschriften, Webforen, Facebook-Profilen, User-Kommentaren, Infografiken) und traditionellen Medien (Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen und Radio). Viele der Beiträge gehen auch medienvergleichend vor.
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Tagespolitische Berichterstattung im medialen Vergleich

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ANDREA BACHMANN-STEIN

Ausgangspunkt ist die oft geäußerte These, dass die in der Praxis ohnehin kaum aufrechtzuerhaltende Trennung von Nachricht und Kommentar bzw. von Informieren und Bewerten zunehmend aufgebrochen wird und dass aus dem Repertoire der klassischen Presse-Textsorten Mischformen hervorgehen. Ziel ist es, diese Form der Hybridisierung von Medientexten exemplarisch zu untersuchen und dabei verschiedene Emotionalisierungs- bzw. Dramatisierungsstrategien der Berichterstattung offenzulegen. Zu diesem Zweck wird als Stichprobe die Berichterstattung zum Rücktritt Kofi Annans als Syrien-Sondergesandter zugrunde gelegt und anhand eines Korpus von Texten aus verschiedenen Print- und Onlinemedien sowie verschiedenen Fernsehsendern verglichen.

1. Ausgangspunkt

Nachrichten zählen zu den am besten untersuchten massenmedialen Produkten überhaupt und zwar unabhängig davon, ob es sich um Texte aus Printmedien, dem WWW, dem Radio oder dem Fernsehen handelt (vgl. Schmitz 2004: 49). Eine immer wieder gestellte These in diesem Zusammenhang lautet, dass in der Medienlandschaft zunehmend eine Tendenz zur Boulevardisierung beobachtbar ist:

Seit (in Deutschland Mitte der 1980er Jahre) Private mit öffentlich-rechtlichen Sendern konkurrieren, herrscht ein Trend zur Boulevardisierung […]. Dabei gehen immer mehr auch unterhaltende (d.h. emotionalisierende) Elemente in die Texte und besonders die Präsentationsformen von […] Fernsehnachrichten ein. Ähnlichen Entwicklungen begegnen wir in der Presse. In solchem ‚Infotainment‘ werden unterschiedliche Textsorten, Perspektiven und Handlungsformen in kleinen Portionen zusammengemischt. […] Mittlerweile nehmen viele Nachrichten ← 109 | 110 →

[…] cluster-artige Formen mit unterschiedlichen Textsorten, Handlungsformen und Häppchen-Portionierung ohne strengen inneren Aufbau an; in Online-Medien nimmt die Segmentierung noch zu. (Schmitz 2004: 52f...

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