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«Warum schweigt die Welt?» Die Entführung von Berthold Jacob

Eine Dokumentation

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Edited By Charmian Brinson and Marian Malet

Berthold Jacob war einer der bekanntesten deutschen Journalisten und Pazifisten der Weimarer Republik, der als Anti-Nazi und Jude schon 1932 Zuflucht in Straßburg fand. Im März 1935 wurde er durch die Gestapo über die schweizerisch-deutsche Grenze entführt und in Berlin verhaftet, was internationales Aufsehen erregte. Mit einer gründlichen Einführung versehen, enthält der vorliegende Band bisher unbekannte und unveröffentlichte Briefe und andere Dokumente, die eine detaillierte Chronik der Bemühungen der Freunde im Exil entwerfen, Jacob aus seiner Berliner Haft zu befreien. Zugleich wirft das Buch ein neues Licht auf die schwierigen, nervenaufreibenden Lebensumstände antinazistischer Exilanten in den Emigrationsländern Europas.
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Einführung

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Das Unternehmen der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) gegen Berthold Jacob, Gegenstand der hier vorliegenden Dokumentensammlung, wurde als die ‘wohl spektakulärste Entführungsmaßnahme’1 bezeichnet, die je von der Gestapo gegen außerhalb Deutschlands lebende Exilanten unternommen wurde. Wer war Jacob, und warum waren die Nationalsozialisten so überaus darauf bedacht, ihn nach Deutschland zurückzubringen? Es lohnt sich sehr, über diesen faszinierenden Vorfall in der Geschichte jener Zeit zu berichten, besonders mit Hilfe bislang unveröffentlichten Materials, das nun ans Licht gekommen ist und dazu beiträgt, unser Wissen über das Geschehen abzurunden. Die meisten Unterlagen befinden sich in der Bodleian Library in Oxford, und obwohl ihre Herkunft aus dem Erwerbungsverzeichnis dieser Bibliothek nicht ersichtlich ist, weisen Format und Inhalt eindeutig darauf hin, dass sie ursprünglich von Rudolf Olden und seiner Frau Ika stammten. Olden, ein prominenter Berliner Rechtsanwalt und Verfasser von Leitartikeln für das linksbürgerliche Berliner Tageblatt, floh gleich nach Hitlers Machtübernahme in die Tschechoslowakei, denn er wusste, dass aufgrund seiner Anti-Nazi-Aktivitäten für ihn und seine Frau die Gefahr bestünde, verhaftet zu werden. Sie erreichten im November 1933 Großbritannien und zogen gegen Ende 1935 von London nach Oxford, wo sie bis zu ihrer Abreise in die USA im Herbst 1940 blieben. Es ist bekannt, dass sie gewisse Unterlagen, die später nachgesendet werden sollten, bei Professor Gilbert Murray hinterließen, und es ist gut möglich, dass sich darunter die Briefe dieser Sammlung befanden. Ihr Schiff wurde jedoch bei der...

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