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Körper – Kultur – Kommunikation - Corps – Culture – Communication

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Edited By Alexander Schwarz, Catalina Schiltknecht and Barbara Wahlen

Mit seinem Körper versucht der Mensch, Gemeinsamkeit mit anderen Menschen herzustellen (Kommunikation) und systemhaft aufrecht zu erhalten (Kultur). Gleichzeitig sind der Körper und seine Eigenarten, wie etwa das Geschlecht oder die Generation, Ergebnisse von Kommunikation in Kultur. Beides ist keine harmonische Wechselwirkung, sondern ein problematischer, ja «skandalöser» Konflikt, den die aus vielen Forschungskulturen, Sprachen und Disziplinen stammenden Beiträge dieses Bandes einerseits historisch dokumentieren und andererseits theoretisch weiter denken. Dabei liegt der Fokus auf dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit in Europa, als sich die modernen Beziehungsstrukturen noch nicht verfestigt hatten. Die Beiträge gehen auf die gleichnamige Tagung zurück, die im Mai 2013 in Lausanne stattgefunden hat. Sie sind auf Deutsch, Französisch und Englisch verfasst.
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Der Blick auf den Körper Zur verlorenen Ehre der Melusine Thürings von Ringoltingen: Nicolas Bock

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NICOLAS BOCK (LAUSANNE)

Der Blick auf den Körper Zur verlorenen Ehre der Melusine Thürings von Ringoltingen

Selten wurden Darstellungen des Körpers in der bildenden Kunst mit literarischen Körperschilderungen im Zusammenhang betrachtet. Die Frage nach den jeweiligen Konventionen und ihrem Verhältnis zueinander ist bislang noch weitgehend ungeklärt. Die außerordentlich dichte Publikationsgeschichte der Melusine Thürings von Ringoltingen, in der Text und Bild eng ineinandergreifen, erlaubt es, dem Wandel des Körperbildes in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts exemplarisch nachzuspüren. Neben den in den Holzschnitten dargestellten Körpern gilt die Aufmerksamkeit dabei auch dem Blick auf den Körper, d. h. der Perspektive der Körperwahrnehmung, wie sie in den Bildern thematisiert wird. Der Wandel in der Inszenierung des Blickes zeugt von einem schnell wechselnden Körperverständnis in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die Darstellung des nackten weiblichen Körpers erfährt dabei zunächst einen relativen Bedeutungsverlust, indem sie stärker als zuvor in eine narrative Sequenz eingebunden und zur Problematisierung wichtiger Themen sozialen Verhaltens wie Ehrerwerb und Ehrverlust genutzt wird. Am Ende des Jahrhunderts kommt es bereits zu einer entgegengesetzten Entwicklung, in der die Nacktheit der Protagonistin ins Zentrum gestellt und für kommerzielle Ziele des Buchvertriebs genutzt wird. Indem die Illustrationen als historische Quellen für die intendierte Lesart des Textes bewertet und herangezogen werden, wird auch gleichzeitig die Frage der historischen Textrezeption angesprochen: Die gemeinsame Betrachtung von Text und Bebilderung erlaubt...

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